Supermarkt in Offenbach mit Riemchenfassade – Hersteller-Fachbeitrag von Röben Tonbaustoffe

Elegant gerundet

Auf dem Gelände der ehemaligen »Maschinenbedarfsgesellschaft« MABEG im Offenbacher Mathildenviertel wurde vor einem guten Jahr ein ansprechend gestalteter Supermarkt mit angrenzender Bäckerei eröffnet. Seit 1997, als die Produktion der Druckmaschinenfabrik ins MABEG-Hauptwerk verlagert wurde, hatte das Areal an der Mühlheimer/Ecke Arthur-Zitscher-Straße brachgelegen, die Gebäude waren immer mehr verfallen. Doch mit der Eröffnung des Supermarkts regt sich ganz allmählich wieder neues Leben auf dem ehemaligen Industriegelände.

Discountmärkte werden zumeist als schlichte, funktionale Hallen ohne weiteren architektonischen Mehrwert konzipiert. Doch langsam findet bei vielen Lebensmittelketten ein Umdenken statt. Ein gutes Beispiel ist der Neubau eines Penny-Markts in Offenbach, entworfen von den Frankfurter Architekten Faller & Krück. Er bildet mit seiner plastisch gestalteten Klinker-Riemchen-Fassade einen ebenso attraktiven wie spannungsreichen Zweckbau am Eingang zur Innenstadt von Offenbach und lässt gleichzeitig das zukünftige Profil der Penny-Märkte erahnen. Denn wie auch der Neubau eines weiteren Penny-Markts von Faller & Krück in der Offenbacher Waldstraße zeigt, der von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen DGNB zuletzt mit einem Zertifikat in Gold ausgezeichnet wurde, will der Konzern bei der Neueröffnung von Märkten in den kommenden Jahren deutlich mehr Wert auf eine gute architektonische Gestaltung legen.

Reminiszenzen
Die Kommune wünschte sich an dem städtebaulich attraktiven Standort in unmittelbarer Nähe des Allessa-Industrieparks ein architektonisch hochwertiges Gebäude. Diesem Anspruch wird der neue Penny-Markt gerecht, der mit seiner Backsteinfassade an den abgerissenen MABEG-Bau erinnert. Die ungewöhnliche Fassade des Flachbaus mit seiner auffälligen »windschnittigen« Rundung wurde mit Handform-Riemchen erstellt, die z. T. als Sonderanfertigung entwickelt wurden. Im kontrastreichen Zusammenspiel von Form und Material entstand ein überzeugendes Gesamtbild mit harmonischem Übergang zur westlich angrenzenden Mathildenschule und dem östlich gelegenen Sozialgebäude der Farbwerke Hoechst, die beide zu den bedeutendsten Bauwerken der Stadt Offenbach aus dem frühen 20. Jahrhundert zählen. Das ehemalige »Haus der Bäcker«, in den 20er Jahren aus rotem und gelbem Klinker errichtet, bildet eine weitere historische Entsprechung.
Die tragenden Wände des Supermarkts bestehen aus Beton, darauf wurde ein Wärmedämmverbundsystem aufgebracht. Die abschließende Bekleidung wurde aus rustikal strukturierten Klinkerriemchen des Herstellers Röben gefertigt. »Damit ließ sich der Radius der Fassade problemlos umsetzen«, resümiert einer der Architekten, Axel Krück. Eine Besonderheit bei der Umsetzung war die Verwendung von zwei verschiedenen Riemchensorten in unterschiedlicher Dicke. Die in der Fläche verwendeten Röben MOORBRAND-Riemchen torf-bunt im 240 x 115 x 14 mm großen Normalformat wirken v. a. durch ihre rustikale und dabei warme, mediterrane Ausstrahlung. Gleichzeitig nehmen sie in ihrer rötlich-beige gescheckten Farbgebung Bezug auf das rot-gelbe Firmenlogo der Penny-Kette. Gleich auf den ersten Blick vermittelt das Gebäude gemäß dem Wunsch der Architekten eine besondere Ausstrahlung, die sich wohltuend vom Charakter anderer Supermärkte abhebt.
Sonderanfertigung
Für Kontrast sorgt die Strukturierung der Fassade mit sieben horizontalen Fassadenbändern, für die deutlich dunklere und mit 35 mm auch dickere DYKBRAND-Riemchen flämisch-bunt verwendet wurden. Die Streifen treten um rund 2 cm aus dem übrigen Mauerwerk hervor und entsprechen damit dem Wunsch der Architekten nach einer horizontalen Gliederung der Fläche mit plastischer Licht-Schatten-Wirkung. Im Prozess des Röben Brick-Design, bei dem Architekten und Planer gemeinsam mit dem Planungsservice des Herstellers ihren individuellen Klinker entwickeln können, entstand so ein abwechslungsreiches plastisches Fassadenbild, das den modernen Stil der 20er Jahre ins Gedächtnis ruft. Der technische Aufwand hielt sich dabei in Grenzen, da die Riemchen lediglich in einer anderen Dicke gefertigt werden mussten.
Unterstützt wird die erzielte Wirkung durch das vollständig umlaufende horizontale Fensterband. Es ermöglicht einerseits einen zusätzlichen Tageslichtanteil im Innenraum und hebt andererseits die elegante Formgebung des Gebäudes nach außen hervor. Den Eingangsbereich haben die Architekten im Kontrast zur an drei Seiten umlaufenden Klinkerfassade als orthogonal untergliederte Glasfront mit transparenten sowie mit mintgrün bedruckten Glasfeldern gestaltet. Weiter wird der Baukörper durch einen Dachaufbau akzentuiert, in dem sich die Gebäudetechnik befindet und der mit Holzlamellen bekleidet ist. •
~Robert Uhde
  • Der Autor lebt und arbeitet in Oldenburg. Nach dem Studium der Kunst und Germanistik in Oldenburg ist er seit 1997 als freier Architektur-Journalist für verschiedene Architekturzeitschriften tätig.
  • Röben Tonbaustoffe www.roeben.com
Objekt: Supermarkt in Offenbach Standort: Arthur-Zitscher-Straße 1, 63065 Offenbach Bauherr: 4. BAMAC Verwaltungs GmbH Mannheim Architekten: Faller & Krück, Frankfurt a. M. Verwendete Produkte: 35 000 MOORBRAND-Riemchen torf-bunt und 4 000 DYKBRAND-Riemchen flämisch-bunt Ausführende Firma: MMI Bau, Frankfurt a. M.