Astley Castle in Astley

Innenraum wird Aussenraum

Astley Castle ist ein befestigtes Landhaus aus dem 16. Jahrhundert in der mittelenglischen Grafschaft Warwickshire. Einige Mauerreste stammen gar aus dem 12. Jahrhundert. Das zuletzt als Hotel genutzte Schloss brannte 1978 nieder und lag seitdem als baufällige Ruine brach. Die Londoner Architekten Witherford Watson Mann bauten 2012 das Gebäude zu Ferienwohnungen um. Angesichts des Ergebnisses ist es geradezu ein Glücksfall, dass eine originalgetreue Rekonstruktion der historisch wertvollen Substanz schon allein aus finanziellen Gründen keine Option darstellte und die Architekten darum Formen wählten, welche die baulichen Wunden des Anwesens sichtbar belassen und seiner Versehrtheit damit einen geradezu poetischen Ausdruck verleihen. Die neu hinzugefügte Architektur unterscheidet sich klar vom Bestand, ohne jedoch einen demonstrativen Kontrast herbeizuführen. Ziel ist vielmehr ein harmonisches Erscheinungsbild. Der Ansatz der Planer war dabei pragmatisch und erfinderisch zugleich: Um die Ruine statisch zu stabilisieren und ihren offenen Charakter dennoch beizubehalten, setzten sie das neue Haus in den ältesten Teil des Schlosses und nutzten die Anbauten aus dem 15. und 17. Jahrhundert als ummauerte Außenhöfe. Dadurch entsteht eine spezifische Architekturqualität, die sich weder durch reinen Neubau noch durch reine Konservierung der Ruine oder gar Rekonstruktion des Verlorenen hätte erzielen lassen. Dem Baumaterial Backstein kommt dabei eine wesentliche Bedeutung zu: Die alten Wände wurden mit neuem Mauerwerk eingefasst, gestützt und in der vollen Stärke der bestehenden Mauern weitergeführt. Um möglichst nahtlos an die unregelmäßig abgebrochenen Kanten der Ruine anschließen zu können, wurde ein ungewöhnlich flaches Steinformat mit 37 mm Höhe gewählt. Spezialsteine kamen nicht zum Einsatz, stattdessen reagieren gestufte Laibungen auf die komplexe innere Geometrie der Ruine. Die kohlengebrannten Backsteine gleichen sich den rötlich-grünlichen Farbtönen des bestehenden Kalk- und Sandsteins an, um sich dann gleichzeitig wieder durch ihre Textur klar von diesen zu unterscheiden.
~Iris Darstein-Ebner