KiTa »Kinderland« in Wittstock/Dosse

Losgelöst eingefügt

~Iris Darstein-Ebner

Ein schwieriger Spagat ist den Architekten des Berliner Büros kleyer.koblitz.letzel.freivogel im brandenburgischen Wittstock/Dosse gelungen. Als sie eine ehemalige Schule zur Kindertagesstätte umnutzten und baulich ergänzten, mussten sie raumprogrammatische und technische Notwendigkeiten mit dem denkmalgerechten Weiterbau im geschützten historischen Gefüge in Einklang bringen. Die beiden Bestandsgebäude aus den Jahren 1839 und 1894 stellen in unmittelbarem Zusammenspiel mit der stattlichen, dreischiffigen Backsteinhallenkirche St. Marien aus dem 13. Jahrhundert ein eindrucksvolles Bauensemble in der mittelalterlichen Stadt dar. Indem die Architekten einen Teil des Raumprogramms – Sanitärräume, eine Aufzugsanlage und eine Treppe als erforderlichen zweiten Fluchtweg – in einem neuen, zweigeschossigen Baukörper südöstlich der Altbauten unterbrachten, ermöglichten sie den schonenden Umgang mit dem Bestand: Sein im Innenraum noch weitestgehend erhaltener Originalzustand und die denkmalpflegerisch hoch eingeschätzten Backsteinfassaden konnten ohne größere Eingriffe beibehalten werden. In Materialwahl, Proportion und Fassadengliederung passt sich der neue Körper den vorhandenen an. So wählten die Architekten einen roten Ziegel im Standardformat, der dem seit Jahrhunderten in Wittstock verwendeten ähnelt, um bewusst eine epochenübergreifende Kontinuität im Mauerwerk herzustellen. Auch übernahmen sie die leicht in die Fassade eingezogene Fensterfront, ergänzten sie aber mit eigenen Details, wie einem Filtermauerwerk im Kreuzverband, das als semipermeable Schicht den Lichteinfall in die Räume moduliert. In den zweigeschossigen Bestandsgebäuden sind Garderoben, Gruppen- und Verwaltungsräume der Kita untergebracht. Nasszellen und Küchen stehen losgelöst von den Wänden frei im Raum. Die beiden Altbauten wurden durch einen gläsernen Brückengang miteinander verbunden, wodurch der Blick auf die eindrucksvolle St. Marienkirche weiterhin erhalten bleibt. Beim Fritz-Höger-Preis für Backsteinarchitektur erhielt die Kindertagesstätte eine Nominierung.  •