Möbelmesse Köln

Auf der diesjährigen imm cologne dominierten hochwertig verarbeitete Möbel und Naturmaterialien wie Holz und Leder. Naturnahe Farbtöne mischten sich mit kräftigen, aber gedeckten Farben und zu allem kam noch ein Hauch von Rosa. Ein Messerundgang mit der db.

Text: Ulrike Kunkel

Wie immer, so eröffnete auch in diesem Jahr die imm in Köln den Reigen der alljährlichen Möbelschauen. Mit mehr als 1 100 internationalen Anbietern aus über 50 Ländern und rund 120 000 Fachbesuchern war sie gut gefüllt und besucht und konnte durchaus ein leichtes Wachstum verzeichnen; kleinere und größere Hersteller, die Köln zwischenzeitlich den Rücken gekehrt hatten, waren wieder mit dabei.
Ergänzt wurde die 65. Ausgabe der Möbel- messe durch den alle zwei Jahre stattfindenden Event »Living Interiors«, der ganzheitliche Wohn- und Einrichtungskonzepte präsentiert. Quasi als Ehrengast war außerdem die dänisch-britische Designerin Louise Campbell eingeladen worden, ihre persönliche Wohnvision zu kreieren. Inspirationsquelle für »Das Haus« war der Kinderbuchklassiker »Alice im Wunderland« von Lewis Carroll: Ein 20 m langes Bett, ein überlanger Tisch, eine blumig dekorierte lang gezogene Werkzeugwand, weiche Stoffe, warmes Licht und eine Spur Rosa sorgten für eine Wohlfühlatmosphäre und spielten gleichzeitig mit Maßstäben und Dimensionen und stelten Sehgewohnheiten auf den Kopf.
Reduzierte Gemütlichkeit
In Rosatönen präsentierte auch der deutsche Hersteller COR seinen Design-Klassiker »Conseta«. Das modulare Systemmöbel wurde unter dem Motto »Neu seit 1964« behutsam weiterentwickelt und u. a. durch zusätzliche Aufbewahrungsmodule ergänzt. Von einer gewissen puristischen Gemütlichkeit ist das neue Polstermöbelprogramm »ELM« [1] des Herstellers. Entworfen haben es die Stuttgarter Designer Jehs+Laub, die schon verschiedene Entwürfe für COR entwickelt haben. Die Besonderheit ist das handwerklich perfekt gearbeitete Sichtholzgestell aus massiver Eiche oder massivem Nussbaum, das dennoch leicht und filigran wirkt. Der Entwurf erinnert an skandinavische Möbel der 60er Jahre und eben an den eigenen Klassiker Conseta, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert.
Auch das Sofaprogramm »Grand Suite« [2] des österreichischen Designteams EOOS für Walter Knoll aus Herrenberg fällt eher durch schlichte Eleganz als durch Üppigkeit auf. Präzise Linien, klare Konturen, Handwerklichkeit und edles Leder prägen diese Neuheit, bei der die Sitzfläche fließend in Armlehne und Ablageboard übergeht. Gekonnt verarbeitetes Leder begegnete einem auch beim österreichischen Hersteller Wittmann. Vom Schweizer Designer Jörg Boner stammt die Sitzmöbel-Familie »Oyster« aus weichem, gewachsten, mattem Leder. Die Rückenlehne weitet sich wie ein Fächer von der Sitzfläche nach oben hin auf. Um diese Form in einem Stück produzieren zu können, nutzt man die Elastizität des Leders. Diese kompakte Kollektion ist speziell für kleine Wohnungen gedacht. Zu den weniger raumgreifenden Polstermöbeln gesellen sich weitere zierliche Möbel. Man könnte meinen, die Hersteller reagierten auf den knapper werden, Wohnraum in den Städten. So stellte Thonet mit dem »S 1200« [3] einen filigranen Kleinst-Sekretär vor (H: 88 cm, B: 110 cm, T: 66,5 cm). Selbstverständlich ist bei dem Hersteller von Stahlrohrfreischwingern das Gestell aus Stahlrohr, die Platte und die Ablage sind aus Holz. Sehr angenehm: Die stabilisierende Stange dient auch als Fußablage. Gab es in der letzten Zeit eher wenig oder wenig Positives von Thonet zu berichten, so war der Standbesuch diesmal ausgesprochen erfreulich. Frischer Wind scheint eingekehrt: Klassiker wie der Freischwinger »S 43« [4] von Mart Stam oder der Satztisch »B 9« von Marcel Breuer sind nun mit einem Gestell in schwarz, weiß, tomatenrot, graugrün, senfgelb, grau oder schokobraun zu bekommen; die Satztische mit Glasplatte. Darf man das? Wird manch einer fragen. Doch warum eigentlich nicht; die Originalkombinationen gibt es schließlich weiterhin, und alle Varianten funktionieren erstaunlich gut.
