Zentrum Taufe in Eisleben

Alles fliesst

~Tanja Feil

Wie Luther besinnt sich nun auch sein Taufort in Eisleben gestalterisch auf das Wesentliche: AFF Architekten aus Berlin bauten die gotische St. Petri-Pauli-Kirche mit reduzierten Eingriffen zu einem überkonfessionellen Taufzentrum um. Dazu trugen sie den Bestandsboden aus den 20er bzw. 70er Jahren komplett ab und brachten eine neue, stufenlose Stahlbeton-Bodenplatte mit Bauteilaktivierung ein. Diese führt nicht nur Chor und Kirchenhalle zu einer räumlichen Einheit zusammen, sondern ermöglicht über eine in den Außenraum greifende Rampe auch die barrierefreie Erschließung des Sakralbaus. Gebührenden Respekt vor dem denkmalgeschützten Bestand wahrt der Boden mittels einer umlaufenden Randfuge, die mit gewaschenem Grobkies gefüllt ist und sämtliche technischen Installationen aufnimmt.
Im Zentrum der Kirche liegt der neue Taufort; er besteht aus einer kreisrunden Öffnung in der Bodenplatte mit einem leicht abgesenkten Wasserbecken, das sich für Ganzkörpertaufen eignet. Traditionelle Zeremonien können unmittelbar daneben am Luthertaufstein stattfinden. Das Becken, die Lutherrose an einem der Kreuzungspunkte des Deckengewölbes sowie die räumlichen Pole des Gebäudes bilden die Zentren für sich überlagernde Gravuren im Betonfußboden; diese zeichnen Interferenzen auf einer Wasseroberfläche nach und stehen damit symbolisch für den Taufakt. Das zweifarbige Ringmuster entstand z. T. durch Schleifen, z. T. durch Scharrieren bzw. Sandstrahlen und anschließendes Versiegeln der Deckschicht.
Die schlichte Material- und Formensprache des Umbaus setzt sich bei der Kirchenmöblierung fort. Aus verschiedenen regionalen Obstvollhölzern handwerklich gefertigt, bildet sie mit ihren unterschiedlichen Brauntönen einen warmen Kontrast zu den hellgrauen Natur- und Kunststeinoberflächen des Sakralraums.