Bild: Jordi Surroca, Barcelona
Klosterkirche St. Francesc, Santpedor (ES)

Auferstanden aus Ruinen

Aus der Not eine Tugend gemacht: Beim Umbau einer teilweise verfallenen Klosterkirche zu einem Veranstaltungsraum hat sich das katalanische Architekturbüro David Closes besonders von den Mängeln des Gebäudes inspirieren lassen. So haben die Planer das historische Erbe bewahrt – und ein modernes multifunktionales Kulturzentrum geschaffen.

Julia Macher Übertriebene Ehrfurcht vor dem Bestand kann man dem Umbau der Klosterkirche Sant Francesc im katalanischen Santpedor nicht vorwerfen: Ein asymmetrisches Treppenhaus aus Beton und Glas scheint aus der Eingangsfassade zu wachsen, und im ersten Obergeschoss führt nun eine mächtige Brücke quer durch das Kirchenschiff. Bei der Umgestaltung zum multifunktionalen Kultur- veranstaltungsraum hat das Büro David Closes Mut zur zeitgenössischen Ergänzung bewiesen.

Das im frühen 18. Jahrhundert erbaute Gebäude, ursprünglich Bestandteil eines Klosterensem- bles, war nach einer Plünderung im Jahr 1835 zunehmend verfallen und zuletzt als Schlachthof und Garage genutzt worden. Seit 1971 stand es leer. Der Abriss des – die Kirche an zwei Seiten umschließenden – Franziskanerklosters im Jahr 2000 verschlechterte die Bausubstanz zusätzlich. Als die Stadt 2003 den Umbau zum Kulturzentrum ausschrieb, bestand der Wert der als lokales Baudenkmal besonders geschützten Kirche nur noch in ihrem Beitrag zur historischen Silhouette der Stadt.

Narben als Gestaltungsgrundlage

Der Entwurf von David Closes garantierte den Fortbestand des Bauwerks, also ließen die Verantwortlichen für Denkmalpflege den Architekten weitgehend freie Hand. Diese bezogen die Narben und Wunden des Gebäudes in ihre Planung mit ein. Das an drei Stellen eingesunkene Dach etwa lieferte die Kernidee der Lichtgestaltung. Da das über diese Öffnungen einfallende Tageslicht das ursprüng- lich eher unscheinbare Kircheninnere großzügig wirken ließ, entwickelten die Planer verschiedene Oberlicht-Lösungen, um diese Raumqualität zu erhalten. Nördlich der Apsis hat man dem Gebäude eine Art Gaube aufgesetzt, die den ehemaligen Chor, heute der Bühnenbereich, großzügig mit Licht versorgt. Ein weiteres Oberlicht gewährt freie Sicht auf den Glockenturm. Schließlich wurden am Ein- gang des Schiffes Dach und Gemäuer so eingeschnitten, das Licht auf die Innenmauer fällt, wodurch unter anderem die Sanitärräume mit Streiflicht indirekt beleuchtet werden.

Die ursprüngliche Bausubstanz sollte freigelegt werden, daher ließen die Planer im Inneren Putzreste von den gemauerten Wänden entfernen, Steine und Verfugungen reinigen. Außen setzten sie die Fugen zum Schutz vor der Witterung mit einem gefärbten Kalkmörtel instand.

Rundgang durchs historische Erbe

Die für die neue Nutzung notwendigen Einbauten sollten die räumliche Einheit des Schiffes so wenig wie möglich beeinträchtigen. Für die Erschließung des ersten Obergeschosses – der Zugang erfolgte ursprünglich über das Kloster – schnitt man ein Trapez in die Eingangsfassade und setzte als Treppenhaus eine asymmetrische, verglaste Stahlbetonkonstruktion davor. Die Stufen, die teils mit Aluminium, teils mit Holz bekleidet sind, führen über ein Zwischengeschoss auf eine Brücke, die quer durch das Hauptschiff verläuft und Zugang zu den Räumlichkeiten im nördlichen oder südlichen Seitenschiff ermöglicht. Diese sind jeweils als Enfilade gestaltet und lassen sich entweder als Ausstellungsräume oder als Künstlergarderobe nutzen. Auf der Nordseite endet die Raumfolge mit einer Wendeltreppe, über die man ins Erdgeschoss des Seitenschiffs gelangt, das hier direkt an den Altarraum grenzt. Von dort blickt der Besucher durch das Oberlicht auf den Glockenturm, und kann danach längs durch das Hauptschiff zurück zum Eingang schlendern, mit Blick auf die Brücke, die mit unterschiedlich langen vertikalen Holzlatten bekleidet ist und dadurch an eine Orgel erinnert. So lassen sich auf einer Art musealem Rundgang die unterschiedlichen Facetten der wiedergewonnenen Klosterkirche begutachten.

Über Kreuz

Der Kontrollraum für Sound und Licht befindet sich auf einer dreieckigen Betonempore unter der Treppe. Die übrige Gebäudetechnik des Kulturzentrums lagerte man in einen quaderförmigen Baukörper aus, der im Obergeschoss an der Außenmauer des Chores sitzt. Er ruht auf einem Betonkreuz, das wiederum auf den verbliebenen Klostermauern an der Nord-West-Fassade auflagert und diese dadurch aussteift. Dass das alte und das neue Tragwerk zusammenwirken, soll auch der Laie erken- nen: Die Enden des Betonkreuzes ragen gut einen Meter aus dem Gemäuer. Auch anderswo ist das Tragwerk nach dem gleichen Prinzip ertüchtigt worden. Die Betonschale des Dachgewölbes wurde so konzipiert, dass sie ihre Lasten nur vertikal in das bestehende Gemäuer weiterleitet und dieses dadurch stabilisiert, denn der seitliche Schub der alten Dachkonstruktion entfällt. Zusätzlich wird die Brücke im Inneren von Stahlträgern gestützt, die auf den Kirchenmauern lagern und diese aussteifen. Ein Teil des Entwurfs existiert bisher nur auf dem Papier: Zu dem Projekt gehören eigentlich auch noch ein Archiv und die dazugehörigen Arbeitsräume. Laut Plan sollen diese Nutzungen in fünf Stahlbetonquadern untergebracht werden, die aus der Südfassade kragen. Einen Termin für die Fertigstellung gibt es nicht, die Finanzierung steht aus – und wird angesichts chronisch leerer Gemeindekassen in Spanien wohl auf sich warten lassen.