Ohne Titel

~Elisabeth Plessen

Der fränkische Baumeister Balthasar Neumann (1687–1753) als Namensgeber verkörpert in prägnanter Weise den Leitgedanken des von der deutschen bauzeitung (db) Stuttgart, und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. (BDB), Berlin, initiierten, alle zwei Jahre ausgelobten und mit 10 000 Euro dotierten Preises, dessen Aktualität und Zeitbezug seit der ersten Ausschreibung im Jahr 1994 kontinuierlich zugenommen hat.
Im Vielklang der gerade in den letzten Jahren von unterschiedlichen Auslobern mit verschiedensten Intentionen fast inflationär ausgeschriebenen neuen Preise im Bereich der Architektur und Baukultur stellt er eine Konstante dar, die sich – jenseits kurzlebiger Trends, Zeitgeistströmungen und politisch opportuner Schlagworte – der Auszeichnung von Bauwerken, die aus einer überzeugten partnerschaftlichen Zusammenarbeit entstanden sind, und ihrer gemeinsamen geistigen Schöpfer verpflichtet fühlt.
Aus den über hundert Einsendungen die Preisträger zu ermitteln, war eine Aufgabe, die sich die aus Bauingenieuren und Architekten bestehende Jury nicht leicht gemacht hat, wie auch der Jurybericht auf Seite 70 wiedergibt. Lange Diskussionen um die erkennbare gemeinschaftliche Leistung prägten die Preisgerichtssitzung. Und gelegentlich gab es bei Architekten und Ingenieuren unterschiedliche Auffassungen über Bewertung der Leistungen im Kontext der Auslobung. So wurde die Jury selbst zum Spiegelbild des Diskurses über Formen der partnerschaftlich-verantwortlichen Zusammenarbeit. Erstmals erweitert um einen Experten auch für die energetischen Aspekte, ergab sich im Vergleich zu den Vorjahren ein weiterer Maßstab, dem sich einzelne Projekte kritisch stellen mussten.
Maßstab aller Juryentscheidungen war, und dafür steht der Balthasar-Neumann-Preis, die architektonische Qualität. Als sich im Laufe der Jurysitzung abzeichnete, dass in diesem Jahr – wie schon 2006 – wiederum ein Mahnmal den Preis zugesprochen bekommen würde, kam die Frage auf, ob diese, wenn auch 2008 nicht der nationalsozialistischen Vergangenheitsbewältigung, sondern dem aktuellen politischen Geschehen geschuldete Form der Bewältigung eine spezifische Bauaufgabe dieses Jahrzehnts darstelle. Feststellbar ist, dass die Kultur des Erinnerns neue Formen des Ausdrucks sucht, die nur gemeinschaftlich bewältigbar scheinen. Der Wunsch nach gestaltendem Ausdruck und dessen Umsetzung sind hier möglicherweise so stark, dass sich jenseits eingefahrener Formen der Zusammenarbeit »leichter« neue Lösungen finden lassen.
Unterstützt wurde der Balthasar-Neumann-Preis 2008 von der Autodesk GmbH München, der an dieser Stelle unser Dank gilt für die Förderung eines unabhängigen Preises, der einen Teil unseres Beitrags zur Baukultur darstellt. •
The Franconian master builder Balthasar Neumann (1687–1753) embodies the guiding principles of the prize in his name established by deutsche bauzeitung (db) Stuttgart and the Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. (BDB), Berlin. Held every two years, the competi-tion with a prize worth 10,000 Euros has continuously grown in relevance and significance since it was first organised in 1994.
In the cacophony of the almost inflationary appearance of new architectural and construction practice prizes dedicated by different organisers with diverse intentions this Prize is a constant point of reference– unaffected by short-lived trends, fashions and politically opportune catchphrases –committed to recognising and honouring not only the buildings that grew from a genuine, partnership-based collaboration but also their creators.
The jury, made up of structural engineers and architects, faced and successfully mastered a major challenge – as evidenced in the report from the jury session on page 70 – in selecting the prize winner from the more than one hundred entries. Lengthy discussions on the identifiable collaborative work characterised the meetings of the jury. And occasionally differences arose between architects and engineers in their interpretation and evaluation of the buildings in the context of the aims of the Prize. Thus the jury itself mirrored the discussion on the form and nature of partnership-based collaboration. For the first time the jury included an expert in energy management, which meant that, compared with past jury sessions, another criterion was introduced for analysing the individual projects.
The overriding criterion for all jury decisions, in line with the philosophy of the Balthasar Neumann Prize, is the quality of the architecture. When it became evident in the course of the sessions that this year too – as occurred in 2006 – a memorial would win the Prize, the question arose whether the coming to terms with the past represents, although in 2008 this did not involve the Nazi legacy, a special architectural duty in this decade in response to current political events. It appears to be the case that the culture of remembrance seeks new forms of expression that can only be resolved through sharing. The desire for structured, plastic embodied expression and realisation is perhaps so strong that it is »easier« to develop new solutions by entering novel forms of collaboration that transcend entrenched models.
The Balthasar Neumann Prize 2008 has received the support of Autodesk GmbH Munich, whom we would like to thank at this juncture for sponsoring this independent prize that represents our contribution to the culture of construction and architecture. •
~Alle Übersetzungen ins Englische von David Buglass
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