Europäisches Fachzentrum für Moor und Klima mit lebendig gestalteten Spachtelböden

Vom Kranich inspiriert

Die Diepholzer Moorniederung ist für Kraniche eine der wichtigsten Rastplätze in Mitteleuropa. Hier, inmitten der größten Moorflächen Deutschlands, entstand das Europäische Fachzentrum für Moor und Klima. Für ihren Entwurf ließen sich die Architekten von einem fliegenden Kranich inspirieren. Mit Brillux war ein Partner beteiligt, der nicht nur sämtliche Materialien für Böden, Wände, Decken und Fassaden lieferte, sondern Planer und Bauherr mit einem ganzheitlichen Service unterstützte – von der Leistungsbeschreibung über die Technische Beratung bis zur Farbgestaltung.

Niedermoor, Zwischenmoor, Hochmoor – Moore sind ganz besondere Lebensräume, die sich von allen anderen Ökosystemen unterscheiden. Allen gemeinsam ist der extrem hohe Anteil von bis zu 95 % Wasser und die positive Stoffbilanz, da durch Photosynthese mehr organische Substanz gebildet als zersetzt und verbraucht wird. Als Wasser- und Kohlenstoffspeicher mit hoher Produktivität haben Moore eine große Bedeutung für das Klima: In rund 3 % Landfläche, die mit Mooren bedeckt sind, sind 30 % des terrestrischen Kohlenstoffs gebunden. Der Schutz und die Renaturierung von Mooren sind also hochwirksamer Klimaschutz. Mit einer Gesamtfläche von 18000 km² ist die zwischen Bremen, Oldenburg, Osnabrück und Hannover in einer Talsandniederung der Norddeutschen Tiefebene gelegene Diepholzer Moorniederung größer als Schleswig-Holstein. Nicht nur als Moor auch als einer der größten Kranich-Rastplätze Mitteleuropas hat der Naturraum internationale Bedeutung.

