Schule an der Wakenitz in Lübeck

Einfühlsam und effizient

Für eine alltägliche Bauaufgabe, die Erweiterung einer Schule um zusätzliche Unterrichtsräume und eine Mensa, fand das Büro Trapez Architektur eine behutsame Lösung. Die Möglichkeiten des Bestandsgrundrisses wurden dabei geschickt ausgenutzt.

Architektonisch ist die Gemeinschaftsschule an der Wakenitz ein typisches Kind ihrer Zeit. 1952 in der Ära der gegliederten und aufgelockerten Stadt errichtet, verteilen sich die Unterrichtsräume auf mehrere zweigeschossige Pavillons, die durch flache Wandelgänge miteinander verbunden sind, die sich wiederum ideal als Pausenhalle nutzen lassen. Im Kleinen spiegelt das Ensemble das städtebauliche Leitbild jener Jahre wider. Die Pavillons wurden als schmale parallele Zeilen mit einhüftigem Grundriss ausgebildet und optimal belichtet: Die Klassenzimmer sind nach Südosten ausgerichtet, die Flure – ausreichend mit Tageslicht versorgt – hingegen nach Nordwesten.

Durch die Zusammenlegung zweier Schulstandorte und durch die Umstellung auf Ganztagsbetrieb war der Raumbedarf zuletzt stark gewachsen. Das Büro Trapez Architektur hat nun drei Baukörper ergänzt, die das Ensemble im Geiste des Ursprungsbaus weiterentwickeln. Statt die kammartige Grundrissfigur beispielsweise zu schließen und dadurch allseitig eingefasste Höfe zu schaffen, docken die neuen Körper jeweils am Ende an die bestehenden Zeilen an und verlängern diese. Dadurch bleibt die Idee von 1952 erkennbar und die Eingriffe in den üppig begrünten Außenraum werden minimiert.

Die Grundrisse der Anbauten sind sehr wirtschaftlich, da sie die Flure des Bestands mitnutzen. Zum Glück wurde aber der naheliegenden Versuchung widerstanden, aus der vorhandenen einhüftigen Erschließung auf der gesamten Länge eine zweihüftige zu machen. Dies hätte die eleganten Gebäuderiegel ihrer Schlankheit und die Flure ihres Tageslichts beraubt. Stattdessen wurde nur ein Teilabschnitt der Flure zugebaut, sodass nur eine relativ kurze Dunkelzone entsteht. Die ursprünglichen Fensteröffnungen an der Schnittstelle von Alt und Neu lassen sich auch nach der Erweiterung noch ablesen – manche als Nische, manche als innenliegender Wanddurchlass, der Sichtbeziehungen zwischen den Räumen ermöglicht. Die Laibungen wurden mit kräftigen Farben gestaltet, die auch als Orientierungshilfe dienen, denn der Ton wechselt von Gebäude zu Gebäude.

Die Anbauten sind komplett in Holzrahmenbauweise errichtet und tragen eine senkrechte Verschalung aus unbehandelten Lärchenbrettern. In jedem Klassenzimmer gibt es ein extragroßes Fenster mit tiefer Laibung und Sitznische, das den Bezug zum Außenraum stärkt.

~Christian Schönwetter