Anerkennung

Hebelschulhaus in Riehen (CH)

~Jolanthe Kugler

Das denkmalgeschützte Hebelschulhaus aus dem Jahr 1952 ist ein filigraner Pavillonbau mit zwei Klassen- und einem Verbindungstrakt. Charakteristisch für die damaligen Vorstellungen einer kindergerechten Schularchitektur sind die hellen, großen Räume mit starkem Außenbezug, der übersichtliche Grundriss mit breiten, seitlich belichteten Korridoren und das differenzierte Farbkonzept. Nach mehreren Modernisierungszyklen, denen unter anderem die Farbigkeit der Innenräume zum Opfer gefallen war, wurde das Gebäude nun von MET Architects umfassend saniert. Obwohl es jetzt 75 % weniger Heizwärme benötigt, sind seine feinen Proportionen und sein Charme erhalten geblieben – etwa dank einer dezenten Innendämmung der Fassaden und eines von der Dachkante zurückgesetzten Dämmpakets, das die schlanke Ansicht des Bauteils bewahrt. Auch Anpassungen an heutige pädagogische Erfordernisse geschahen unauffällig. So entstanden beispielsweise neue Gruppenräume durch Umfunktionieren einiger Klassenzimmer. Mit dem Umbau der Turnhalle zur Aula und der Umwandlung des Zeichensaals zur neuen Gemeinde- und Schulbibliothek wurden auch größere strukturelle Eingriffe in das Gebäude vorgenommen, die sich aber gestalterisch nicht in den Vordergrund drängen.
Für die neue Aula ließen die Architekten die Garderobenräume der ehemaligen Turnhalle samt Außenwand abbrechen und in ein großzügiges Foyer mit raumhohen Schiebefenstern zur Terrasse hin umwandeln. Die neue Glasfassade, von schwarz lackierten Stahlprofilen gefasst wie die historischen Außentüren, übernimmt den Rhythmus der bestehenden Vordachstützen. Der Boden des Erschließungsbereichs führt das Motiv der roten Klinkerflächen mit unregelmäßig eingestreuten ockerfarbenen Platten fort, das auch die anderen Trakte prägt. Die Aula selbst ist jetzt in pastelligen Beige- und Grüntönen gehalten, die Wände sind aus akustischen Gründen mit lamellenartigen Paneelen verkleidet, die an Vorbilder aus den 50er Jahren erinnern. An der Decke schweben eigens angefertigte, flache rechteckige Leuchten aus Opalglas. Der ganze Raum wirkt luftig und leicht, das Neue ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen und fügt sich wie selbstverständlich mit den weitgehend originalgetreu rekonstruierten Fensterflächen zu einem harmonischen Ganzen zusammen.
Für die Klassenzimmer wurden warme Beige- und Grautöne gewählt, an der tafelseitigen Wand und an den Pinnwänden mit einem Altrosa ergänzt, das den Ton der bestehenden Sonnenstoren aufgreift. Im Zusammenspiel ergeben sich tages- und jahreszeitabhängig unterschiedliche Lichtstimmungen.
Wo immer möglich, haben die Architekten alte Bauteile wiederverwendet. Unter anderem ließen sie die mit farbigem Linoleum belegten Innentüren sorgfältig restaurieren. Die Schäden am Linoleum behob ein findiger Restaurator auf kreative Weise, indem er eine dünne Schicht des Oberflächenmaterials abtrug und zu einer spachtelfähigen Masse weiterverarbeitete, mit der er die Kerben und Löcher schloss. So konnte der Originalfarbton der Türoberflächen und damit das kindgerechte Orientierungssystem beibehalten werden: Cyan für die Unterrichtsräume, Grau für Nebennutzungen, Gelb für die Administration.
Alle vorgenommenen Eingriffe basieren einerseits auf einer sorgfältigen Analyse der räumlichen Qualitäten des Bestands und andererseits auf einer umfassenden Farb- und Materialerfassung der historischen Bauteile und Oberflächen, aus der die Planer das Farbkonzept für die Sanierung ableiteten. Auf diese Weise haben sie die Hauptmotive des Gebäudes wieder sichtbar gemacht und wo nötig neu interpretiert oder weitergeschrieben, dabei aber immer einen stimmigen Gesamteindruck ohne Brüche im Auge behalten. »Wir wollten, dass Alt und Neu zusammenwächst«, sagen die Architekten. Das ist ihnen mit ihren sensiblen Eingriffen in beispielhafter Weise gelungen. •
Standort: Langenlängeweg 14, CH-4125 Riehen
Bauherr: Hochbauamt Kanton Basel, Basel
Architektur: MET Architects GmbH, Basel
Tragwerksplanung: Proplaning AG, Basel
Haustechnik: Amstein & Walthert AG, Basel
Bauphysik: Ehrsam & Partner AG, Basel

Riehen (CH), Schule (S.118)

MET Architects
Roula Moharram
1968 in Beirut (Libanon) geboren. Studium an der UP9 Paris-La Seine, 1994 Abschluss. 1994-99 Mitarbeit bei Pierre El Khoury & Partners in Beirut. 2000-09 dort eigenes Büro, seit 2009 gemeinsames Büro mit Thomas Thalhofer in Basel. 2009 am ETH Studio, Basel.
Thomas Thalhofer
1969 geboren. Studium an der FH Augsburg, 1998 Diplom. 1998-2002 Mitarbeit bei Hild und K. 2003-07 Projektleitung für Christ & Gantenbein, 2007-09 für Christian Kerez. Seit 2009 Büro mit Roula Moharram. 2009-11 Lehrauftrag an der Hochschule Luzern.
Jolanthe Kugler
1977 geboren. 1997-2004 Studium der Architektur, Kunstgeschichte und Soziologie. 2004 Master in Architektur. 2004-12 Berufstätigkeit in der Schweiz und Italien, 2009-2012 Wiss. Mitarbeit an der FH Nordwestschweiz . Seit 2012 Kuratorin im Vitra Design Museum.