Büroräume von Euroboden Berlin

Farbrausch in Kreuzberg

David Kohn Architects haben für den Münchner Immobilienentwickler Euroboden dessen Sitz in Berlin eingerichtet. Sie zeigen, wie man einer Gründerzeitetage den Muff austreibt und dennoch auf die denkmalgeschützte Architektur eingeht.

Auch »Euroboden Berlin« setzt wieder auf Architekten mit einem gewissen Renommee. Nachdem der Investor in den vergangenen Jahren mit Jürgen Mayer H., Arno Brandlhuber, Andreas Hild, Peter Haimerl und Muck Petzet zusammengearbeitet hat, heuert er in letzter Zeit verstärkt englische Planer an: David Adjaye, David Chipperfield und nun David Kohn Architects. Die Londoner bekamen den Auftrag, das Hochparterre des denkmalgeschützten »Palais Eger« in Berlin-Kreuzberg zu renovieren und als Niederlassung des Investors umzugestalten.

Das großbürgerliche Gebäude war 1881 von einem prosperierenden Holzhändler als private Villa errichtet worden. In den mit Holzeinbauten und Intarsien reich verzierten Räumen des Hochparterres führte der Händler den Kunden seine Produkte vor. Das Konzept von David Kohn Architects knüpft an diese historische Mischung aus kaufmännischer und wohnlicher Nutzung an und dreht sich um die Idee »produktiver Wohnlichkeit«.

So ist auch das Büro von Euroboden Berlin als Sequenz wohnlicher und zugleich repräsentativer Räume mit flexibler Nutzung konzipiert. Darin ist der zentrale Salon tagsüber informeller Treffpunkt und Lounge für Mitarbeiter und Kunden, kann aber auch für Ausstellungen oder Abendveranstaltungen genutzt werden, die sich nach Bedarf auf die weiteren Räumlichkeiten erstrecken. Büros, Küche und Bäder fungieren wie selbstverständlich auch als Showrooms, in denen Euroboden seine Haltung zu Fragen von Detailierung und Materialität vorführen kann.

Das denkmalgeschützte Gründerzeit-Interieur wurde sorgsam in das Konzept eingebunden. Das großzügige Entrée empfängt den Besucher mit kunstvoll bemalten Holzverkleidungen, Friesen und Decken. Im Kontrast zur vorgefundenen Ornamentik und Materialität stehen ausgewählte zeitgenössische Objekte und Möbel. Auch der neue Wandanstrich in teils quietschbunten Tönen setzt dem mitunter etwas drückenden Pomp des Historismus etwas entgegen. Gleichzeitig jedoch reagiert er auf den Bestand: Die Gliederung der Wände in je zwei unterschiedliche Farbflächen greift das Motiv der halbhohen Vertäfelung auf und erzeugt von Raum zu Raum unterschiedliche Stimmungen.

Das Palais blickt übrigens auf eine ungewöhnliche Geschichte zurück: Als die Stadtvilla 1881 mit Blick auf den Landwehrkanal errichtet wurde, ließ sich die Familie Eger den Bau 300000 Goldmark kosten – zu jener Zeit nicht nur eines der teuersten Wohngebäude Berlins, sondern auch ein Unikat in einer Gegend, die von Mietskasernen und Offiziersunterkünften geprägt war. Obwohl damals nur selten über private Neubauten berichtet wurde, wies die Deutsche Bauzeitung von 1890 bereits auf die hervorragende Architektur des Wohnhauses hin. Nach Planungen der Architekten Knoblauch & Wex beherbergte die Villa zwei übereinanderliegende Wohnungen mit jeweils 17 Zimmern. In den Treppenhäusern werden Besucher noch heute mit Wandbekleidungen aus Carrara-Marmor und Marmorstuck empfangen. Es ist erstaunlich, dass das Interieur trotz der bewegten Geschichte des Palais Eger weitestgehend erhalten blieb: In den 20er Jahren von einer Siemens-Tochtergesellschaft übernommen, wurde es um sechs Geschosse aufgestockt und als Büro- und Gewerbebau genutzt. Auch später wurde es mehrfach umgebaut – 1954 zur Schneiderwerkstatt, 1974 zum Arbeiterinnenwohnheim und 1996 zur temporären Unterkunft für Kriegsflüchtlinge.


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