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Wissen der Stadt (Heidelberg)

~Alfred Hottmann

Wer dieser Tage mit offenen Augen durch Heidelberg geht, bemerkt vermutlich das ein oder andere gelbe Schild, das auf die seit 2012 laufende IBA aufmerksam macht. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren, ist also die Halbzeit gerade eben vorbei. Grund genug, ein erstes Resümee zu ziehen, und die bisherigen Ergebnisse in einer Ausstellung zusammenzutragen. Der dafür ausgewählte ungewöhnliche Ort ist das Kommandanturgebäude auf dem ehemaligen Kasernengelände der Campbell Barracks in der Heidelberger Südstadt. Mit der Eröffnung der IBA-Zwischenpräsentation ist das Gebäude nun erstmalig auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

Im recht rustikal anmutenden Foyer werden die Besucher sogleich auf den besonderen Ausstellungsort eingestimmt und erhalten einen ersten groben Überblick dazu, was sie in der Ausstellung erwartet. Ein großformatiger Schwarzplan z. B. gibt Aufschluss darüber, wo überall im Stadtgebiet die IBA stattfindet – vom Bauprojekt bis zum Veranstaltungsort. Die beiden Stationen »Wahlverwandtschaften« und »die DNA Heidelbergs« gehen im Besonderen auf das Leitbild der IBA mit dem Namen »Wissen | schafft | Stadt« im Vergleich zu anderen Universitätsstädten und in Bezug auf die Geschichte Heidelbergs ein. Das offene Archiv bildet das Herz der Ausstellung und bietet Einblick in die jeweiligen IBA-Bauprojekte. Materialien zu den Entwurfskonzepten, Modelle, Planunterlagen, Filmsequenzen sowie der aktuelle Stand der Projektumsetzungen können hier begutachtet werden. Ergänzend lässt sich auch ein Blick in das »IBA_LOGbuch N°1« werfen, das weitere Hintergrundinformationen liefert (s. db 11/2017, S. 67).

Ein besonders herausragendes IBA-Projekt ist die Umgestaltung einer 100 ha großen ehemaligen Wohnsiedlung von US-Soldaten, der ein ganzer Ausstellungsraum gewidmet wurde. In den Werkstatträumen des Kommandanturgebäudes werden schließlich die Ergebnisse, die in Zusammenarbeit mit Hochschulen und anderen öffentlichen Einrichtungen entstanden sind, präsentiert.

Obwohl die Unterschiedlichkeit der vorgefundenen Räume weitgehend erhalten wurde, entsteht durch die einheitliche Materialisierung von Tischen, Regalen und Tafeln aus Dreischicht- und Multiplexplatten, die der Präsentation der vielfältigen Exponate dienen, sowie durch die Layout- und Farbgestaltung ein selbstverständlicher Ausstellungsparcours. Die Interventionen vom Bestand so deutlich abzusetzen und damit auch leicht rückbaubar zu machen, gehöre zum Konzept, wie die Kuratoren Hanne Rung und Carl Zillich in einer Videoinstallation erklären: Die IBA ist in den Räumen nur für eine begrenzte Zeit zu Gast und wird in naher Zukunft dem geplanten Informationszentrum für die gemeinsame deutsch-amerikanische Geschichte Platz machen.

Die spannungsreich inszenierte Ausstellung macht die wesentlichen Aspekte der IBA sichtbar und thematisiert sie ausführlich. Umfangreiches Informationsmaterial, das wie der Ausstellungsbesuch kostenfrei ist, liegt zur Mitnahme bereit. Bei Bedarf kann sogar die Heimreise auf einem der IBA-Fahrräder, die vor der Tür parken, angetreten werden.

Bis 7. Juli. IBA 2018 – Das Wissen der Stadt. Zwischenpräsentation der IBA Heidelberg. Mark Twain Center, Römerstraße Ecke Rheinstraße, 69126 Heidelberg, Di-So 15-20 Uhr, www.iba.heidelberg.de