Anerkennung

Ferienhaus in Lumbrein (CH)

~Claudia Hildner

Touristen statt Kühe: Die Umwidmung eines landwirtschaftlichen Nutzbaus im graubündnerischen Lumbrein zeigt, dass sich auch der Fremdenverkehr der Landschaft unterordnen kann. Ein ehemaliger Stall wird in seiner Erscheinung erhalten, die Umnutzung in ein Ferienhaus durch die Basler Architekten Morger + Dettli erst auf den zweiten Blick deutlich.
Der Bestand gliedert sich in zwei Bereiche: den ehemaligen Kuhstall im unteren Geschoss, der als geschlossener Blockbau errichtet wurde, und das Heulager im oberen Geschoss, dessen offenere Bauweise für eine gute Durchlüftung sorgte. Diese grundsätzliche Struktur behielten die Architekten bei; bergseitig wurde allerdings unter dem Dach eine Zwischenebene für ein Bettenlager eingezogen.
Die Architekten brachten die neue Nutzung nach dem »Haus-im-Haus«-Prinzip in die bestehende Hülle ein. Analog zum Bestand arbeiteten sie dabei mit Holz: Im oberen Geschoss ist das Implantat in Holzständerbauweise ausgeführt, im unteren Geschoss in Blockbauweise – anders als beim Bestand sind die Hölzer allerdings nicht horizontal geschichtet, sondern vertikal mit Nut und Feder aneinandergefügt. Stall und Scheune wurden weitgehend entkernt, dennoch blieben nicht nur die äußere Hülle, sondern auch die Deckenbalken sowie einige Querwände erhalten. Der Kontrast zwischen Alt und Neu wird so in fast allen Räumen spürbar.
Helles Fichtenholz hebt sich deutlich von den dunklen, verwitterten Balken des Bestandes ab, ergänzt um dunkel eingefärbten Beton, der unter anderem beim Boden, beim Küchenblock sowie beim Kamin zum Einsatz kam.
Die unregelmäßige Struktur der bestehenden Hülle dient als Fassade und Sonnenschutz gleichermaßen. Die Öffnungen zwischen den Hölzern lassen Licht ins Innere fallen, verhindern ungewollte Einblicke und modulieren den Ausblick – je nachdem, wo die Feriengäste sich im Raum befinden, werden andere Ausschnitte der Landschaft sichtbar. Mit ihrem Ferienhaus im Stallkleid schaffen die Basler Architekten das Kunststück, helle Innenräume zu erzeugen, ohne die historische Hülle mit neuen Öffnungen zu perforieren. Die touristische Nutzung fügt sich dadurch gestalterisch verträglich in die gewachsene Dorfstruktur ein. •
Standort: Trancauna 18, CH-7148 Lumbrein
Auftraggeber: privat
Architektur: Morger + Dettli Architekten AG, Basel
Tragwerksplanung: Conzett Bronzini Gartmann AG, Chur
Holz- und Schreinerarbeiten: Alig & Co., Vrin

Lumbrein (CH) (S. 113)

Morger + Dettli
Meinrad Morger
Architekturstudium in Winterthur. 1988-2006 Morger & Degelo Architekten, seit 2006 Morger + Dettli Architekten. 1992 Kunststipendium. 2003-10 Professuren in Horw (CH) und Aachen, seit 2010 in Darmstadt.
Fortunat Dettli
1989 Architekturdiplom an der ETH Zürich. Seit 1990 eigenes Architekturbüro. 1993-99 Assistenz an der ETH Zürich. Seit 2006 Morger + Dettli Architekten in Basel.
Claudia Hildner
s. München (S. 102)