Gebäudetechnik und KNX Vernetzung im Hotelpark »Grosse Ledder«

Intelligentes Hotel im Grünen

Im Herzen des Bergischen Lands liegt in einem großen Waldgebiet die Seminar- und Freizeithotel-Anlage Große Ledder. In elf individuell gestalteten und über die hügelige Landschaft verteilten Häusern befinden sich 91 komfortable Zimmer und 13 Konferenzräume mit moderner Medientechnik. Intelligente Gebäudetechnik und eine KNX Vernetzung unterstützen bei der zentralen Verwaltung der voneinander separierten Räumlichkeiten. Sie helfen zudem, Energie zu sparen und sorgen für höchsten Komfort und Wiedererkennung bei den Hotelgästen.

Gebaut wurden die ersten Häuser der Anlage Mitte des 18. Jahrhunderts als Erholungsheim für Bayer-Mitarbeiter, heute ist das Tagungshotel für alle offen. 2008 begann die Bayer Real Estate mit dem Umbau der zentralen Empfangsgebäude; zwischen dem Gutshaus und dem Herrenhaus entstand ein moderner Verbindungsbau. Für die Innenarchitektur waren brandherm + krumrey interior architecture zuständig. Vorgabe war ein 3-Sterne-Plus-Niveau, zeitlos modern und langlebig, sowohl was das Design als auch was die Materialien betrifft. Das Gebäude wurde bis auf die Fassade und den Flurbereich völlig entkernt, Zimmer und Bäder wurden neu eingeteilt und möbliert.

