Intelligente Gebäudetechnik in historischem Bestand — Hersteller-Fachbeitrag von Gira

Auferstehung

In einem lange leer stehenden Industriebau realisierte eine Bauherrengemeinschaft das Konzept vom Wohnen und Arbeiten unter einem Dach. Ihre Maxime: den eher spröden Charakter der ehemaligen Mahle-Fabrik so weit wie möglich zu erhalten. In seinem Inneren ist das Gebäude auf dem neuesten Stand der Technik: Über ein leistungsstarkes KNX/EIB-System sind alle elektrischen Komponenten miteinander verbunden. Das garantiert den Bewohnern mehr Komfort, höhere Sicherheit und geringeren Energieverbrauch.

Ursprünglich diente die 1939 errichtete Fabrik dem Stuttgarter Autozulieferer Mahle als Gießerei – entsprechend massiv fiel ihre statische Konstruktion aus. Genau das sicherte jedoch das Überleben des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg: Selbst schwerstes Bombardement konnte ihm nichts anhaben. Nach Kriegsende wurde es von Mahle für verschiedene Zwecke genutzt – bis vor 20 Jahren, als das endgültige Aus für die Industrieproduktion kam. Inmitten eines ganzen Ensembles neuer und moderner Betriebsgebäude fiel die alte Gießerei dem Vergessen anheim – ein Abriss wäre schlicht zu teuer gewesen. Wiederentdeckt wurde das Gebäude durch den wachen Blick der Architektin Wallie Heinisch. Mit ihren Partnern vom Stuttgarter Büro METARAUM war sie schon lange auf der Suche nach einer passenden Immobilie, um städtisches Wohnen und Arbeiten unter einem Dach zu verbinden. Die Stuttgarter Architektin ist Teil einer sechsköpfigen Bauherrengemeinschaft, bestehend aus vier Familien mit je eigenen Büros für Energie- und Unternehmensberatung, Kommunikations- und Grafikdesign sowie Architektur. Für sie war die leer stehende Mahle-Fabrik ein Glücksfall: eine günstige Immobilie mit ausreichend Platz und entsprechender Statik, um einerseits die nötigen Wohn- und Büroräume passend zu schneidern, wie es in Mietwohnungen kaum möglich ist, und um andererseits Arbeiten und Wohnen in unmittelbarer räumlicher Nähe zu ermöglichen.

