Anerkennung

Reihenhaus in Köln

~Christian Schönwetter

Ein 100 Jahre altes Wohngebäude zum Passivhaus umzubauen, ist ein ehrgeiziges Unterfangen. Die deutsche Energie-Agentur dena hat daher im Kölner Stadtteil Müngersdorf ein Vorzeigeprojekt gefördert, das alle Möglichkeiten, den Ressourcenverbrauch zu drosseln, auslotet. Es ist Teil des Programms »Auf dem Weg zum Effizienzhaus Plus«. Vor dem Umbau trieben einfachverglaste Fenster, eine Ölheizung und ein elektrischer Warmwasserboiler den jährlichen Endenergiebedarf des Reihenhauses auf rund 150 kWh/m2. Heute liegt er nur noch bei 12 kWh. Um dies zu erreichen, haben Hoersch & Hennrich Architekten zunächst einmal die Hüllflächen umfassend gedämmt: Der Keller wurde abgegraben und mit 25 cm Dämmung versehen, das Dach mit 40, die Bodenplatte mit 10 bis 25 und die Fassaden mit stolzen 30 cm dicken Schichten eingepackt. Hinzu kommen dreifachverglaste Sprossenfenster. Dass die Ansicht des Gebäudes durch diese Änderungen nicht wie so oft entstellt wurde, sondern durch die Nachbildung des Bauschmucks auf der Straßenseite stadtbildverträglich bleibt, ist eine respektable Leistung. Die gestalterische Einheit der Häuserzeile aus dem Jahr 1913 wurde dadurch gewahrt.
Eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung reduziert die Energieverluste beim Lüften. Durch das Zusammenspiel all dieser Maßnahmen verbleibt nur noch ein geringer Wärmebedarf, der von einer Fußbodenheizung gedeckt wird. Ihre geringe Vorlauftemperatur ermöglicht den wirtschaftlichen Einsatz einer Erdwärmepumpe.
Damit das Haus auch möglichst wenig elektrische Energie benötigt, sind alle Räume mit LED-Leuchten ausgestattet und es wurde eine optimierte Stromverbrauchssteuerung installiert. Eine Photovoltaikanlage, die sich unauffällig auf der Gartenseite des Daches versteckt, liefert den nötigen Strom.
Das Gebäude spart so viel Energie wie möglich und deckt den restlichen Bedarf aus regenerativen Quellen. Als letzter Baustein, der dazu beiträgt, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren, nutzt das Haus Regenwasser für WC und Garten. •
Standort: Alter Militärring 25, 50933 Köln
Bauherr: Heike und Martin Hennrich, Köln
Architektur: Hoersch & Hennrich Architekten, Köln
Tragwerksplanung: Markus Flemming, Ingenieurbüro für Statik, Konstruktion und Bauphysik, Bonn
Energiekonzept/Haustechnik/Bauphysik: +e proeffizienz, Köln

Köln (S. 125)

Hoersch & Hennrich Architekten
Martin Hennrich
1969 in Stuttgart geboren. 1991-98 Architekturstudium an der RWTH Aachen und der TU Wien , anschließend verschiedene Projekte. 2000 Gründung von Hoersch & Hennrich Architekten in Köln.
Christian Schönwetter
s. Karlsruhe (S. 48)