Um- und Neubau des Theaters Heidelberg — Hersteller-Fachbeitrag von HeidelbergCement und BetonMarketing Deutschland

Sichtbeton im Gleichklang

Inmitten der historischen Altstadt von Heidelberg wurde nach dreijähriger Bauzeit die Eröffnung des neuen Theaters gefeiert. Sensibel im Umgang mit der denkmalwürdigen Bausubstanz, fügten die Architekten einen klar als zeitgenössische Architektur ablesbaren Neubau in das bestehende Ensemble ein. Bei den eingesetzten Materialien dominiert ein cremefarbener, fast weißer, oberflächengestrahlter Sichtbeton, der mit geöltem Eichenholz kombiniert wurde.

Während andernorts Kultureinrichtungen aus Kostengründen geschlossen werden, gelang es der Universitätsstadt Heidelberg, einen Teil der Bausumme für den Um- und Neubau ihres Theaters mit Spielstätten für Oper, zeitgenössischem Tanz, Schauspiel und auch für ein Kinder- und Jugendtheater durch Spenden aufzubringen – private und unternehmerische Sponsoren unterstützten in Summe das 64 Mio. teure Bauprojekt allein mit rund 16 Mio. Euro.

Dem Projekt vorausgegangen war ein Gemeinderatsbeschluss, der trotz räumlicher Enge, den Standort des Theaters mitten in der Stadt beibehalten wollte. Dem sensiblen Entwurf des Darmstädter Architekturbüros Waechter + Waechter ist es zu verdanken, dass dabei eine gelungene Verbindung zwischen dem klassizistischen Bestand und einer zeitgenössischen Architektur entstehen konnte.
Moderner Entwurf in historischem Umfeld
Die Architekten verbanden den Neubau sowohl mit dem vorhandenen Theater als auch mit vier angrenzenden Altbauten, alle aus unterschiedlichen Epochen und mit unterschiedlichen Charakteren. Ihre Integration ermöglichte erst die Umsetzung des geforderten Raumprogramms für einen modernen Theaterbetrieb – dazu zählen Werkstätten, Magazine, Probebühnen und eine beeindruckend große, fahrbare Bühnentechnik. Neubau und Bestandsbauten bilden heute ein in sich stimmiges Ensemble, aus dem die höheren Gebäudeteile wie Bühnenturm, Orchesterproberaum und die Beleuchterbrücke des neuen Theatersaals herausragen. Da diese Baukörper vom Straßenraum her unsichtbar sind, dominieren die sanierten, historischen Gebäude weiterhin das Stadtbild. Um die Eigenständigkeit von Alt und Neu zu erhalten, sind sie vertikal und horizontal jeweils durch eine Glasfuge voneinander abgesetzt. Da der Bestand bereits zahlreiche unterschiedliche Materialien aufzeigt, war es den Architekten ein Bedürfnis, mit wenigen neuen Baumaterialien, einen ruhigen Rahmen zu schaffen. Sie entschieden sich für einen cremefarbenen, fast weißen, oberflächengestrahlten Sichtbeton, der mit geöltem Eichenholz kombiniert wurde.
Sichtbeton für alle Nutzungsbereiche
Sichtbeton ist belastbar sowie stoßfest und damit sehr gut für Innenräume geeignet. Wird das Material fachgerecht verarbeitet, kann der Baustoff auch in repräsentativen Bereichen eingesetzt werden. Bei den Fassaden und in den Foyers des Neubaus wurden die Oberflächen gestockt oder sandgestrahlt. Im Innern kamen glatte Schalungen zum Einsatz. Schattenfugen gliedern die geschlossenen Wandflächen und zitieren den Rhythmus der Außenfassaden mit ihren gereihten Stützen. Große Herausforderungen bei der Ertüchtigung des Bestands ergaben sich v. a. beim Anschluss an