Das Büro als Bühne

Moderne Arbeitswelten

Die neuen Arbeitswelten erfordern hohe Flexibilität. Um die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern, wird auch der Büroraum selbst immer mehr zum »Project in Progress«.

~Burkhard Remmers,
Wilkhahn

Der Volksmund nennt sie »Tapetenwechsel« – die Idee, dass sich durch die Veränderung der Umgebung auch neue Verhaltensweisen und Perspektiven bilden können. Kein Wunder, dass die Zunft der Unternehmensberater diesen Zusammenhang schon seit Jahrzehnten kennt und nutzt: Wenn es um Restrukturierung und Veränderung geht, dann ist ein Umgebungswechsel für die betroffenen Mitarbeiter fast schon zwingend. Denn die Erfahrung lehrt, dass sich andernfalls innerhalb kurzer Zeit wieder die alten Gewohnheiten und Verhaltensweisen Bahn brechen. So wird seit vielen Jahren in großen Unternehmen ca. 1/3 der Belegschaft pro Jahr »umgezogen« – gemäß dem durchschnittlichen Rhythmus der Um- und Neuorganisationen. Und das, obwohl dafür gar kein »sachlicher« Grund mehr gegeben ist, da die Arbeit durch die Digitalisierung ja zumindest theoretisch ganz unabhängig geworden ist von der Verortung im Gebäude.

Zielsetzung: Agilität erhöhen

Gerade in den digitalisierten Arbeitswelten gewinnt die reale Umgebung an Bedeutung. Die (Um-)Gestaltung der Arbeitsumgebung ist inzwischen neben Mensch und Software als »dritte Intelligenz« der Wertschöpfung anerkannt und gilt als wesentlicher Hebel, um Bestehendes zu hinterfragen und Neues zu denken. Anpassungen und Änderungen der Einrichtung und der Flächennutzung sind deshalb in den »neuen Büroarbeitswelten« nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Sie sind nicht nur den dynamischen Veränderungen der Organisationen geschuldet, sondern sollen selbst als Impulsgeber für agiles Denken und Handeln dienen. Ganz nach dem Motto von Philosoph, Architekt und Designer Buckminster Fuller: »Re-shape the environment,
don´t try to re-shape men«. So wünschen sich v. a. Unternehmen, die sich für die digitale Zukunft fit machen wollen, großräumige Büroflächen, die sich wie Bühnen völlig frei bespielen lassen. Das lose Mobiliar aus Arbeitsplätzen, Besprechungsbereichen und Loungegruppen wird hier mit visuell und akustisch wirksamen Abschirmungselementen selbst zur Raumgliederung, die sich entsprechend flexibel verändern lässt.

Provisorium als Prinzip

Während für Einrichtungsfragen normalerweise in Auswahlverfahren Standard-Typen festgelegt werden, die von den Umzugsteams gemäß den Stellplänen aufgebaut lange Zeit an Ort und Stelle verbleiben, wird auf der Bürobühne das »Unfertige« zum Programm, zum permanenten »Project in Progress«. Die Idee dahinter ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genügend Freiraum haben, um das Bühnenbild an ihre Bedürfnisse und Vorlieben anzupassen: Der strukturelle räumliche Rahmen ist gesetzt und die Möbel werden als »Arbeitswerkzeuge« bevorratet, aber die Konfiguration und die Bespielung erfolgt durch die Mitarbeiter selbst. Die Beteiligung an der Gestaltung der Arbeitsumgebung reflektiert nicht nur die Kompetenzen der Gruppe (und spart nebenbei Kosten im Facility Management): Sie stärkt v. a. auch Identifikation und Autorenschaft mit und an den neuen Konzepten. Und da es in den Team- und Gruppenkonstellationen sowie Aufgabenstellungen immer wieder Veränderungen gibt, ist dieser Prozess nie zu Ende.

Flexibilität, Robustheit und Variantenvielfalt

Für die Einrichtung bedeuten diese Anforderungen, dass sie hochflexibel und gleichzeitig besonders qualitätvoll und robust ausgelegt sein sollte. Wenn ein Tisch heute ein einzelner Schreibtisch ist, sich morgen mit anderen zur Co-Working-Bench verbinden soll, zwischendrin kompakt gelagert wird, bevor er im Lernraum Seminaraufgaben übernimmt und schließlich beim Projektabschluss zum gemeinsamen Feiern einlädt, dann eignen sich dafür entweder mobile Einzeltische mit falt- oder schwenkbaren Tischplatten oder aber Klapptischsysteme, die sich vielfältig verketten lassen. Eine hochwertige, neutrale Gestaltung ist dann ebenso ein Muss, wie eine stabile Ausführungsqualität, die das häufige Auf-, An-, Um- und Abbauen schadlos mitmacht. Und auch bei den Stühlen sind Multitalente gefragt, die sich vielseitig einsetzen lassen. Stapelbare Mehrzweckstühle, die professionellen, ergonomischen Komfort bieten, können temporär auch mal bei der Arbeit mit dem Laptop genutzt werden. Sind sie in verschiedenen Farben und Polstervarianten erhältlich, dann lassen sich unterschiedliche Atmosphären kreieren, die dennoch durch eine starke Gestaltungsidee verbunden sind und den Eindruck von Beliebigkeit vermeiden.

Bewegung, Begegnung und Beteiligung fördern

Aber auch auf den flexiblen Bürobühnen gibt es Kernbereiche, die bestimmten Arbeitsprozessen fest zugeordnet sind. Hier ist nicht die Einrichtung mobil, sondern der Mitarbeiter, der solche Bereiche gezielt aufsucht. Dazu gehören Schreibtischarbeitsplätze, an denen ungestört über Stunden hinweg konzentriert gearbeitet werden kann. Bürostühle mit vielfältiger 3D-dynamischer Beweglichkeit sorgen für die wichtigen Minimalaktivitäten auch während der Bildschirmarbeit, um Körper und Geist zu aktivieren und Rückenproblemen vorzubeugen. Überhaupt ist die Bewegungsförderung eines der Kernthemen zur Bespielung der Bürobühne. Die Bewegung der Akteure im Raum fördert nicht nur die Gesundheit, sondern sie ermöglicht erst die zufälligen, ungeplanten Begegnungen, die als wichtigste Quelle für Inspiration und Innovation gelten. Ob sitzend am Konferenztisch, im Stehen an der Kaffeebar, informell in der Lounge oder in der Kantine – den Austausch zu stimulieren, ist eines der Kernziele der Büroorganisation.

Ob die modernen Arbeitswelten wirklich angenommen werden und dem Wandel förderlich sind, hängt am Ende von der richtig abgestimmten Lösung ab. Entscheidend ist deshalb, die ausgewogene Balance zu finden zwischen Vielfalt und Standardisierung, zwischen Flexibilität und verlässlicher Orientierung – und nicht zuletzt zwischen sinnvollen Routinen und fortwährender Erneuerung. Wie immer kommt es auf das richtige Maß an.

Weitere Informationen:
wwww.wilkhahn.de