Steildächer fachgerecht dämmen — Hersteller-Fachbeitrag von Bauder

Grosse Dachflächen – energetisch bedeutsam

Rund 30 % der Heizwärme geht bei unsanierten Gebäuden über die Dachflächen verloren. Dächer im Zuge einer Sanierung langfristig mit einem sehr guten Wärmeschutz auszustatten, ist mit dem Dämmstoff Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) möglich. Bei einer vergleichsweise geringen Dämmstoffdicke weist er sehr gute U-Werte auf und verändert die Anmutung des Gebäudes, v. a. bei einer Kombi-Dämmung, nur geringfügig.

Steildächer sind komplexe Bauteile, da sie sich aus vielen Einzelschichten zusammensetzen: Innenbekleidung, luft- und dampfsperrende Schicht, Dämmung (früher zumeist als hinterlüftete Zwischensparrendämmung ausgeführt), Sparren, eine zweite wasserführende Schicht, Konter- und Dachlattung sowie das Bedachungsmaterial. Je nach Baujahr und dem entsprechenden Dämmstandard sind sie ganz unterschiedlich ausgeführt. Die Innenbekleidung kann z. B. aus verputzten Holzwolle-Leichtbauplatten, Profilholzschalungen bzw. tapezierten Gipskartonplatten bestehen. Oder auf den Sparren wurde eine zusätzliche Holzschalung verlegt. Für Architekten bedeutet das, dass jedes Dach neu aufgenommen und bewertet werden muss. Ebenfalls gilt es, Bauherrenwünsche wie Solaranlagen, Gauben usw. in die Planungen mit einzubeziehen, ohne dass dabei die Wirkung des Hauses grundlegend verloren geht.