Das zentral gelegene Herrenhaus wurde 2012 komplett saniert. Mit seiner Schieferfassade und grünen Fensterläden spiegelt es den typischen Charakter des Bergischen Lands wider. Durch ihre dezentrale Lage war es sinnvoll, alle Häuser mit moderner Gebäudetechnik zu vernetzen – so lässt sich der laufende Betrieb spürbar erleichtern. Auch im Hinblick auf die Energiebilanz macht sich die Technik positiv bemerkbar, die Stromkosten wurden auf einen Bruchteil gesenkt.
Kompetente Beratung erhielten die Betreiber der Großen Ledder durch Elektromeister Thomas Hering: Er zeigte auf, welche Möglichkeiten eine moderne KNX Vernetzung bietet und welche Lösungen sinnvoll sind. Es sollte ein durchgängiges System geschaffen werden, das sich einfach bedienen lässt – vom Personal, aber auch von den Gästen. Der Betreiber wünschte technische Transparenz zu jeder Zeit. Zur Programmierung und Detailplanung wurde der System-Integrator Willian Vent von microswitch hinzugezogen. Gemeinsam haben sie über ein KNX System die einzelnen Komponenten und Gewerke miteinander verknüpft: u. a. Heizung, Klima, Lüftung, Beleuchtung, Medientechnik, Audio- und Schließtechnik. Auch das Buchungssystem des Hotels ist über eine Schnittstelle integriert. In zwei redundant laufenden Gira FacilityServern fließen sämtliche Daten zusammen, sie sind das Herz der technischen Anlage. Bestandsanlagen anderer Gebäude der Großen Ledder sind mit KNX-Schnittstellen versehen, in die KNX-Welt integriert und »künstlich intelligent« gemacht.
Zimmer und Suiten überwachen sich selbst
Wird über das Hotelbuchungssystem Protel ein Zimmer gebucht bzw. eingecheckt, ist diese Information automatisch im System vermerkt. In der Folge fährt rechtzeitig vor Ankunft des Gasts die Heizung auf Wohlfühltemperatur hoch. Zur Prüfung, ob im Raum alles in Ordnung ist, muss das Personal nicht vor Ort sein, denn die Zimmer geben automatisch weiter, ob sie geputzt sind oder ein technischer Defekt vorliegt.
Erleichterung für die Servicekräfte
Für die Servicekräfte wurde eine spezielle Visualisierung entwickelt. Im Grundriss ist auf einen Blick der Status der Räume erkennbar: Ist Servicepersonal oder ein Gast anwesend, kann geputzt werden oder nicht. Für das Personal ist diese Statusanzeige eine enorme Entlastung, da die Häuser teilweise weit voneinander entfernt liegen. Eine große Zeitersparnis und Hilfe bedeutet zudem die Möglichkeit der Fernwartung: Hat ein Gast ein technisches Problem, kann aus der Ferne direkt weitergeholfen und eingegriffen werden. Bei Bedarf ist die Regelung der Temperatur, der Beleuchtung oder der Klimaanlage möglich. Angezeigt werden außerdem diverse Störmeldungen, die Außenbeleuchtung lässt sich bedienen und die Schranken an den Einfahrten werden mittels Kameras überwacht.
Komfort für die Gäste
Die Zimmer öffnen, wenn Zutrittskarten am Türbeschlag vorgehalten werden. Dazu ist das Messerschmitt-Schließsystem in die KNX-Welt eingebunden. Differenziert nach Gast und Servicepersonal sind unterschiedliche Funktionen und Berechtigungen hinterlegt. Betritt ein Gast den Raum, wird er mit einer individuellen Beleuchtungsszene empfangen. War er bereits früher im Hotel und hat eine Szene mit Beleuchtung und TV- oder Radio-Programm als Favorit gespeichert, wird er mit dieser empfangen.
Die Freisprecheinrichtung in den Zimmern ermöglicht Telefonate frei im Raum, auch mit mehreren Personen. Dazu wird das eigene Smartphone einfach via Bluetooth mit dem Raum gekoppelt. Ebenso einfach lässt sich auch die persönliche Lieblingsmusik vom Handy abspielen.
Intuitive Bedienkonzepte
Fast alle Leuchten sind dimmbar via DALI, 95 % aller Leuchtmittel sind als LED ausgeführt. Die Regelung der Beleuchtung und Raumtemperatur ist über klassische Schalter im Schalterdesign Gira Esprit Glas C Schwarz möglich oder über das intuitiv bedienbare Gira Interface auf einem iPad, das der Gast für seinen Aufenthalt erhält. Hier lassen sich zudem individuelle Szenen oder Weckszenarien mit TV-Programm und einer Lichtszene speichern.
Störmeldungen
Störmeldungen aller sicherheitsrelevanten Bereiche werden weitergeleitet. Sämtliche Informationen werden an die Gira FacilityServer übermittelt und zentral visualisiert. Je nach Priorität werden die Meldungen zudem an die verantwortlichen Mitarbeiter weitergeleitet. Sollte es zu einem Ausfall der beiden redundant laufenden Server kommen, bleiben alle wichtigen Grundfunktionen wie Störmeldungen, BMA, Notlicht in Funktion. Registriert die Brandmeldeanlage einen Alarm, wird dieser via KNX mit höchster Priorität weitergegeben.
Flexible Heizungsregelung
Durch die Einbindung der Heizung in das KNX System erfolgt die Temperaturregelung gezielt nach Buchungsstatus des Zimmers. In nicht belegten Räumen wird die Temperatur auf einen definierten Wert heruntergefahren und beim Check-in wieder angehoben. Die Fenster werden mit Kontakten überwacht, bei geöffnetem Fenster wird die Temperatur automatisch gesenkt. Je nach Buchungsstatus und Jahreszeit ist auch die Klimaanlage eingebunden. Die elektrische Fußbodenheizung und Spiegelheizung im Bad kann der Gast selbst um +/- 3 °C regulieren.
Verschattung
Die Beschattung der Seminarräume erfolgt automatisch nach Auswertung der Daten der zentralen Wetterstation und den dazugehörigen Sicherheitskomponenten wie Wind- oder Frostalarm. Alternativ können die Jalousien vor Ort über Gira Tastsensoren an der Wand oder das iPad bedient werden. Über die Visualisierung auf dem iPad lassen sich auch Beleuchtung und Konferenzmedien steuern. Energieeffizient ist die tageslichtabhängige Beleuchtung: Wird es im Tagesverlauf heller im Raum, fährt sie bedarfsgerecht schrittweise herunter, wird es dunkler, dimmt sie wieder hoch.
In enger Abstimmung von Betreibern, Elektroprofis und System-Integrator ist hier ein Hotel entstanden, das mitdenkt und fit für die Zukunft ist – denn mit der KNX-Infrastruktur als Grundlage lassen sich Funktionen jederzeit umprogrammieren, ergänzen oder neu entwickeln, ohne an die Bausubstanz gehen zu müssen. •
~Markus Fromm-Wittenberg
Der Autor leitet den Bereich Anwendung und Kooperation Gebäudesystemtechnik bei Gira. Schwerpunktmäßig befasst er sich mit der gewerkeübergreifenden Vernetzung von unterschiedlichen Systemen.
Standort: Hotel Große Ledder, 42929 Wermelskirchen/Stumpf Betreiber: Bayer Gastronomie, Leverkusen Innenarchitektur: b-k-i brandherm + krumrey interior architecture, Hamburg Elektroplanung und -installation: Elektro Hering, Frödenberg-Dellwig System-Integration: microswitch, Gladbeck Intelligente Gebäudetechnik: Gira, Radevormwald, www.gira.de