Brandschutzlösungen am Campus der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort

Kommunikativer Campus

Von der Zechenhalde zum Wissenszentrum: Das Neubauensemble der Hochschule schafft Verbindungen zwischen Stadt und Campus, sowohl städtebaulich als auch über die eingesetzten Materialien Akzentuiert mit zeitgenössischen Bauteilen aus Stahl, Aluminium und farbigem Glas führen die Klinkerfassaden der neuen Gebäude die regionale Ziegelbautradition fort. Im Innern konnte u. a. aufgrund innovativer Brandschutzlösungen die gewünschte kommunikative Atmosphäre entstehen.

Wie und in welcher Form verankert man einen neuen Hochschulstandort in einer seit Langem vom Bergbau geprägten Gemeinde, die sich nach dessen Ende nun vollkommen neu erfinden muss? Alles neu, alles anders – mit einer Architektur, die Aufbruch und Progressivität signalisiert? Aber muss ein Neuanfang zwingend mit einem radikalen Bruch verbunden werden? In Kamp-Lintfort haben der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes Nordrhein-Westfalen, die Stadt und die Hochschule einen Weg beschritten, der den Campus eindeutig als Teil des Stadtorganismus und nicht als »Sensation« versteht. Entworfen und realisiert wurde er auf Basis des erstplatzierten Wettbewerbsentwurfs von 2010 vom pbR Planungsbüro Rohling aus Osnabrück in Zusammenarbeit mit dem Architekten Michael van Ooyen aus Straelen.

Verbunden
Der neue Campus schließt direkt an die Innenstadt des Stadtteils Lintfort an und ist als Teil des öffentlichen Raums rund um die Uhr passierbar. Insgesamt vier Gebäude umstehen den zentralen Platz. Durch die kleinteilige städtebauliche Struktur des zwei- bis dreigeschossigen Gebäudeensembles bestehend aus Audimax, Bibliothek, Fakultätsgebäude sowie Technikum entsteht eine angenehme Durchlässigkeit und Offenheit. Im Süden fällt der Blick auf die angrenzenden Studentenwohnheime und den Grünraum entlang des Flüsschens Große Goorley. In Sichtweite befinden sich außerdem der Turm des 2012 stillgelegten Bergwerks West und eine neu entstandene Parkplatzanlage. Der Campus selbst ist autofrei gestaltet.
Das rund 19 000 m² große Areal des im Frühjahr 2014 fertiggestellten Hochschulstandorts diente einst als Halde der vormalig benachbarten Steinkohlezeche. Fast 40 000 t Erdmasse mussten daher vor Beginn der Bauarbeiten bewegt werden. Heute finden hier ca. 2 300 Studierende Platz, die zwischen acht Bachelor- und vier Masterstudiengängen aus den Bereichen Umwelt- und Ingenieurwissenschaften, Design und Kommunikation wählen können.
Austausch und Begegnung
Als eine der zentralen Anforderungen an die Architektur des Neubaus stellte die Hochschule Rhein-Waal, die erst im Jahr 2009 gegründet wurde, den Wunsch nach Kommunikation: Es sollten Gebäude entstehen, die den Austausch beflügeln, eine Verbindung mit dem Außenraum herstellen und zudem einen Dialog mit der Stadt ermöglichen. Innerhalb der Neubauten gelingt das zum einen durch ihre klare Struktur und zum andern durch die Schaffung von Kommunikationsflächen. Im Außenbereich wurde mit dem Campusplatz sowohl ein zentraler Begegnungsort für Studenten und Dozenten als auch ein offener städtischer Platz geschaffen.
Kommunikativ wirkt die Architektur zudem durch die großen Anteile transparenter Fassadenflächen – etwa im Technikum, in dem eine Werkhalle sogar an drei Seiten transparent gefasst wurde, um von außen umfassend Einblicke zu gewähren.
Ein Dialog mit dem gebauten Umfeld entsteht neben der Verknüpfung der öffentlichen Räume auch durch die Verwendung regional gebräuchlicher Baumaterialien: Klinkerbauten sind am Niederrhein allgegenwärtig. Die Gestaltung der Fassaden knüpft an diese Tradition in Form horizontaler, anthrazitfarben changierender Klinkerbänder an. Sie fassen verglaste Fassadenflächen, deren Pfosten-Riegel-Konstruktion sich durch schlanke Aluminiumprofile sowie durch die verschiedenen Grüntöne der flächenbündig integrierten Lüftungsflügel auszeichnet.
Dieses Wechselspiel der Fassadenflächen zwischen rau und glatt setzt sich auch im Innern fort, ohne je effekthascherisch zu wirken: ob als sichtbar geführte Installationen und Sichtbetonoberflächen in den Treppenhäusern oder aber als Streckmetalldecken und gut platzierte Oberlichter – knallig gelb oder zurückhaltend grau gefasst.
Offen und sicher
Das Herzstück des Campus, das Audimax – ausgestattet mit sieben Hörsälen und einer Bibliothek im OG – empfängt die Studenten mit einem zweigeschossigen Foyer, das sich zwischen zwei spiegelbildlich gestalteten Treppenanlagen erstreckt. Die Wandfläche der Eingangshalle wurde von dem Berliner Künstler Raimund Kummer mit dem Graffiti »Schattenwurf« gestaltet. Um den lichten Raum noch offener und großzügiger wirken zu lassen und dennoch den Auflagen des Brandschutzes gerecht werden zu können, entschieden sich die Architekten für den Einsatz von zwei Hörmann Feuerschutz-Schiebetoren. Diese schließen im Brandfall automatisch und gewährleisten einen hermetischen Abschluss des jeweiligen Treppenraums.
Auch an anderen zentralen Orten galt es, Lösungen zu finden, die sowohl den Brandschutzanforderungen als auch dem Konzept einer offenen, kommunikativen Architektur entsprechen. So kamen insgesamt 75 feuerhemmende, vollflächig verglaste Stahl-Feuerschutzelemente HL 310/320 von Hörmann in verschiedenen Variationen zum Einsatz. Am Eingang der Bibliothek, in deren Gestaltung sich das Farbspiel der Fassaden fortsetzt, wurde ein zweiflügeliges Stahl-Feuerschutzelement mit Seitenteilen eingebaut.
Beim Blick aus der Bibliothek auf den Campusplatz hinaus fällt dann auch tatsächlich auf, dass er nicht nur von Studenten, sondern auch von Spaziergängern und Mittagsgästen der Mensa genutzt wird. •
~Heribert Monitz
  • Der Autor ist Verkaufsleiter für Feuer- und Rauchschutz bei der Hörmann KG.
  • Hörmann www.hoermann.de
Standort: Friedrich-Heinrich- Allee 25, 47475 Kamp-Lintfort Bauherr: Bau- und Liegenschaftsbetrieb BLB NRW, Niederlassung Duisburg Architekten: pbR Planungsbüro Rohling AG Architekten und Ingenieure, Osnabrück; Michael van Ooyen, Straelen Freianlagen: Kuttner + Kahl Landschaftsarchitekten, Hamburg BGF: 19 055 m² BRI: 80 429 m³ Bauzeit: Dezember 2011 bis März 2014