den Neubau: Hier galt es zu unterfangen, Fundamente zu verlängern und Unterzüge mit Transportbeton zu ergänzen. Um eine hohe Qualität des Sichtbetons zu erzielen, waren Oberflächenbeschaffenheit, Schalungsstöße und Spannlochpositionen vom Bauleiter exakt vorgegeben. Insbesondere für die Betonage der sehr hellen Sichtbetonflächen musste Lieferung und Einbau exakt abgestimmt erfolgen, um Farbunterschiede der Betonierabschnitte zu vermeiden. Der Beton besteht aus Weißzement kombiniert mit hellem Main-Sand. Die gestalterische Anmutung der Wandflächen gaben die Architekten vor, die endgültige Rezeptur entstand in Abstimmung zwischen dem Betonlieferanten und der Betonberatung betotech.
Über hellen Betonboden flanieren
Betonböden sind dauerhaft haltbar sowie pflegeleicht und besitzen ein elegantes Erscheinungsbild, wodurch sie auch in Kultureinrichtungen Einzug halten. Im Theater Heidelberg flanieren die Besucher auf 2 400 m² hellbeigem Beton, der gebrochene Partikel des Kalkgesteins »Ulmer Weiß« mit einem max. Durchmesser von 5 mm aufweist und 8 cm dick ausgeführt wurde. Unter rund zwei Dritteln der Fläche verläuft eine Fußbodenheizung und als Trittschalldämmung dienen darunter 4 cm dicke mineralische Platten. Jeweils rund 100 m² sind fugenlos betoniert. Die schmalen Sauberkeitsfugen wurden entlang der Wände mit einem flexiblen Material geschlossen. Dazu verlaufen Aluminiumwinkel, als schmale silberne Fugen, entlang der Wände und grenzen die Übergänge kaum merklich gegeneinander ab.
Klimaschutz und Energieeffizienz
Als erstes Theater in Deutschland besitzt das Mehrspartenhaus in Heidelberg ein zukunftsweisendes Heizsystem, das Erdwärme, Abwärme und Fernwärme miteinander kombiniert. Für die Nutzung der Geothermie lieferte HeidelbergCement Baustoffe für Geotechnik aus Ennigerloh den Spezialbaustoff »ThermoCem«. Dies ist ein Fertigbaustoff mit besonders hoher Wärmeleitfähigkeit, der nach dem Einbau der Erdsonden in den verbleibenden Ringraum des Bohrlochs eingebracht wird. Denn erst eine sichere Einbettung der Sondenrohre garantiert die thermische Anbindung an das Erdreich und somit einen optimalen Wärmetransport an die Oberfläche. •
~Susanne Ehrlinger
Die Autorin ist freie Fachjournalistin und auf die Themen Architektur und Bauwirtschaft spezialisiert.
Objekt: Theater Heidelberg Standort: Theaterstraße 10, 69117 Heidelberg Bauzeit: 2009 bis 2012 Einweihung: 24. November 2012 Baukosten: ca. 64 Mio. Euro Bauherr: Theater- und Orchesterstiftung Stadt Heidelberg vertreten durch GGH Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz Heidelberg Architekten: waechter + waechter, Darmstadt Bauleitung: waechter + waechter, Darmstadt; ap88 Architektenpartnerschaft Bellm, Löffel, Lubs, Trager, Heidelberg Rohbau: Riedel Bau, Schweinfurt Betonlieferant: TBG Transportbeton Kurpfalz, Eppelheim Betonberatung: Betotech, Heidelberg Betonboden: R. Bayer Beton- und Terrazzogruppe, Blaubeuren, Zwickau
Verwendete Produkte: 2 000 m³ Weißbeton mit »CEM I 52,5 NA Weißzement«; 5 000 m³ Beton in den Güten C12 /15 bis C50/60 (CEM II Zemente); Spezialbaustoff für Geothermie: HeidelbergCement Baustoffe für Geotechnik, Ennigerloh
HeidelbergCement www.heidelbergcement.de
BetonMarketing Deutschland www.betonmarketing.de