Baustoffe für Selberbauer im Geschosswohnungsbau — Hersteller-Fachbeitrag von Xella Deutschland

Gestapelte Muskelhypothek

Das zur IBA in Hamburg von der BeL Sozietät für Architektur aus Köln realisierte Projekt »Grundbau und Siedler« zeigt, wie sich auch im Geschosswohnungsbau mit viel Eigenleistung — ein gutes Konzept und die richtigen Materialien vorausgesetzt — Kosten sparen lassen.

Sieben Jahre lang wurde auf den Hamburger Elbinseln Wilhelmsburg und Veddel sowie im Harburger Binnenhafen im Rahmen der IBA geforscht und nach Lösungsansätzen für eine nachhaltige und moderne Stadtentwicklung gesucht. So fand u. a. anhand der realisierten »Smart Price Houses« eine Auseinandersetzung mit Formen des preisgünstigen innerstädtischen Bauens statt. Bei ihrem Projekt »Grundbau und Siedler« setzten die Architekten der BeL Sozietät für Architektur aus Köln auf die Eigenleistung der künftigen Nutzer. Diese Idee war nicht ganz neu: Im Einfamilienhausbereich haben sich Konzepte bereits bewährt, die auf einfachen, gut durchdachten und aufeinander abgestimmten Bausystemen basieren. So lassen sich z. B. bei den Rohbaukosten eines Einfamilienhauses bis zu 50 000 Euro durch Eigenleistung bei der Errichtung eines Porenbeton-Bausatzhauses sparen, das sich zudem durch seine hohe Verarbeitungssicherheit auszeichnet.