Im Zentrum der Diepholzer Moorniederung in Wagenfeld befindet sich das Europäische Fachzentrum Moor und Klima (EFMK), kurz Moorwelten genannt. Hier können sich Besucher seit der Eröffnung Mitte Oktober 2014 über Moore und ihre Bedeutung für den Natur- und Klimaschutz informieren. Darüber hinaus fungiert die in Deutschland einmalige Einrichtung als Anlaufstelle für Wissenschaftler, Moorpflege-Experten, Ornithologen, Klimaforscher, Studenten und Schüler, dient der wissenschaftlichen Ausbildung sowie der europäischen Vernetzung.
Architektonischer Kranich
Mit einer imposanten Flügelspannweite von bis zu 2,45 m und einer Größe von bis zu 1,30 m ist der Graue Kranich deutlich größer als der Graureiher und der Weißstorch. Oliver Keese von Keese ingenieure + planer diente der Zugvogel als Inspiration: Er entwarf ein Gebäude, dessen Umriss an einen Kranich mit ausgebreiteten Flügeln erinnert. In Rumpf und Kopf des architektonischen Kranichs befinden sich das Besucherzentrum, die Ausstellung, ein großer Seminarraum sowie die Gastronomie. Die beiden Gebäudeflügel beherbergen die Räumlichkeiten für den BUND Diepholzer Moorniederung, die Büroräume des EFMK und mehrere multifunktional nutzbare Seminarräume.
Lebendig wie das Moor: individuell gestalteter Boden
Für das Farbgestaltungskonzept der Moorwelten standen die Natur und die in der Umgebung vorkommenden Farbtöne wie Moosgrün, Cremeweiß und Erikaviolett Pate. Farbdesignerin Doris Weegen vom Brillux Farbstudio Münster wählte das Rot der Kranichhaube als Leitfarbe. Doch wie konnte der Boden einer Ausstellung gestaltet werden, in der es um den ebenso spannenden wie komplexen Lebensraum Moor geht? Auch bei dieser Frage sorgte das Moor für die zündende Idee. Die Bohlenwege durch die Moose und Flechten mit ihren changierenden Nuancen diente den Planern als Inspiration für den Einsatz von Floortec 2K-Mineralico SL 470, den neuen kreativen, selbstnivellierenden Bodenspachtel auf mineralischer Basis. Schon in der einfarbigen Verarbeitung erzielt Floortec 2K-Mineralico SL 470 eine leicht schlierenartige Textur in der Oberfläche. Dieser Effekt lässt sich durch eine zweifarbige Verarbeitung noch steigern. Für die Moorwelten Ausstellung wurde mit den Farbtönen Wollweiß und Grauoliv ein individueller Look kreiert. Die ineinanderfließenden Farbtöne ergeben eine bewegt wirkende, fugenlose Weite. Damit fügen sich die Bodenflächen in die Gebäudearchitektur ein und unterstreichen das Gesamtkonzept. Die Verfahrenstechnik des neuen Spachtelbodens unterscheidet sich von vergleichbaren Systemen. Die Herstellung auf Basis von Kalk, Marmormehl und speziellen Weißzementen sorgt für eine spannungsarme, selbstverlaufende Bodenspachtelmasse, die individuell strukturiert werden kann und besonders schnell aushärtet. Die Verarbeitung ist rationell: Die fertig angemischten Farbtöne werden direkt auf den vorbehandelten Untergrund aufgegossen, mit einer Flächenrakel verteilt und ohne Wartezeit mit einem Flächenspachtel nachgeglättet. Nach vollständiger Aushärtung wird eine Druckfestigkeit von 30 N/mm² erreicht, wodurch Mineralico auch für Objekte mit hoher Publikumsfrequenz sehr gut geeignet ist.
Fassade als praktizierter Klimaschutz
Die Außenwände des Europäischen Fachzentrums Moor und Klima sollten mit einem WDVS wärmegedämmt werden. Für die Auswahl des passenden Systems wurde ein Technischer Berater von Brillux hinzugezogen. Die Gestaltung erfolgte mit tuchmattem Putz und lebendig wirkendem Lärchenholz im Bereich der beiden Gebäudeflügel, ein Zusammenspiel, das die außergewöhnliche Gebäudearchitektur zusätzlich betont. Im oberen Bereich des Gebäude-Kopfs wurde die Fassade mit einem dunklen Rotton farblich gestaltet – eine Analogie zu der roten federlosen Kopfplatte, die der ansonsten aschgraue Kranich trägt.
Objektservice und Beratung
Nicht nur die für sämtliche Wände, Decken, Boden und Fassaden eingesetzten Produkte stammen von Brillux – auch der Brillux Objektservice, ein Rundum-Dienstleistungskonzept, wurde von Planer, Bauherr und beauftragten Malerunternehmen umfassend in Anspruch genommen. Die ganzheitliche Beratung von Brillux half allen Projektbeteiligten dabei, den straffen Zeitplan bis zur Ausstellungseröffnung einzuhalten und sorgte für eine Ausstellung, die im Ergebnis genau das ist, was sie sein soll: ein Erlebnis. Das Leistungsspektrum umfasste die Bemusterung von Wand, Boden und Fassade, die Erstellung von Leistungsbeschreibungen, die Entwicklung des Farbgestaltungskonzepts sowie die Auswahl der richtigen Materialien und Beschichtungsaufbauten. Darüber hinaus begleitete und koordinierte der Technische Berater die drei Malerbetriebe und stand für alle Fragen zur Verarbeitung und Ausführung vor Ort auf der Baustelle beratend zur Seite. •
~Marco Bock
Der Autor ist Projektmanager Farbstudios bei Brillux.
Standort: Auf dem Sande 11, 49419 Wagenfeld-Ströhen Bauherr: WHM GbR, 20359 Hamburg Planung: Keese ingenieure + planer, Wagenfeld Ausführende Betriebe: Innenbereich Wände und Decken: Malerbetrieb Siegfried Kramer, Brockum Innenbereich Bodenbeschichtung: Gering Malerbetrieb, Bohmte Außenbereich Wärmedämmung und Fassadenbeschichtung: Malermeisterbetrieb Dietzmann, Wagenfeld
Eingesetzte Brillux Produkte, Böden: Floortec 2K-Mineralico SL 470 Floortec Härter 471 Floortec 2K-Epoxi-Primer 473 Floortec 2K-PU-Siegel 474 Weitere Infos unter: http://www.brillux.de/mineralico
Wand- und Deckenbereich: Creativ Lucento 83 Super Latex ELF 3000 Glemalux ELF 1000 Vetrolux ELF 3100 Dolomit ELF 900 Impredur Seidenmattlack 880