Kattau-Mühle in Buxtehude

Ein Bett im Kornspeicher

Die Umnutzung von Gewerbe- zu Wohnraum hat Konjunktur. Doch wie lassen sich denkmalgeschützte Industriebauten adaptieren, ohne dabei ihren Charakter allzu sehr zu verfälschen? Im Falle eines Lagergebäudes in Buxtehude bewiesen KBNK Architekten aus Hamburg besonderen Einfallsreichtum bei der stets schwierigen Balkonfrage.

Einst galt sie als modernster Kornspeicher Europas. Doch nach der Schließung des Betriebes fristete die Kattau-Mühle jahrzehntelang ein Dasein als Möbellager. 1914 nach Plänen von Martin Jank im Hafen von Buxtehude errichtet, ist das inzwischen denkmalgeschützte Bauwerk jetzt von KBNK Architekten aus Hamburg grundlegend saniert und zum Wohngebäude umgenutzt worden. Einen besonderen Reiz in den insgesamt 14 Einheiten schafft dabei das erhalten gebliebene Tragwerk mit den alten Holzbalkendecken und Holzstützen.
Ein gläserner Anbau legt sich im Norden und Westen um das EG des Gebäudes; er beherbergt u.a. eine Physiotheraphiepraxis und einen Kosmetiksalon. An der Südseite wurden die vermauerten Arkaden wieder geöffnet. Zum einem bieten sie nun Platz für ein Café mit reizvollem Blick aufs Wasser; zum anderen ermöglichen sie eine direkte Wegeverbindung zu den östlich angrenzenden Bauten im neu belebten Hafenareal.
Das über alle Geschosse reichende ehemalige Getreidesilo haben die Architekten zu einem luftigen Treppenhaus mit Fahrstuhlschacht umgestaltet. Für das Hauptproblem beim Umnutzen denkmalgeschützter Gewerbebauten zu Wohnzwecken, das unauffällige Schaffen von Freisitzen, ließen sich die Planer drei verschiedene Lösungen einfallen. An die bodentiefen ehemaligen Ladeluken auf der Westseite fügten sie kleine Stahlbalkone an. Auf dem Dach des eingeschossigen Anbaus stehen den Bewohnern des 1. OGs Terrassen als von außen nicht wahrnehmbare »Tröge« zur Verfügung. Und in die zuvor weitgehend geschlossene Fassade nach Osten wurden Öffnungen für Loggien gebrochen, sodass die ruhige Kontur des Baukörpers gewahrt blieb. Mit ihrer unregelmäßigen Anordnung, den unterschiedlichen Größen und den backsteinroten Putzfaschen geben sich die quadratischen Öffnungen als nachträglicher Eingriff in die Bausubstanz zu erkennen. Ansonsten zeigen die Fassaden das alte Bild: Die einfach verglasten Stahlsprossenfenster des Bestandes etwa blieben erhalten und wurden von innen mit neuen isolierverglasten Holzfenstern ergänzt.
Beim Bau der Kattau-Mühle war 1914 lediglich im Uferbereich eine Gründung mit Eichenpfählen vorgenommen worden. Die übrige Konstruktion gründete hingegen auf Torfboden und war so über die Jahrzehnte um 37 cm abgesackt. Im Zuge des Umbaus wurde das 1500 t schwere Gebäude deshalb computergesteuert mit Hilfe von hydraulischen Pressen hinten angehoben, vorn abgesenkt und anschließend auf ein solides neues Pfahlfundament aus Beton umgelastet. Stück für Stück konnte die Mühle so in ihre ursprüngliche Position gebracht werden – eine anspruchsvolle Millimeterarbeit im Dienst der Geschichte.

~Robert Uhde