Café in Buffalo, New York (USA)

Klimawandel

Ein Café zu gestalten und dabei auf extreme Temperaturschwankungen in den Vereinigten Staaten einzugehen, ohne dass das komplette Budget für die Klimatisierung drauf geht: Das ist den Architekten von Davidson Rafailidis in Buffalo gelungen. Bei ihrem Konzept spielen ein großer Kachelofen und komplett öffenbare Schiebefenster die Hauptrolle.

Wetterlose Welt: Gerade in den Vereinigten Staaten sind Häuser in der Regel voll klimatisiert, um die extremen Temperaturschwankungen auszugleichen, die dort in vielen Bundesstaaten vorherrschen. Die Kosten für die dazu nötigen technischen Anlagen strapazieren das Budget des Architekten meist ordentlich, sodass weniger Geld für die sichtbare Gestaltung des Raums übrig bleibt. Mit dem »Café Fargo« in Buffalo zeigt das ortsansässige Büro Davidson Rafailidis eine andere Lösung: Die Temperierung des Raumes wird zum zentralen Thema des Entwurfes.
Die großzügigen Faltschiebefenster zur Straße sowie ein mächtiger Kachelofen im hinteren Teil des Cafés sind die entscheidenden neuen Elemente, zwischen denen sich der Raum aufspannt. Mit einer Oberfläche aus farbigen, von Hand gefertigten Zementfliesen bildet der Ofen das Rückgrat des ansonsten schlicht gestalteten Cafés. Dem Mörtel unter den Fliesen ist ein mikroverkapseltes Phasenwechselmaterial beigemischt, um die Wärmespeicherkapazität zu erhöhen, von der auch die gemauerte Sitzbank profitiert. Im Winter kuscheln sich die Gäste um dieses als Grundofen ausgebildete Heizelement in flauschige Decken. Im Sommer dagegen erlauben die niedrigen Eichenholzsimse vor den geöffneten, großteils nach Norden orientierten Fenstern, sich dort niederzulassen. Die wechselnden Jahreszeiten bilden sich in der alternierenden Nutzung durch die Besucher ab. Auch die Möblierung, die die Architekten z. T. selbst entworfen haben, sowie die bewegliche Beleuchtung, die durch Magnete an der bestehenden Blechdecke haftet, wandern dabei mit durch den Raum. Die Neuinterpretation eines traditionellen Heizungstyps, verbunden mit einer Wiederbelebung saisonaler Nutzungskonzepte ermöglichte also dieses für die USA untypische Lowtech-Projekt.
Der einstöckige Ziegelbau, in dem das Café seinen Platz fand, stammt aus dem Jahr 1929 und diente zuletzt als Ladengeschäft. Er sitzt an der nördlichen Außenecke eines etwa 50 Jahre älteren dreistöckigen Mietshauses im Westen der Stadt. Die Architekten entfernten im Innern bestehende Boden-, Wand- und Deckenbekleidungen, bis sie auf Oberflächen stießen, die ihnen zusagten. Dabei kamen u. a. die Sockelzone und die ehemaligen – für den Anbau zugemauerten – Fensteröffnungen des Wohnhauses zum Vorschein, sodass das Verhältnis der beiden Gebäudeteile zueinander nun deutlich wird.
~Claudia Hildner