Visual Arts Building von Steven Holl Architects

Zinkfassade

Das Visual Arts Building der University in Iowa City lebt von Gegensätzen. Eine markante Fassadengestaltung aus Titanzink und starrem Sonnenschutz aus Edelstahl betont das architektonische Konzept.

~Thomas Bühlmeyer,
Anwendungstechniker bei
RHEINZINK

Durchscheinend und undurchsichtig, kantig und weich, vor- und zurückspringend – das neue Visual Arts Building der University of Iowa fasziniert durch Gegensätze und lädt den Betrachter zum Hinschauen ein. Es steht auch im Gegensatz zu seinem Vorgänger, einem monumentalen Massivbau, der 1936 fertiggestellt und 2008, als der Iowa River den Campus überschwemmte, sehr stark beschädigt wurde. Den historischen Altbau nutzt die Universität heute für andere Zwecke und hat für die Visual Arts einen Neubau errichten lassen. Dieses Gebäude beeindruckt nicht nur selbst durch Gegensätze, sondern steht ebenso im Kontrast mit seinem nur wenige Schritte entfernten Nachbarn, dem 2006 fertiggestellten Arts Building West. Der Entwurf für beide Bauwerke stammt von Steven Holl Architects, New York. Während das ältere Gebäude eine Fassade aus rostbraunem Cortenstahl erhielt, wählten die Architekten für das Visual Arts Building eine Bekleidung aus graublauem Titanzink und perforiertem Edelstahl. Diese Materialkombination verleiht dem Gebäude zusammen mit der kontrastreichen Kontur einen leichten, luftig wirkenden Charakter.

Das Visual Arts Building wurde in Ortbetonbauweise erstellt und bietet auf rund 12 000 m² Ateliers für Studierende, Doktoranden, Dozenten und Mitarbeiter sowie Mitarbeiterbüros und Galerieräume. Das planerische Grundkonzept des Gebäudes besteht aus einem Quader, den die Architekten durch sechs abgerundete, z. T. loggienartige Einschnitte aufgebrochen und mit einem verringerten Volumen fortgeführt haben. Die Fassaden der Einschnitte schlossen die Planer mit transluzentem Glas, das Sichtschutz bietet und gleichzeitig diffuses Tageslicht ins Innere lässt. Nahezu im Zentrum schnitten die Architekten ein viergeschossiges Atrium in den Baukörper. Den oberen Abschluss bildet ein Oberlicht mit einer reflektierenden Honigwaben-Struktur. Sie verhindert die direkte Sonneneinstrahlung und lenkt diffuses Tageslicht ins Gebäudeinnere. Die um das Atrium angeordneten Treppen und Rampen führen in die Fachbereiche Bildhauerei, Keramik, Metall, Fotografie, Druckgrafik und 3D-Medien und unterstützen durch ihre offene Gestaltung die interdisziplinäre Kommunikation. Das begrünte Flachdach und die Balkone in den Einschnitten unterstreichen dieses Konzept, während die loftähnlichen Arbeitsräume kreatives, ungestörtes Arbeiten ermöglichen.

Beheizung und Kühlung des Visual Arts Building erfolgen durch Bauteilaktivierung. Die dafür notwendigen Kunststoffrohre liegen in den Hohlkörperdecken. Für die Belüftung sind die Räume mit einem Quelllüftungssystem ausgestattet, die Abluft wird über den natürlichen Luftstrom und Auslässe im zentralen Atrium nach außen geführt. In den Ateliers und Büros erlauben öffenbare Fenster die individuelle natürliche Belüftung und schaffen zugleich Sichtverbindungen zum Campus.

Bei der Fassadengestaltung entschieden sich die Architekten für die Kombination von Edelstahl und Titanzink, das RHEINZINK herstellt. Titanzink ist nachhaltig, langlebig und aufgrund seiner schützenden Patina über seine gesamte Lebensdauer hinweg wartungsfrei. Diese Patina entsteht durch Regenwasser und Kohlendioxid in der Luft und bildet sich nach Beschädigungen immer wieder neu. Weil die natürliche Entstehung der Schutzschicht unregelmäßig verläuft, hat RHEINZINK ein Beizverfahren entwickelt, mit dem das Titanzink sofort den Farbton erhält, den es durch natürliche Bewitterung ohnehin erhalten würde. Die Fähigkeit, diese schützende Patina zu bilden, bleibt dabei vollständig erhalten. Neben »prePATINA schiefergrau« gibt es außerdem die Oberflächenqualitäten »prePATINA blaugrau« und »CLASSIC walzblank«. Zudem bietet RHEINZINK farbige Beschichtungen auf PVDF-Basis. Für die Kombination des Titanzinks mit einem starren Sonnenschutz aus keramik-perlgestrahltem Edelstahl auf der Südost- und Südwestseite wählten die Architekten die Oberflächenqualität prePATINA blaugrau. Die Fassadenbekleidung besteht aus Elementen, die die Pohl Group Facade Division in Deutschland entwickelt, hergestellt und nach Iowa verschifft hat. Die Ausführungszeichnungen fertigte der Fassadenbauer Architectural Wall Systems (AWS) in enger Zusammenarbeit mit den Architekten an. Über 30 Pläne stellten sicher, dass auf der Baustelle nur noch Details wie Fensterbänke und -laibungen gefertigt werden mussten. Hinzu kamen die Untersichten der Balkone und die Verkleidung des Oberlichts auf dem Gründach.

Für die Fassaden wurden zwei Elementtypen hergestellt: Aluminiumrahmen mit Titanzinkbekleidung sowie Aluminiumrahmen mit Titanzinkbekleidung und darauf montierten Edelstahlkassetten. Das 1,5 mm dicke Titanzink wurde zu Blechkassetten gekantet und auf die Aluminiumrahmen geklebt. Darauf wurden – für die Kombination mit dem feststehenden Sonnenschutz – die 3 mm dicken, gelochten und wie ein »C« gekanteten Edelstahlkassetten mit speziellen Winkelprofilen befestigt. Vor Ort hat AWS die Elemente in eine Unterkonstruktion aus Aluminiumprofilen eingehängt und an Clips aus Fiberglass montiert. Die Abmessungen der Elemente hingen vom jeweiligen Einsatzort ab. Ein typisches Titanzink-Fassadenelement ist etwa 305 cm lang und 91 cm hoch, ein Titanzink-Edelstahl-Element ist ca. 488 cm lang und 107 cm hoch. Der Abstand zwischen den Titanzink- und Edelstahlkassetten beträgt ca. 18 cm.

Rund 3 500 m² Titanzink wurden für das Visual Arts Building in Iowa verarbeitet. Das Material Rheinzink ermöglicht für beide Varianten der Fassadenelemente eine wartungsfreie Fassade und unterstreicht die kontrastreiche Architektur des Gebäudes.

Herstellerinformationen:
www.rheinzink.de


  • Bauherr: University of Iowa, Iowa City, Iowa (USA)
    Architekt:Steven Holl Architects, New York (USA)
    Fassadenkonstruktion: Pohl Group Facade Division, Köln
    Fassadenbauer: Architectural Wall Systems (AWS), Clive, Iowa (USA)