Der Entwurf von METARAUM sah auf ingesamt ca. 4 000 m2 Geschossfläche zwei Büros im EG und vier Wohnateliers in den OGs vor. Zwei Treppenhäuser flankieren das Gebäude seitlich. Die vormals zusammenhängenden Geschosshallen wurden einzig durch eine mittige Brandschutzwand und ein eingeschobenes Rückgrat aus Gemeinschaftsbereichen auf jeder Ebene untergliedert – ganz problemlos, dank der massiven Statik. Für die Büro- und Wohnatelierflächen ergaben sich dadurch Grundflächen von je 360 m2. Da die Raumhöhe im EG und 1. OG mit 4,5 m zu niedrig für den zweigeschossigen Ausbau war, entschied man sich in den Wohnateliers für den Einbau von Galeriemodulen aus Holz, die den Wohn- und Atelierraum auf jeweils ca. 400 m2 erweitern.
Behutsamer Umgang
Oberste Maxime während der gesamten Revitalisierung war der behutsame Umgang mit dem Objekt. Das hieß v. a., so wenig wie möglich – und wenn, dann so einfach wie möglich – zu verändern: um die Spuren der Geschichte zu bewahren, aber auch um das Projekt für die Bauherren finanziell überhaupt tragbar zu machen. Die industrielle Patina und die Anmutung des Gebäudes blieben deshalb in vielen Bereichen komplett erhalten oder wurden nur marginal angerührt: d. h. gesichert, gesäubert und lasiert. Erhaltene Relikte wie Hinweismarkierungen, eine Industriewaage, Formkacheln der Waschräume oder die vollständig erhaltene Schaltzentrale von 1939 vergegenwärtigen die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes.
In anderer Hinsicht aber wurde die alte Mahle-Gießerei auf den neuesten Stand gebracht, etwa bei der Wärmedämmung. Da die bis zu 40 cm dicken Brüstungen aus Bimsleichtbeton bereits dem Standard normaler Wände mit zusätzlicher Wärmedämmung entsprachen, musste nur die Industrieverglasung ersetzt werden. Die energetische Optimierung der Gebäudehülle wird durch »Fiberwood«-Fenster mit Verbundrahmen aus Glasfaser-Kunststoff (außen) und Holz (innen) ergänzt: Die 15 m2 großen Fensterflächen machen den Großteil der Gebäudefassade aus und verfügen über einen Dämmwert, der je nach Rahmenanteil einen U-Wert von 1,0 unterschreitet.
Die Elektroinstallation wurde komplett erneuert, die Leitungen dafür im ebenfalls neu aufgebrachten Boden verlegt. Dabei fiel die Entscheidung auf ein leistungsstarkes KNX/EIB-System, über das alle elektrischen Komponenten im Haus miteinander verknüpft werden können. Im Loft von Architektin Heinisch zeigt sich, dass die Gebäudeautomation keineswegs im Gegensatz zu dem Low-Tech-Konzept des Umbaus steht. Vielmehr unterstützt sie den Anspruch, alles möglichst einfach zu gestalten, indem sie maximalen Komfort und Sicherheit bietet und zugleich den bewussten und sparsamen Umgang mit Energie unterstützt.
Intelligente Gebäudetechnik
Um ein solches System zu planen, zu programmieren und in Betrieb zu nehmen bedarf es eines Fachmanns. Die Architektin zog deshalb einen Gira-System-Integrator hinzu, der besonders erfahren in der Beratung, Projektierung und Inbetriebnahme von IP-Produkten für die Gebäudesteuerung ist. Er hat via KNX/EIB-System alle elektrischen Komponenten miteinander vernetzt – Leuchten, Heizung, Rauchmelder, Sicherheitssystem, Wetterstation und Türkommunikation. Als Steuerzentrale fungiert der »Gira HomeServer«, bei dem alle Informationen zusammenlaufen und ausgewertet werden.
So schalten »Gira Präsenzmelder« bei entsprechender Dunkelheit automatisch das Licht an. Auf mehreren »Gira Tastsensoren« sind überdies spezielle Lichtszenen für verschiedene Situationen und Stimmungen hinterlegt: zum Arbeiten, Kochen, Baden, den gemütlichen TV-Abend oder für den Empfang von Gästen. Über die Funktion »Zentral-Aus« lassen sich beim Verlassen des Lofts oder am Abend alle Energiefresser mit einem Befehl vom Netz nehmen.
Einfach steuern lässt sich die Gebäudetechnik über das »Gira InfoTerminal Touch«. Durch die Kopplung des HomeServers an das Internet lassen sich alle Funktionen im Haus auch von unterwegs aus steuern – dank einer entsprechenden App via iPhone, iPad, PC oder Smartphone. Ein »Gira SmartSensor« dient als zusätzliche Kontroll- und Bedieneinheit für das KNX/EIB-System. Mit ihm lassen sich sämtliche KNX/EIB-Funktionen wie z. B. die Raumtemperatur komfortabel kontrollieren und steuern. Mit dem KNX/EIB-System ist die Bauherrengemeinschaft in dem historischen Objekt bestens auf die Zukunft vorbereitet. Zum einen ist es weltweit der gültige Standard für intelligente Gebäudetechnik, zum anderen ist es »offen«, d. h. es lässt sich nach Bedarf ausbauen und ergänzen. •
~Markus Fromm- Wittenberg
  • Der Autor verantwortete bei Gira die europaweite Einführung des KNX/EIB-Systems. Seit 2009 ist er Leiter Anwendung und Kooperation Gebäudesystemtechnik bei Gira. Sein Schwerpunkt: die Vernetzung von unterschiedlichen Systemen und die Betreuung von Kooperationspartnern aus diesem Bereich.
  • Verwendete Gira-Produkte: HomeServer, InfoTerminal Touch, SmartSensor, Präsenzmelder, Tastsensoren, Türkommunikations-System, Rauchwarnmelder
  • Gira Giersiepen, Radevormwald www.gira.de