Doppelt dämmt besser: die Sanierung von WDVS

Eins aufs andere

Was tun mit einer alten Wärmedämmung, die den aktuellen energetischen Anforderungen nicht mehr genügt? Das WDVS aufdoppeln, sagen einschlägige Hersteller und meinen damit die Montage eines neuen Wärmedämm-Verbundsystems auf dem alten.

In den Siebzigerjahren begann die große Karriere der Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS), nachdem bereits im Jahrzehnt davor die ersten Gebäude eine dämmende Hülle erhalten hatten. War man damals mit durchschnittlich fünf Zentimetern auf der Höhe der Zeit, so ist die Dämmschichtdicke bis heute kontinuierlich auf mindestens den doppelten Wert gestiegen. Kurzum: Die damals montierten Dämmsysteme entsprechen nicht mehr dem aktuellen energetischen Stand. Hinzu kommt, dass die Jahre auch an hochwertigen Fassaden ihre Spuren hinterlassen – die WDVS-Anbieter gehen von etwa 30 Jahren Standzeit bis zur umfassenden Sanierung aus.
Was also tun mit derlei Altfassaden? Diese Frage haben viele Architekten, die den WDVS skeptisch gegenüberstehen, schon immer gestellt. Die Antwort der WDVS-Lieferanten ist so überraschend wie simpel: Man montiere ein neues System über dem alten. Dieses Verfahren nennt sich Aufdoppelung und addiert die beiden Dämmschichten. Zugleich erhält das Gebäude eine neue, optisch wie funktional intakte Wetterschale.

Additives Prinzip

Natürlich gibt es eine Alternative: den Abriss der Altdämmung. Ein arbeitsintensiver und kostspieliger Weg: So muss das alte WDVS abgetragen und als Sondermüll entsorgt, der Untergrund gereinigt und anschließend das WDVS komplett neu aufgebaut werden. Da stellt sich die Aufdoppelung deutlich einfacher und preiswerter dar.
Und selbst verglichen mit einer einfachen, putz- und anstrichtechnischen Renovierung der Fassade seien die Mehrkosten der Aufdopplung, so die Hersteller, durchaus überschaubar. Tatsächlich kommen nur die Kosten für Dämmplatten, Dübel, Anschlüsse und tiefere Fensterbänke hinzu. Gerüstbau, Armierungs- und Deckputz sowie Anstrich fallen sowieso an. Knauf rechnet eher konservativ mit 50 Prozent Mehrkosten gegenüber einer Sanierung mit vollflächiger Neuarmierung und Neuverputz – die jedoch keine energetische Verbesserung bringt.

Maximale Dicke 300 Millimeter

Seit rund zwei Jahren bereits bietet die Sto AG ihr Aufdoppelungssystem an – das erste mit bauaufsichtlicher Zulassung. Es eignet sich zur Optimierung von WDVS mit Dämmplatten aus EPS, Mineralwolle oder Mineralwolle-Lamellen. Die Dicke des Doppelsystems darf bei der Kombination EPS auf EPS maximal 300 Millimeter betragen, bei EPS auf Mineralwolle und bei Mineralwolle auf Mineralwolle höchstens 200 Millimeter. Damit lässt sich die Energieeffizienz der Fassade auf heutige Standards anheben.
Beim Sto-Verfahren werden die neuen Platten zunächst vollflächig auf das Altsystem verklebt, dessen Tragfähigkeit und Standsicherheit zuvor eingehend überprüft werden muss. Um diese beiden Parameter beurteilen zu können, rät Sto, das Altsystem an mindestens fünf repräsentativen Stellen mit jeweils etwa 0,5 Quadratmeter großen Beurteilungsfenstern zu versehen. Die Verlegung der neuen Dämmplatten erfolgt fugenversetzt zum Altsystem, die Fugen dürfen also nicht übereinander liegen. Zusätzlich zur Verklebung werden die Platten gemäß DIN 1055–4 bis auf das massive Mauerwerk durchgedübelt, um die kraftschlüssige Verbindung zu gewährleisten. Nach der Dämmplattenmontage verläuft die Verarbeitung wie gewohnt, also Aufbringen einer Armierungsschicht inklusive Gewebe, Deckputz und eventuell eine egalisierende Deckbeschichtung. Weil Sto die Aufdoppelung quasi mit allen Dämmmaterialien ermöglicht, ist das System dieses Herstellers fast universell nutzbar.

Sockel inklusive

Neben Sto bietet Knauf seit April 2008 ein System mit bauaufsichtlicher Zulassung, allerdings ist die „Warm-Wand-Duo“ derzeit nur für EPS-Altsysteme zugelassen. Die Neudämmung erfolgt ebenfalls mit EPS-Platten, die mit einem speziell für die Aufdoppelung entwickelten, früh abbindenden mineralischen Kleber in Teilflächenverklebung montiert werden. Mineralisch ist auch die Armierungsschicht sowie die Deckschicht – wobei hier auch organische Putzvarianten machbar sind. Knauf empfiehlt die Verwendung grau gefärbter Dämmplatten mit umlaufenden Nut-und-Feder-Kanten, mit ihnen müsse das Verlegeraster der Altdämmung nicht beachtet werden. Die Gesamtdicke der beiden Dämmsysteme darf hier ebenfalls 300 Millimeter nicht überschreiten, auch das Verdübelungsprinzip entspricht dem von Sto.
Da Altbauten oft im Sockelbereich ungedämmt verblieben, bietet Knauf einen speziellen Anschluss. „Quix“ ersetzt die Sockelschiene und besteht aus einem Dämmelement, das mittels selbstklebender Montagehilfswinkel auf das bestehende WDVS geklebt wird und so die erste Dämmplattenreihe bildet. Damit sollen Wärmebrücken ausgeschlossen sein und die Montage schneller ablaufen.

Markt der Zukunft?

So skurril die Aufdoppelung zunächst anmutet und manchem Planer als Potenzierung des „Thermohaut-Schreckens“ vorkommen mag – sie wird neben der Erstdämmung von Bestandsbauten den Dämmmarkt der Zukunft bestimmen. Allein im Jahre 1980 wurden laut Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme e.V. in Deutschland Fassaden mit einer Gesamtfläche von 12,5 Millionen Quadratmetern gedämmt, die in Kürze zur Sanierung anstehen. Derzeit geht der Verband von einem jährlichen Aufdoppelungs-Volumen von 500.000 Quadratmetern aus, Tendenz steigend. Insofern dürfte die Schar der Aufdoppelungs-Anbieter wachsen – derzeit warten bereits verschiedene Systeme in der Zulassungsschleife, unter anderem auch Knauf mit seiner Erweiterung für mineralische Altsysteme.
Die Frage, was dann in drei Jahrzehnten mit der Doppeldämmung passiert, will derzeit niemand beantworten. Eine abermalige Überdämmung dürfte vermutlich ausscheiden. Doch wer weiß …

Autor: Armin Scharf

 

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