Historische Gestaltungselemente in abstrahierte Formensprache übersetzt

Nachbildung historischer Klappläden – täuschend echt

Bis Ende der 50er Jahre wurde das Gebäude an der Dorfstraße 1 im Bielefelder Stadtteil Jöllenbeck als Kleinbahnhof genutzt. Nachdem ein Zahnarzt das 1 500 m² große Grundstück an der zentralen Jöllenbecker Kreuzung gekauft hatte, fiel die Entscheidung, das Gebäude zu sanieren, umzubauen und zu erweitern. Aus dem ehemaligen Bahnhof wurde das »Haus der Zahnheilkunde«. Mit nur zwei Farbtönen und einer verblüffend einfachen Lösung zur perfekten Nachbildung der historischen Fensterläden ziert die Fassadengestaltung den alten Bahnhof.

~Fabian Störkmann

Nach dem Bebauungsplan hätte auf dem Grundstück deutlich mehr Fläche für Gebäude eingeplant werden können. Doch Zahnarzt Fayez Jakubi, der seit über zehn Jahren im Bielefelder Stadtteil Jöllenbeck praktiziert, erkannte den Wert, den der ehemalige Bahnhof sowohl für das Stadtbild als auch für die geplante Erweiterung seiner Praxis haben würde. Statt das Gebäude abreißen zu lassen, beauftragte er Architekt Thomas Brewitt, brewittarchitektur, Bielefeld, mit der Umgestaltung zu einem modernen zahnmedizinischen Zentrum. Alte Fotos des Gebäudes lieferten wertvolle Hinweise und Details für einen Eindruck vom Gebäude und dienten dem Architekten als Inspirationsquelle. Das Entwurfskonzept basiert darauf, historische Gestaltungselemente in abstrahierter Form neu abzubilden.

Neues Gesicht für historischen Bahnhof

Die Fassade und das Dach des 1929 erbauten Hauses wurden erhalten. Abgerissen wurden lediglich die eingeschossigen Bauten hinter dem Haus, um Platz für den modernen Anbau zu schaffen, der den 400 m² großen Altbau um 140 m² erweitert und ergänzt. Die Außenfassade und das Dach wurden unter Bezug auf die ursprüngliche Erscheinung saniert und gestalterisch aufgewertet. Durch seine Proportion, Materialität und Farbigkeit ist der Neubau harmonisch mit dem Altbau verbunden. Prägend für das äußere Erscheinungsbild des Altbaus waren Gestaltungsmerkmale wie die historischen Fensterläden. Thorsten Brummel, Nattkemper + Brummel GmbH, Bielefeld, war mit dem Gesamtgewerk, Fassade, Innenräume und Böden, beauftragt worden und stand vor der Herausforderung, einen Weg zu finden, wie die Klappläden am Altbau an der sanierten Fassade neu abgebildet werden könnten.

Fassadengestaltung: Überraschend einfache Detaillösung

Wäre es vielleicht möglich, die Fensterläden mit einer geeigneten Spachtelmasse einfach nachzubilden? Aus dieser Idee resultierte eine clevere, überraschend einfach umzusetzende Lösung. Als weiß abgesetzte Kammputz-Struktur heben sich die Fensterläden von den grauen Flächen der Fassade stark ab. Das Ergebnis sind täuschend echt wirkende Fensterläden.

Farbgestaltung: Virtuos mit zwei Farbtönen

Auch die Farbgestaltung ist in ihrer abstrahierten Form der des alten Bahnhofs sehr ähnlich: Nur zwei Farbtöne, Grau und Weiß, bilden die Basis des Farbkonzepts. Außen wie innen angewendet, verleihen sie dem Haus der Zahnheilkunde eine grafische Wirkung, die durch ihre Schlichtheit auffällt. Der am Altbau vorgefundene Wechsel von weißen zu grauen Flächen im Bereich der Fenster sowie das Absetzen von Sockeln und Gesimsen wurden auch auf den Neubau übertragen.

Der Autor ist Produktmanager Dispersionen bei Brillux.

Eingesetzte Brillux-Produkte:
WDV-System
Silicon-Fassadenfarbe 918
Rausan KR Feinputz 3530
Evocryl 200

Für die Innenraumgestaltung:
Superlux ELF 3000
Dolomit ELF 900


  • Objekt: Haus der Zahnheilkunde, Bielefeld

Bauherr: Mariam Jakubi, Bielefeld

Architekten: Thomas Brewitt, brewittarchitektur BDA, Bielefeld

Nutzfläche: 540 m²

Ausführender Malerbetrieb: Nattkemper + Brummel, Bielefeld