Westendsiedlung in Ludwigshafen

Vielfalt aktivieren

Wohnqualität und Energieeffizienz von Altbauten zu maximieren, ohne dabei den Charakter des Bestands zu verändern, ist keine einfache Aufgabe. Erst recht nicht, wenn es sich dabei um eine denkmalgeschützte Wohnanlage handelt. Die kommunale Baugesellschaft GAG Ludwigshafen hatte einen solchen Sanierungsfall bei der »Westendsiedlung« zu lösen, einer Mustersiedlung des Neuen Bauens, die zwischen 1930 und 1950 in der rheinland-pfälzischen Stadt als eines der ersten Vorzeigeprojekte der GAG entstand.

Rund 80 Jahre nachdem die insgesamt 500 Wohnungen für »den werktätigen Mann mit kleinem Einkommen« errichtet worden waren, stellte jedoch nicht allein die energetische und räumliche Optimierung die Bauherren vor eine große Herausforderung. Die GAG verfolgte mit der Modernisierung der fünfgeschossigen Altbauten vor allem auch einen sozialen Auftrag: Zum tristen Randgruppenquartier abgerutscht, sollte die einst vorbildlich ausgestattete Anlage wieder attraktiv für Mieter aller Schichten werden. Um Identifizierung mit dem Bauprojekt herzustellen, holten die Architekten frühzeitig gegenwärtige und künftige Bewohner mit ins Boot. Als Folge wurden benachbarte Wohnungen zu größeren Einheiten zusammengeschlossen oder in der Vertikalen zu Maisonettewohnungen ausgebaut. Außerdem bekamen alle Einheiten einen attraktiven Freisitz. Stets aber stand der Erhalt der charakteristischen Architektur im Vordergrund: Dem Stil des Neuen Bauens folgend, besitzen die über 50 blockartig angelegten Häuser Flachdächer. Ebenfalls typisch für die Bauzeit sind die Übereckfenster und das den Fassaden vorgesetzte Blendmauerwerk aus rotem Klinker. Um die Wärmeverluste der denkmalgeschützten Gebäudehülle zu verringern, kamen daher nur eine umfassende Innendämmung und der Austausch der Fenster und Türen infrage. Die Klinker wurden mit Druckluft gereinigt und schadhafte Fugen erneuert. Beschädigte Steine konnten die Planer durch Originalsteine ersetzen, da bei den Durchbrüchen für die Balkontüren ausreichend Klinkersteine »frei« wurden. Die Sanierungsmaßnahmen und der Anschluss an das zentrale Heiz- und Warmwassersystem, das mit Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbarer Energie betrieben wird, konnte den Heizwärmebedarf der Gebäude um jährlich 45 % pro m² Wohnfläche senken.
~Iris Darstein-Ebner