Theater in Heidelberg

Ruhiges Passepartout

~Christoph Gunßer

Während die Kulturetats allenthalben gekürzt werden, gelang es in Heidelberg, das bestehende Dreispartenhaus zu sanieren und großzügig zu erweitern. Die 64 Mio. Euro-Operation wurde zu einem Viertel durch Spenden finanziert. Mitten in der Altstadt konnten so verschiedene Liegenschaften wie durch ein Passepartout harmonisch zusammengefasst und durch eine zweite Spielstätte ergänzt werden.
Das Konzept der Darmstädter Architekten waechter + waechter setzt auf serielle Elemente aus Sichtbeton und Holz unter einer durchgehenden Dachplatte, die nur im Innern des nun komplett überbauten Grundstücks von den drei Quadern der Säle durchstoßen wird. Zum Straßenraum tritt die rhythmische neue Architektur nobel und zugleich nüchtern hinter den Altbaufassaden verschiedener Epochen zurück: ein Schaufenster, das den Blick in das zweistöckige Foyer freigibt, welches ebenfalls von weiß eingefärbtem, poliertem Sichtbeton und geöltem Eichenholz geprägt wird. Als helles Raumkontinuum erschließt dieser 2 400 m2 große Zwischenraum die alten und neuen Gebäude im Komplex. Glasfugen trennen dabei Alt und Neu. Der neue Theatersaal, der auch ein Jugendtheater integriert, ermöglicht durch die seitliche Erschließung über eine keilförmige Treppenanlage und die verglaste Rückwand inszenatorische Experimente. Das klassizistische alte Theater ist nun wie ursprünglich wieder stufenlos zugänglich, zwei Treppenhäuser wurden abgerissen.
Das bauliche Ensemble, das auch Probebühnen und -räume, Bewirtung und Kantine sowie Werkstätten und Lager umfasst, fügt sich sowohl aus der Perspektive des Flaneurs als auch aus der Vogelschau gut in die Altstadt ein.