Arne-Jacobsen-Foyer in Hannover

Hochglanzpoliert

1966 errichtete der Altmeister ein kristallines Eingangsbauwerk für die Herrenhäuser Gärten. Koch Panse Architekten meisterten nun die Aufgabe, das gläserne Gebäude so unauffällig wie möglich an heutige Energie- und Klimastandards anzupassen.

~Hartmut Möller

Die Herrenhäuser Gärten genießen weit über Hannovers Grenzen hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. Am Zugang zu dem barocken Park, der sich hinter einem Schloss verbirgt, befindet sich eine Perle der Spätmoderne, die gerade eine Frischekur erhalten hat. Sie blickt auf eine spannende Historie zurück: Anlässlich des 300-jährigen Bestehens der Gartenanlage hatte Arne Jacobsen anstelle des ehemaligen Herrschaftshauses bereits 1964 ein kühnes Projekt mit dem klangvollen Namen »Bella Vista« vorgesehen. Zwei übereinander liegende Betonschalen hätten dabei als schwebende Aussichtsplattform über dem barocken Herrschaftspark thronen sollen. Weitere Bauten gehörten zum Konzept – zur Umsetzung kam jedoch aufgrund heftigen Widerstandes 1966 lediglich das nach seinem Planer benannte Glasfoyer als westliche Verlängerung der vorhandenen Galerie. Der 48 m lange und 12,5 m breite Kristallriegel wird an den Schmalseiten ebenerdig erschlossen. Von dort führt jeweils eine Treppe zur unteren und zur oberen Ebene. Letztere besteht aus drei hintereinander gereihten quadratischen Podesten, die frei im Raum stehen und mittels Stegen verbunden sind, sodass aufgrund der Aussparungen zusätzliches Tageslicht nach unten dringen kann.

Die 1,7 Mio. Euro teure, behutsame Ertüchtigung des Baus erfolgte unter Federführung des lokalen Büros Koch Panse Architekten in acht Monaten. Hochglanzpoliert funkelt er nun in sommerlicher Sonne. Wie es sich für ein denkmalgeschütztes Objekt ziemt, sind äußerliche Änderungen kaum wahrnehmbar. Zu den technischen Herausforderungen gehörten eine moderne Lüftungs- und Heizungsanlage, Blitzschutz, Akustikdecke und neue Sanitärobjekte. Nachgerüstete Rollos an der Südfront helfen gegen sommerliche Überhitzung. Eine neue Dachbegrünung verbessert den Anblick aus den oberen Schlossetagen, dank zurückgesetzter Attika blieb dabei die Schlankheit der alten Dachkante gewahrt. Im Innern zieren das Schmuckstück nun stilecht einige von Jacobsen entworfene Möbel, u. a. die prominenten Sessel »Ei« und »Schwan« sowie Stühle der »Serie 7«. Ob sie dem Raum eine besondere Authentizität verleihen, sei dahingestellt, Architektenherzen lassen sie allemal höher schlagen.

Mit Glasschwertern vor den raumhohen Fassadenscheiben und mit nach innen versetzten Stahlstützen hatte der berühmte Däne dem Baukörper eine maximale Transparenz und Leichtigkeit verliehen. Mittels eingezogener Stahlträger sind auch die Ecken der Halle vollständig verglast. Der dort jetzt in Gebäudehöhe angebrachte, transluzente Schriftzug »AJF« als Hinweis auf den Namen des Gebäudes stört leider die Transparenz und erscheint obendrein unnötig. Die Selbstverständlichkeit, mit der das gläserne Kleinod ansonsten mit den 1862 errichteten gusseisernen Arkaden zwischen Orangerie, Galerie, Palais und Blumenpracht harmoniert, spricht hingegen für sich.