Ernst-May-Siedlung nachverdichten

Das Neueste Frankfurt

Eignen sich die Siedlungen von Ernst May, um dort experimentelles Wohnen für Studierende unterzubringen? Dieser Frage geht eine Ausstellung im Deutschen Architektur Museum nach, die Entwürfe für eine fiktive Nachverdichtung präsentiert.

Die Siedlung Westhausen gilt als letzte ausgeführte Siedlung des »Neuen Frankfurt«. Ihre Errichtung jährte sich 2019 zum neunzigsten Mal. Dieses Jubiläum gab den Anlass für ein außergewöhnliches Projekt in Kooperation von DAM, Museum für angewandte Kunst und der Philipp-Holzmann-Schule in Frankfurt: Berufsschüler*innen der Fachbereiche Bautechnik, Holztechnik und Garten- und Landschaftsbau haben sich intensiv mit der Siedlung beschäftigt.

Die Parallele zwischen der Wohnungsnot  der 20er Jahre, als die Siedlung im Rahmen des Bauprogramms »DAS NEUE FRANKFURT« entstand, und der derzeit schwierigen Wohnsituation für Studierende gab den Ausschlag für das Entwurfsthema. Wurden 1929 Wohnungen für das Existenzminimum entwickelt – in Westhausen waren es 450 Reihenhäuser in strenger Nord-Süd-Ausrichtung und weitere 9 Wohnblöcke quer dazu – so standen auch beim Entwurf der Schüler*innen sowohl das Experimentelle als auch das knappe Budget und der geringe Platz als übergeordnetes Thema Pate.

So entwickelten die Auszubildenden Kleinsthäuser, experimentelle Wohnzellen, deren Einrichtung und die dazugehörige Gartengestaltung. Die Wohnmodule im Sinne der Tiny-Houses –­ mobile Häuser nicht größer als 10 qm mit Schiebe-, Klapp- und Multifunktionselementen ­– sollen als hypothetische Maßnahme der gegenwärtigen studentischen Wohnungsnot in Frankfurt entgegenwirken. Platziert auf den Flachdächern der Reihenhäuser, zeigen sie eine fiktive Nachverdichtung der Siedlung Westhausen. In Zusammenarbeiten mit den Lehrkräften wurden ausführbare Entwürfe entwickelt, die gegenwärtige Bauvorschriften und Normen erfüllen und ein hypothetisches Szenario in realisierbare Projekte umsetzt. Mit viel Engagement, Kreativität und Professionalität zeigen die Schüler*innen ihre Vorstellung einer möglichen Zukunft der Siedlung Westhausen.

Die entstandenen Pläne und Modelle sind nun in einer Ausstellung vom 16. September bis 8. Oktober im DAM zu sehen.

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