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©Wilhelm Wagenfeld Stiftung, Foto: Jens Weyers, Bremen
bis 27.10.19 im Wilhelm Wagenfeld Haus

Wilhelm Wagenfeld (Bremen)

~Franziska Puhan-Schulz

Wie kommt es, dass kaum ein anderes Objekt die Ziele des Bauhauses so eindrucksvoll verkörpert wie die Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld aus dem Jahr 1924? In der von Julia Bulk anlässlich des 100-jährigen Bauhausjubiläums im Wilhelm Wagenfeldhaus in Bremen konzipierten Ausstellung bildet die Leuchte den Ausgangspunkt einer ungewöhnlichen Rezeptionsgeschichte. Walter Gropius, der Direktor des Weimarer Bauhauses, sah elektrisches Licht als Fortschritt im »Maschinenzeitalter« und wünschte sich mehr »Beleuchtungskörper« von den Studierenden der Metallwerkstatt. Wagenfelds, aus den industriellen Halbzeugen zylindrischer Schaft, Opalglaskugel und ummanteltes Kabel in Manufakturarbeit zusammengesetzte Leuchte durfte daher sogleich als Aushängeschild fürs Bauhaus auf die Leipziger Herbstmesse. Nur fehlten 1924 für die serielle Fertigung noch die nötigen Kontakte zur Industrie. Die mediale Verbreitung, die an einer Wand in der Ausstellung nachvollziehbar gemacht wird, ist dennoch beeindruckend. Bereits 1938 taucht die Bauhaus-Leuchte in einem Ausstellungskatalog des MoMA in New York auf, aber erst mit der Reedition im Jahr 1980 fand die Leuchte Eingang in zahlreiche Haushalte.

Für die Gestaltung der Bremer Ausstellung wurde von Prof. Gebert (KhK Kassel) eine reduzierte Konstruktion von horizontalen und vertikalen Lochplatten aus Metall geschaffen, die die Stromzuführung dezent verdeckt. Zudem werden in Reihenhängungen konsequent einzelne Adaptionsschritte und je eine zeitgenössische Leuchte präsentiert.

Erstaunlich, dass es bislang keine eigene Ausstellung zu den mehr als 100 Leuchten gegeben haben soll, die der vielseitige Gestalter in seinem Leben entworfen hat. Insgesamt werden im Wagenfeld Haus auf 320 m2 rund 150 Exponate gezeigt, in Bezug zu den Leuchten stehende Werbeplakate, Zeichnungen und Fotos. Darunter auch das handschriftliche Bewerbungsschreiben des gebürtigen Bremers an die Direktion des staatlichen Bauhauses in Weimar. Er hatte zunächst in Hanau in der Entwurfsklasse »Metallgeräte« teilgenommen, modellierte, war im Aktsaal und arbeitete in den Ziselier- und Silberschmiede-Werkstätten.

In den vier Teilen der Ausstellung wird gut nachvollziehbar, wie sich die Bauhausidee in den 50er bis 70er Jahren im Werk Wagenfelds weiterentwickelt hat – von streng geometrischen Formen wie Kugel und Zylinder über Leuchten mit organisch fließenden Formen (einige davon sogar mit Dekor) bis hin zum modularen Leuchten-Programm. Die begrenzte Deckenhöhe vieler Nachkriegsbauten führte zu funktionalen Lösungen, die ausreichend Luft zirkulieren ließen. Für Bad, Keller, Küche und Flur entstanden beispielsweise seit 1954 in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Lindner bedarfsorientiert ganze Typenreihen von Decken-, Wand- und Eckleuchten sowie auch Außenleuchten, die neben Weiß und Schwarz in zarten Pastellfarben zum Wohlfühlen beitragen sollten. Ab 1959 entwirft Wagenfeld mit seiner Werkstatt Glühlampen und Porzellanfassungen mit völlig neuen Formen. LED-Retrofits greifen seit 2005 z. T. deren Form auf.

Der finale Teil der Ausstellung zeigt anhand von Leuchten von Gio Ponti, Vico Magistretti oder Gae Aulenti wie prägend die Form der Bauhaus-Leuchte über 50 Jahre später noch ist. So prägend wie der Gedanke, dass Gestaltung Veränderung bewirkt und Lichtquellen zur Stimmung beitragen.


Bis 27. Oktober
Wilhelm Wagenfeld Haus, Am Wall 209, 28195 Bremen.
Di 15-21 Uhr, Mi-So 10-18 Uhr, www.wilhelm-wagenfeld-stiftung.de