Bewährt handwerklich
Variiert wurde auch bei der Möbelmanufaktur horgenglarus. Auf dem vom Studio Hannes Wettstein gestalteten Stand präsentierte der Hersteller u. a. seinen Tisch »savoy« [5], der auf dem Archetypus des klassischen Bistrotischs basiert, den die Schweizer seit 1925 fertigen. savoy ist ein Entwurf von 2012, der den ursprünglichen Bistrotisch in eine zeitgemäße, reduzierte Form übersetzt und der nun eine exklusive Erweiterung erhielt: Ergänzend zu dem Modell mit zwei sanft geschwungenen Füßen aus anthrazit lackiertem Gusseisen, besteht die neue, kleinere Variante aus einem einzelnen gusseisernen Tischbein mit vier Füßen. Eine technische Herausforderung, deren Entwicklung und Umsetzung im Sandgussverfahren mehr als ein Jahr gedauert hat. Eine große Auswahl an Tischplatten steht zur Verfügung: eckige oder runde, aus Buche oder vielen anderen Hölzern, aus Massivholz oder Furnier, lackiert oder geölt.
Gewohnt hochwertige Handarbeit präsentierte auch der Teppichhersteller Ruckstuhl. »Statione« [6] von atelier öi ist in vier lebhaften Farbvarianten angelegt. Dank des handwerklichen Herstellungsverfahrens und fein konzipierter Farbverläufe verschwimmen die einzelnen Rechtecke zu einem intensiven Relief – ähnlich bunter Felder und Wiesen, auf die man aus einem Flugzeug herabschaut. atelier öi diente als Inspiration ebenfalls das Bild von über- und nebeneinanderliegenden Teppichen, wie man sie aus der arabischen Welt kennt. Das Farbspektrum reicht von zarten Pastelltönen, über Gelb in Kombination mit Mohnrot bis hin zu herbstlichen Farben. Hergestellt werden die Teppiche aus 100 % Schurwolle im Hand-Tuftingverfahren in Indien. Das absolute Highlight am Stand von Ruckstuhl war allerdings »Maglia«; handgestrickt aus der Fiquefaser (Sisalagave). Der Teppich wird in Kolumbien gefertigt, ist relativ luftig gestrickt und ca. 2 cm dick. – Mit Bildmaterial müssen wir uns leider noch etwas gedulden …
Bei e15 erweitern u. a. eine Massivholzbank und ein dazugehöriger Tisch (auch in den Bar-Hockerhöhen 90 und 95 cm erhältlich) das Port- folio des Herstellers aus Frankfurt a. M. konsequent. Bei »PLATZ« und »SITZ« [7] bestimmt eine diagonale Querstrebe die Form und sorgt für hohe Stabilität. Beide Möbel des Designers Jörg Schellenmann sind aus europäischer Eiche und wahlweise geölt oder gewachst erhältlich. Nicht ganz so streng geht es bei artek zu. Der finnische Hersteller, der seit September 2013 zu Vitra gehört, zeigte die Neuauflage des recht eigenwilligen Sessels »Karuselli« [8] von Yrjö Kukkapuro. Ein Entwurf von 1964, der 1965 auf der Kölner Möbelmesse erstmals vorgestellt wurde. Die Form der gepolsterten Fiberglasschale auf einem Drehfuß ebenfalls aus Fiberglas entwickelte der finnische Designer im Zuge zahlreicher Experimente. Im Ergebnis entstand ein ergonomisch geformter Sessel mit skulpturaler Anmutung, der aus heutiger Sicht eindeutig auf die Zeit seiner Entstehung verweist. Drei Leder-Farben werden angeboten: Schwarz, Weiß und Rot. Der dazugehörige Ottoman ist auch wieder in Produktion. Und, um den Reigen der Variationen fürs Erste abzuschließen: »Mademoiselle« gibt es bei artek jetzt auch in neuen Farben, darunter ein mattes Pastellgrün. •