Apartmenthaus in Amsterdam (NL)

In der Uni schlafen

Auch die niederländische Hauptstadt sagt der Wohnungsnot den Kampf an. Nun wurde ein ehemaliges Hochschulgebäude transformiert, um 162 neue Apartments zu schaffen. Wie ist es gelungen, dabei den Charakter des Ursprungsbaus zu bewahren?

Nicht weit vom Zentrum Amsterdams liegt die Wibautstraat, eine vierspurige Magistrale, die direkt in die Stadtmitte führt. 1961 errichtete die Fachhochschule hier ein Fakultätsgebäude ganz im Stil der damaligen Zeit. Über einem zurückspringenden EG mit Pfeilerumgang ruhte ein nüchterner Baukörper, dessen horizontale Bandfassade mit gelben Klinkern bekleidet war. Ein ebenfalls zurückversetztes Attikageschoss bildete den oberen Abschluss.

Im Zeichen der Nachverdichtung haben PENTA ARCHITECTEN das Gebäude nun umgenutzt und aufgestockt, um neuen Wohnraum zu schaffen. Die 162 Einheiten mit Größen von 35 bis 88 m² werden im mittleren Preissegment vermietet. Weil sich das direkt am Bürgersteig gelegene EG für Wohnzwecke schlecht eignet, beherbergt es nach wie vor den Supermarkt, der bereits vor einigen Jahren eingezogen war. Das Attikageschoss wurde abgerissen und durch einen neuen, deutlich höheren Aufbau ersetzt: Das 6. OG springt dabei weit nach hinten zurück und bildet eine große Schattenfuge, sodass der darüberliegende zweigeschossige Baukörper über dem Bestand zu schweben scheint und eine elegantere Proportion bekommt. Gestalterisch hebt er sich stark von den unteren Etagen ab. Seine Fassade zeigt eine senkrechte Gliederung und besteht gänzlich aus Glas und Stahl, während bei den unteren Stockwerken am Prinzip der horizontalen Fassadenbänder aus Glas und Klinker festgehalten wurde.

Da die bestehenden Maueranker der Bandfassade nicht mehr brauchbar waren und weil das Gebäude an heutige Energiestandards angepasst werden sollte, wurde die alte Bekleidung ausgewechselt. Über einer zeitgemäßen Dämmung finden sich jetzt Klinker des Herstellers Hagemeister, die dem Original in Sachen Farbe und Format am nächsten kommen, wie die Architekten betonen. Die Strangpressklinker sind allerdings härter gebrannt, damit das Sichtmauerwerk an der stark befahrenen Straße nicht allzu schnell verschmutzt; und um Zusatzlasten für die Bestandskonstruktion zu minimieren, wurden Steine von lediglich 7 cm Tiefe verwendet.

Die Fensterbänder erhielten eine Falt-Schiebe-Verglasung, die sich in jedem Apartment komplett zur Seite fahren lässt. Auf diese Weise entsteht eine Art Ersatz für Balkone, die auf der Straßenseite des Gebäudes fehlen – sie hätten den ursprünglichen Charakter stark verfälscht. Lediglich auf der Rückseite wurden Freisitze ergänzt. Insgesamt ist das Äußere deutlich in Sockelgeschoss, dominanten Mittelteil und abgesetztes Dach gegliedert und folgt damit bei aller Modernität der ganz klassischen Dreiteilung städtischer Mietshäuser.

~ Felicitas Tilg