Bürgerhaus in Blaibach im Bayerischen Wald

Von wegen Hinterwäldler

Wie ein alter Schmuckstein, der neu eingefasst wurde: So sitzt ein zuletzt leerstehendes Bauernhaus in Blaibach nun in einer Ummantelung aus Beton. Entstanden ist ein Bürgerhaus, das – zusammen mit einem neuen Konzertsaal – die Ortsmitte belebt, die bis vor Kurzem ziemlich verlassen gewirkt hatte. Denn die 2 000-Seelen-Gemeinde im Bayerischen Wald hatte mit Problemen zu kämpfen: Die Kirche war zwar noch im Dorf, doch das einzige Wirtshaus hatte bereits schließen müssen und viele der Wohngebäude standen leer, u. a. weil zahlreiche junge Blaibacher abwandern. Es drohte der Verfall des Zentrums. Die Gemeinde, die v. a. vom Tourismus lebt, zog die Notbremse und erwarb zwei der ungenutzten Bauten, so auch das alte Bauernhaus. Als Initialzündung für die Wiederbelebung entwickelte der Münchner Architekt Peter Haimerl ein zeitgemäßes Umbaukonzept. Hilfreich war dabei das Förderprogramm »Ort schafft Mitte«.
Nun legen sich um das Bauernhaus zwei Klammern aus Glasschaumschotterbeton. Das Material, das inzwischen zu einer Art Markenzeichen von Haimerl geworden ist, dämmt das alte Mauerwerk und formt gleichzeitig einen neuen Anbau. Manche der quadratischen Aussparungen in der Betonhülle sind verglast, andere rahmen die Öffnungen des Bestandes, in denen nun neue Holzfenster sitzen. Zum Anbau hin ließ Haimerl die Giebelwand des Altbaus entfernen, um einen angemessenen Eingangsbereich und einen neuen Kern mit Treppe und Sanitäreinrichtungen zu schaffen. Von außen lässt sich die Lage dieser Erschließungszone an der senkrechten Fuge zwischen den beiden klammerartigen Betonelementen ablesen. Auch das DG des frisch verputzten und weiß gestrichenen Bestandes ist sichtbar; es lugt ein Stück über die Einfassung hinaus.
Den Boden des Foyers gestaltete der Architekt mit Granitsteinen – in Anlehnung an die sogenannte »Flez«, den traditionellen Eingangsbereich von Bauernhäusern im Bayerischen Wald. Neben dem Naturstein und dem roh belassenen Glasschaumschotter-beton, der im Anbau sichtbar blieb, prägen das Innere des Ge-bäudes vor allem Oberflächen aus Tannenholz, das aus dem Bayerischen Wald stammt.
Mit dem Bürgerhaus zeigt der im nahe gelegenen Viechtach geborene und aufgewachsene Haimerl, wie sich ländliche Tradition und zeitgemäße Architektursprache in Einklang bringen lassen. Und das oft mit einem Augenzwinkern: Davon zeugen im Ratssaal die mit Kuhfell bezogenen Holzschalenstühle und der auf den nackten Beton genagelte Corpus Christi.
~Claudia Hildner