Strohbauplatten von Istraw

Ein Bett im Kornfeld …

… das könnte Wirklichkeit werden, wenn Wände und Decken eines Gebäudes mit den selbsttragenden Strohbauplatten von Istraw gebaut werden. Da das Stroh ohne Zusatzstoffe verarbeitet wird, entsteht ein gesundes Raumklima. Und die Ökobilanz stimmt auch.

Stroh ist ein uraltes Baumaterial, das jeder kennt, der schon einmal alte Häuser saniert und unter dem Putz die Strohmatten herausgeschält hat oder in Holzbalkendecken eine Mischung aus Dreck, Stroh und Mäuseresten auskratzen musste.

Seit einigen Jahren erfährt das Material nun eine Renaissance. In Deutschland gibt es zur Zeit etwa 300 Strohballenhäuser (siehe Artikel »Vom Acker in die Wand«), diese Bauform ist aber eher eine Nischenerscheinung. Das Stroh wird dabei als reiner Dämmstoff verwendet, eine Lastabtragung muss über eine gesonderte Konstruktion erfolgen.

Die Firma Istraw aus dem bayerischen Kirchanschöring hat den Rohstoff nun zu selbsttragenden Strohbauplatten weiterentwickelt. Bei der Umsetzung dieser Aufgabe standen Effizienz und Schonung natürlicher Ressourcen im Vordergrund. Denn Stroh ist, im Gegensatz zu Holzspänen, tatsächlich ein reines Abfallprodukt und steht auch Deutschland in großem Umfang zur Verfügung (Etwa 20% der jährlich anfallenden 11 Mio. t Weizenstroh können als Rohstoff verwendet werden. Der Rest sollte wieder in den Bodenkreislauf zurückgeführt werden).

Bei der Herstellung werden unter Einwirkung von Druck und Hitze die gereinigten Weizenstrohhalme verpresst. Dabei erzeugt das stroheigene Lignin ohne weitere Bindemittel oder Kleber eine dauerhafte und wasserfeste Verbindung. Anschließend werden die Platten mit Recyclingkarton kaschiert, der für eine plane Oberfläche sorgt.

Die Platten lassen sich nun ähnlich wie ihre altbekannten Pendants aus Gipskarton verbauen. Bei einer Ausführung als selbsttragende Innenwand werden sie zweischalig stoßversetzt zueinander verschraubt. Bis zu einer Länge von 3 m kann die Wand ohne Ständer- oder ähnlicher Unterkonstruktion hergestellt werden, erst dann muss eine Queraussteifung oder der Anschluss an eine Wandscheibe erfolgen. Die möglichen Wandstärken betragen 76 mm, 96 mm oder 116 mm. Die Platten können gesägt, gebohrt, geschraubt und gefräst werden. Sie haben eine Breite von 800 mm und eine Dicke von 38 oder 58 mm. Ihre Länge kann bei Bestellung zwischen 1200 und 3200 mm angegeben werden, der Hersteller liefert dann passgenau, wodurch der Einbau noch schneller geht. Die Schraubenköpfe werden nach der Montage verspachtet, ein mineralischer Flächenspachtel und ein mineralischer Putz ergänzen das System.

Bilder, Möbel, Regale: alles lässt sich unkompliziert und ohne Dübel anschließend an den Wänden befestigen, bei einer Konsollast von 80 kg pro Schraube. Die Platten haben eine Wärmeleitfähigkeit von 0,099 W/(mK) und eine Feuerwiderstandsklasse F30.

Im Neu- wie im Altbau verbessern sie die Ökobilanz. Bei alten Fachwerkhäusern, deren Gefache häufig mit Stroh gefüllt sind, sorgen sie für Materialkontinuität bei der Sanierung. ~ra

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