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Bild: Vitra Design Museum/ Foto: Norbert Miguletz

Victor Papanek (Weil am Rhein)

Victor Papanek (1923-98) war seit den 60er Jahren einer der wichtigsten Vordenker eines sozial und ökologisch orientierten Designansatzes. Diesen für das 21. Jahrhundert neu zu entdecken, haben sich die Kuratoren Amelie Klein vom Vitra Design Museum und Alison J. Clarke von der Victor J. Papanek Foundation (Universität für angewandte Kunst Wien) in Zusammenarbeit mit dem »Museu del Disseny de Barcelona« zum Ziel gesetzt. Es ist zugleich die erste große Retrospektive auf das Werk des österreichisch-amerikanischen Designers, Autors und Aktivisten.

Papaneks Hauptwerk: »Design for the Real World« (1971), wurde bis heute in 20 Sprachen übersetzt. Es gilt als das meistgelesene Buch über Design, das im Weiteren die Do-it-yourself-Designbewegung beeinflusste. Wer zahlreiche Möbelstücke Papaneks erwartet, wird von dieser Ausstellung enttäuscht sein. Ein ungewöhnlicher, nicht eben komfortabel wirkender Esszimmerstuhl aus Holz und Stahl (Serie Shamisen, 1952-56) ist, durch die sparsame, die Wirbelsäule umspielende Rückenlehne, vielleicht das einprägsamste Möbelstück der Präsentation. Zu der Flut an Exponaten gehören v.a. Notizbücher, Manuskripte, Zeichnungen, Briefe, Gegenstände aus Papaneks Sammlung ethnologischer Objekte und zahlreiche Poster. Entsprechend sollte man für den Besuch etwas Lesezeit mitbringen.

20 zeitgenössische Werke sollen Papaneks Thesen ins 21. Jahrhundert weiterdenken. Sie streifen Themen wie globalen Klimawandel, Identität, Konsumverhalten und Migrationsbewegungen. Als Auftakt und Einleitung präsentiert eine großformatige Medieninstallation Papaneks Thesen im Kontext seiner Zeit. Eine Schauwand zeigt seine Zeitgenossen, darunter George Nelson, Richard Buckminster Fuller und Marshall McLuhan. Eine reich bebilderte biografische Übersicht zeichnet Papaneks Wirken von der Flucht aus Europa 1939 bis zum internationalen Erfolg als Autor und Vermittler eines neuen, kritischen Designverständnisses nach. Ein großer runder, demokratischer Holztisch mit acrylglasabgedeckter Vertiefung bzw. Erhebung dient z. B. für die Auslage seiner konsumkritischen Publikationen. Dazu gehören Bücher wie »How Thinks Don’t Work« (1977) oder »Design for Human Scale« (1983). Auszüge aus seinem damaligen Terminkalender und ein mehrstöckiger runder Diakoffer dokumentieren seine umfangreichen, weltweiten Lehr- und Vortragsreisen.

Im Zentrum der Ausstellung steht Papaneks Einsatz für gesellschaftliche Randgruppen. Z. B. Forschungen dazu, wie sich mit einem Rollstuhl in ein Auto einsteigen lässt oder kooperative Forschung darüber, welches Design von Kindern angenommen wird – präsentiert über eine bewegliche Spielplatz-Struktur in Form eines hölzernen Tetrakaidecahedrons (1973-75). Sucht man nach einer Zusammenfassung des Designs von Papanek kommt man auf beweglich, kritisch, ethisch, günstig.

~Franziska Puhan-Schulz

Bis 10. März. Victor Papanek. The Politics of Design. Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, 79576 Weil am Rhein, tägl. 10-18 Uhr, Katalog: 59,90 Euro, www.design-museum.de