Bestandsaufnahme — luftdichte Schicht
Eine luftdichte Schicht ist laut EnEV sowie nach der aktuell gültigen DIN 4108 Teil 7 unverzichtbar. Und nur mit einer funktionsfähigen Luft- und Feuchtigkeitssperre können hohe Anforderungen an eine Wärmedämmung umgesetzt werden. In seltenen Fällen ist dabei die luftdichte Schicht bei Dächern vor 1990 voll funktionsfähig.
Bestandsaufnahme — Wärmedämmung
Nicht nur die konstruktiven Anforderungen an Dächer nehmen zu, auch die an den Wärmeschutz steigen stetig. Beim Blick in die Zukunft sollte die Frage geklärt werden, welches Dämmniveau im Dachbereich auf Dauer sinnvoll ist. Energieexperten raten langfristig zu einem U-Wert von # 0,20 W/m²K. Nur so sind die steigenden Energiekosten für Bauherren auch in Zukunft bezahlbar. Bei diesen Betrachtungen ist berücksichtigt, dass Dächer – im Gegensatz zu vielen anderen Bauteilen – mit 30-40 Jahren eine sehr lange Nutzungsdauer aufweisen.
Die passende Dämmung
Das Angebot an Dämmmaterialien ist umfangreich. Als Auswahlkriterium sind zwei Kenngrößen besonders wichtig. Die Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS), also das Dämmvermögen des Dämmstoffs, und der U-Wert. Der U-Wert bestimmt, je nach Dämmstoff, die Materialdicke. Ein Dämmstoff mit niedrigerer WLS ist dann sinnvoll, wenn das Dämmpaket das Aussehen des Gebäudes kaum oder nicht verändern soll. Oder wenn Detailpunkte mit einem dickeren Dämmstoffaufbau nicht oder nur aufwendig gelöst werden können. Ein Beispiel: Um einen U- Wert von 0,19 W/m²K zu erzielen, ist eine Dämmstoffdicke von 120 mm des Polyurethan-Hartschaums PUR/PIR mit WLS 023 notwendig. Um den gleichen Wärmeschutz zu bieten, muss bei einem Dämmmaterial mit WLS 043 eine Dämmstoffdicke von 220 mm eingesetzt werden – also fast das Doppelte.
Sehr wichtig ist außerdem, das aus der Dicke resultierende Dämmstoffgewicht im Vorfeld zu ermitteln. Nicht jede vorhandene Dachkonstruktion ist auf die Gewichtsbelastung der neuen Dämmung statisch ausgelegt. Dämmt man ein 150 m² großes Dach, liegt die zusätzliche Belastung mit einem PUR/PIR-Dämmstoff bei 530 kg – andere Dämmstoffe wiegen deutlich mehr.
Diffusionsoffen contra Diffusionsdicht
Oft herrscht die Meinung vor, ein diffusionsfähiger Dämmstoff sei in der Lage, Feuchtigkeit auch bei nicht funktionsfähiger, innenliegender Luft- und Dampfbremse zuverlässig nach außen abzutransportieren. Dass dies nur bedingt möglich ist, wird ersichtlich, wenn man die anfallende Feuchtigkeitsmenge mit der über den Diffusionsweg abtransportierten Feuchtigkeitsmenge vergleicht. Bis zu 12 l Feuchtigkeit fallen an einem Tag in einem durchschnittlichen 4-Personen-Haushalt an. Diese Feuchtigkeitsmenge kann zwar im Idealfall theoretisch durch Diffusion nach außen gelangen, praktisch ist dies ohne Feuchteschäden jedoch nicht möglich. Ein weiterer, deutlich kritischerer Faktor ist jedoch die Konvektion, also der Feuchtigkeitstransport über Fugen. Setzt man bei der Diffusion eine Feuchtigkeitsmenge von »1« an, gelangt über Konvektion das 1 000- bis 10 000-Fache an Feuchtigkeit in den Dachaufbau. Mit dieser Menge kommt auch der beste diffusionsoffene Dämmstoff nicht zurecht.
Diffusionsoffene Konstruktionen machen nur dort Sinn, wo feuchte Bauteile eingepackt werden. Dies ist z. B. in Neubauten der Fall, bei denen zur Holz- noch die Baufeuchte hinzukommt. In Altbauten sind die Holzbauteile über die Jahre hinweg getrocknet und auch andere Feuchtigkeitsquellen wie Estrich oder Anmachwasser eher selten vorhanden.
Das erklärte Ziel sollte also sein, so wenig Feuchtigkeit wie möglich in die Konstruktion gelangen zu lassen. Dafür werden luftdichte und feuchtigkeitsbremsende oder -sperrende Produkte benötigt. Ist ein Dämmstoff durchfeuchtet, wird nicht nur seine Dämmleistung dauerhaft reduziert, sondern es können sich Schimmelpilze bilden oder die Dämmung verrottet. Tauwasserfreie Konstruktionen sorgen hingegen für dauerhaft trockene Dämmmaterialien. Sie lassen sich z. B. mit einer auf dem Sparren verlegten PUR/PIR-Hartschaum-Dämmung verwirklichen.
Detailplanung
Nach der Wahl des geeigneten Dämmstoffs und der Dämmmethode (Aufsparren-, Zwischensparren-, Untersparrendämmung oder eine Kombinationen aus Auf- und Zwischensparrendämmung oder Zwischen- und Untersparrendämmung) ist der nächste Schritt die Detailplanung.
Sensible Bereiche sind Traufe und Ortgang, Dachflächenfenster, Schornsteine sowie Solar- und Elektroleitungen. Wie hier die luftdichte und dampfbremsende Schicht ausgeführt werden kann, zeigen die entsprechenden Angebote der Dämmstoffhersteller. Am besten ist es dabei, im System zu bleiben. Stammen Dämmung, luftdichte- und dampfbremsende Schicht sowie Klebeband und Klebemasse aus einer Hand, sind die Produkte untereinander verträglich und der Hersteller gibt eine Garantie auf das System. Für kleinere Durchdringungen wie Solar- und Elektroleitungen sind entsprechende Formteile auf dem Markt, damit sich auch diese sicher in die luftdichte und dampfbremsende Schicht sowie in die zweite, wasserführende Ebene unterhalb der Bedachung integrieren lassen.
Aufsparren- oder Kombidämmung
Spielt die Aufbauhöhe keine Rolle, bietet sich die Aufsparrendämmung als geeignete Konstruktion an. Das gesamte Dämmpaket wird über den Sparren auf der luftdichten und dampfbremsenden Schicht verlegt, die lastabtragende Dach- bzw. Konterlattung befindet sich auf der Dämmung. Den Abschluss bildet das Bedachungsmaterial.
Um einen U- Wert von 0,19 W/m²K zu erreichen, sind 120 mm dicke PUR/PIR-Dämmelemente der WLS 023 ausreichend. Höhere Dämmleistungen, wie sie z. B. die KfW-Bank mit U # 0,14 fordert, lassen sich, abhängig von der Unterkonstruktion, mit Dämmstoffdicken zwischen 160 und 180 mm realisieren. Andere Dämmstoffe, z. B. mit WLS 045, benötigen hierfür Materialdicken bis zu 320 mm. Soll die Aufbauhöhe aus baurechtlichen oder gestalterischen Gründen gering gehalten werden, bieten sich Kombinationsdämmsysteme an. Dabei wird eine Zwischensparrendämmung mit einer meist dünnen PUR/PIR- Dämmung auf den Sparren kombiniert. •
~Ekkehard Fritz
  • Der Autor ist staatlich geprüfter Holztechniker und leitet den Fachbereich Steildach bei Bauder in Stuttgart. Dazu arbeitet er in Fachgremien wie dem »Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks« (ZVDH) mit.
  • Bauder www.bauder.de