Auf der IBA in Hamburg betraten die Architekten mit der Realisierung einer gestapelten Variante dieses Konzepts jedoch weitgehend unbekanntes Terrain und fanden mit Primus developments einen Projektentwickler, der sich dieser Herausforderung stellte. In einem ersten Schritt wurde ein technisch erschlossenes Stahlbetonskelett als »Grundbau« erstellt, innerhalb dessen die »Siedler« im zweiten Schritt ihre Wohnungen in Eigenleistung ausbauten. Laut Architekten konnten so die Kosten für eine Eigentumswohnung bis 25 % gesenkt werden.
Flexibel und sicher
Das EG des viergeschossigen Gebäudes nimmt Technikräume, Autostellplätze und Abstellräume für jede der bis zu zwölf möglichen Wohneinheiten auf, die während der »Siedlungsphase« als sicheres Materiallager fungierten. Erschlossen werden die Etagen mit insgesamt 1 670 m² (BGF) sowohl über ein Treppenhaus als auch einen Aufzug, der – etwas robuster gestaltet als üblich – auch für den Transport der Ausbaumaterialien genutzt werden konnte. Jede der Deckenplatten kragt mindestens 70 cm über die geplanten Außenwandfluchten aus. Während der Bauphase konnte dieser »Umgang« in Kombination mit einem Netz die Funktion eines absturzsichernden Baugerüsts übernehmen.
Mit dem Erwerb eines »Stück Hauses« war gleichzeitig auch der eines Bausatzes mit sämtlich benötigten Materialien verbunden. Dessen Bezug erfolgte über einen großen regionalen Händler, der auch die nötigen Werkzeuge bereithielt und zu Sonderkonditionen zur Verfügung stellte. Außerdem verfassten die Architekten ein detailliertes Handbuch, in dem alle Arbeitsschritte, die in Eigenleistung ausgeführt werden konnten, genau beschrieben sind. Alle Bauherren erhielten dazu noch vor Baubeginn eine genaue Einweisung durch einen »Ytong Vorführmeister«.
Bei der Auswahl der Materialien achteten die Planer auf die von Laien leicht erlernbare Verarbeitung und Umsetzbarkeit mit einfachem Werkzeug. So lassen sich die eingesetzten Porenbetonsteine und Mineraldämmplatten mit einer Handsäge teilen und weisen zudem handliche Formate und ein geringes Gewicht auf. Auch die Verarbeitung der Faserplatten für Trockenestrich und Feuchtraumbeplankungen kann einem ambitionierten Selberbauer zugemutet werden.
Die Lage der konsequent bodentiefen Fenster konnte zwar ganz individuell bestimmt werden, dennoch griffen hier die Planer auf Wunsch der Bauherren ordnend ein. Die Fassaden tragen einen durchgängig hellen, gebürsteten Leichtputz, wobei die unterschiedliche Farbigkeit der Flächen rund um die Loggien für Individualisierung sorgen soll.
Materialverwandtschaft
Bei den Außenwänden fiel die Wahl auf Porenbeton, um sowohl die Vorteile seiner einfachen Verarbeitung zu nutzen, als auch die strengen IBA-Vorgaben bei den Energiestandards einzuhalten. Die 48 cm dicke, einschalige Hülle aus »Ytong-Steinen« gewährleistet die Unterschreitung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) um 30 % (KfW 55-Standard). Zudem entfielen die Kosten für eine zusätzliche Wärmedämmung.
In den meisten Wohnungen wurden auch die Raumtrennwände aus Porenbeton errichtet. Hier kamen 11,5 cm dicke Steine zum Einsatz. Die Wohnungstrennwände dagegen bestehen aus einer zweischaligen Wand aus 2 x 11,5 cm »Silka-Kalksandstein«und 5 cm Dämmung zwischen den beiden Wandschalen. Diese Konstruktion erreicht einen Schallschutzwert von 55 Db und entspricht damit den Anforderungen an den erhöhten Schallschutz.
Die Hälfte der bis zu zwölf möglichen Wohnungen wurde als Mietwohnungen errichtet, da sich nach Angaben des Projektentwicklers nur wenige Interessenten den Selbstbau tatsächlich zutrauten. Die Größe der Wohneinheiten variiert, gebunden an die Vorgaben der IBA, zwischen 40 und 130 m².
Die Unabhängigkeit der Wände von der Tragstruktur und jeweils zwei Installationsstränge in jeder Wohnung ermöglichten eine größtmögliche Flexibilität bei der Aufteilung der Geschossflächen. So konnten alle Grundrisse individuell den jeweiligen Bedürfnissen der Bauherren angepasst werden.
Die Dämmung der Decken und Böden erfolgte mit »Multipor« Mineraldämmplatten in 200 mm Dicke. Damit sind gleichzeitig Brandschutz und eine hohe Wärmedämmung gewährleistet. Wegen ähnlicher bauphysikalischer Eigenschaften – auch Multipor wird auf Basis der natürlichen Rohstoffe Sand, Kalk, Zement und Wasser unter Zugabe geringer Mengen Aluminiumpulver als Porenbildner hergestellt – ist eine Kombination mit Porenbeton und Kalksandstein besonders günstig.
Trockener Ausbau
Durch ein Trockenestrich-System aus Gipsfaserplatten, das auf der mineralischen Bodendämmung verlegt wurde, entstand ohne Zeitverlust ein hochbelastbarer Fußbodenaufbau (zulässige Einzellast 3,0 kN). Eingesetzt wurde das »Fermacell Estrich-Element 2 E 22«. Es besteht aus 2 x 12,5 mm dicken Gipsfaserplatten im Format 150 x 50 cm, die so gegeneinander versetzt angeordnet sind, dass ein 50 mm breiter Stufenfalz für das Verkleben entsteht.
Auch für die Feuchträume sahen die Architekten einen Ausbau in Trockenbauweise vor und wollten dabei kein Risiko eingehen: So wurden die wasserfesten, weil zementgebundenen, Leichtbeton-Platten »Fermacell Powerpanel H2O« eingebaut – sowohl im Wandbereich als auch als Estrich-Elemente. Mit der Systemergänzung durch das Bodenablaufsystem »Powerpanel TE« war sogar die Konstruktion von bodengleichen Duschen in Trockenbauweise möglich, mit denen sämtliche Nassbereiche ausgestattet sind. •
~Markus Heße
  • Der Autor ist Leiter Produktmanagement von Xella Deutschland und koordinierte in Hamburg den Einsatz der Produkte Ytong, Silka, Multipor und Fermacell.
  • Xella Deutschland www.xella.de
  • Fermacell Deutschland wwwfermacell.de
Projekt: »Grundbau und Siedler«, Smart Price Houses, IBA Hamburg Standort: Am Inselpark 11, 21109 Hamburg Investor und Bauherr: Primus developments, Hamburg Architekten: BeL Sozietät für Architektur, Köln Fertigstellung: Frühjahr 2013 Verwendete Ausbau-Produkte: Ytong Porenbeton, 48 cm; Silka Kalksandstein, 11,5 cm; Multipor, 200 mm; Fermacell 2 E 22; Fermacell Powerpanel H2O; Fermacell Powerpanel TE Bodenablaufsystem