Nachbarschaftszentrum in Eindhoven (NL)

Wie von selbst gewachsen

~Claudia Hildner

Unter der Brücke landet man in der Regel, wenn einem das Dach über dem Kopf fehlt: Das Nachbarschaftszentrum im Eindhovener Stadtteil Drents Dorp hingegen zeigt, dass sich unter Infrastrukturbauten mit wenig Aufwand auch Räume mit Charme verwirklichen lassen. Wie ein Parasit sitzt die einfache Holzkonstruktion aus Recycling-Materialien unter der 1963 errichteten Brücke »Strijps Bultje«, die zur Ringstraße um die niederländische Stadt gehört. Das ortsansässige Büro Piet Hein Eek verwirklichte das Nachbarschaftszentrum, das sich v. a. an die Bewohner eines vom Unternehmen Philips in den 20er und 30er Jahren erbauten Arbeiterwohnviertels richtet, mit einem minimalen Budget. Die Architekten nutzten bei diesem Projekt nicht zum ersten Mal gebrauchte Materialien: Holz und Fensterrahmen bezogen sie von einigen Abrissunternehmen, zu denen sie inzwischen gute Beziehungen unterhalten. Die Konstruktion ist unabhängig vom Tragwerk der Stahlbetonbrücke und lässt sich bei Bedarf leicht wieder demontieren. Da unter der Brücke keine Regen- und Schneelasten auf das Dach einwirken können, waren die statischen Anforderungen an den Bau weniger hoch als normalerweise üblich. Bei einer temporären Konstruktion muss zudem nicht so sehr auf Dauerhaftigkeit geachtet werden: Die Holzkonstruktion konnte daher direkt auf den Untergrund und die Brückenfundamente gesetzt werden.
Die Fassade mit ihren vielen verschiedenen Fensterprofilen vermittelt den Eindruck, als hätten die Bewohner ihr Nachbarschaftszentrum mit viel Geschick selbst zusammengezimmert. Dennoch wirkt der Bau nicht schäbig, sondern durch die Vielfalt der Elemente, die hier verwendet wurden, offen und einladend. Die Bewohner können das Zentrum zum Feiern und für andere Veranstaltungen nutzen, sollen hier aber auch zusammenkommen, um über die anstehende Umgestaltung ihres Viertels zu sprechen und sich an den Planungen aktiv zu beteiligen.