Loft in ehemaliger Motorradgarage in München

Der Duft von Motoren

Ein kleiner Beitrag im Kampf gegen den Wohnungsmangel der Bayerischen Landeshauptstadt: Das Büro Aigner Architecture führt vor, wie sich selbst aus einer einseitig belichteten Hinterhofwerkstatt attraktiver Wohnraum gewinnen lässt.

Von einer Motorradgarage zum Wohnloft: Marie Aigner plante die Umnutzung. Und sie machte den extremen Kontrast zwischen alter und neuer Nutzung zum gestalterischen Thema.

Eingeklemmt auf drei Seiten von höheren Bestandsbauten öffnet sich die eingeschossige ehemalige Werkstatt zu einem Innenhof in Süd-Ost-Richtung. Große, bodentiefe Fensterflächen lassen Licht bis tief in das Gebäude fallen. Die Fassade blieb unverändert und somit der äußere Charakter erhalten.

Im Innern wurde der Baukörper entkernt und mit hochwertigen Einbauten neu strukturiert. Über die gesamte Gebäudebreite erstreckt sich zum Hof hin der große Wohn- und Essbereich, die öffentliche Zone des Lofts. Dahinter liegt der Kern mit Küche und Badezimmern. Große Faltelemente trennen die privaten Bereiche – Schlaf- und Gästezimmer – bei Bedarf ab.

Die Belichtung auch in den weiter hinten liegenden Räumen des 9 m tiefen Baus gewährleisten insgesamt vier Lichtkamine sowie ein Oberlicht im Bad. Dabei wird die spotartige Beleuchtung als Gestaltungselement inszeniert. Besonders markant erscheint das Licht im Gästezimmer, das über einen sehr langen und schmalen Schacht – wie ein Schnitt durch die Decke – einfällt.

Alle Einbauten – auch die von der Architektin als Unikate entworfenen Möbel – sollen das Flair der ehemals gewerblichen Nutzung vermitteln. So verbreitet der geseifte Eiche-Vollholzboden Werkstattcharakter, ebenso wie die schwarze Küche mit ihren Schiebeelementen oder der Gästebereich mit der schwarzen Linoleumwand. Eine besondere Reminiszenz an die Vergangenheit des Gebäudes ist der Kleiderschrank in Form eines Archivregal-Lagers: Drei Elemente lassen sich platzsparend auf Schienen verschieben, wodurch die nutzbare Fläche verdoppelt werden konnte.

~Petra Bohnenberger