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Ausstellung bis 2. Februar 2020

Reflex Bauhaus (München)

~Karl J. Habermann

Die neue Sammlung in München bietet mit ihrer aktuellen Ausstellung im Rahmen der bundesweiten Rückschau auf 100 Jahre Bauhaus in Kooperation mit dem Künstler Tilo Schulz einen zwar überschaubaren dafür jedoch umso anregenderen Beitrag zum Jubiläum. Die bedeutendsten Exponate, alle Inkunabeln der Designgeschichte und am Bauhaus gefertigt, treten in einen Dialog mit fünf Positionen aus der zeitgenössischen Kunst. Auf einer großen polygonalen Plattform wird das »Gespräch« zwischen Gestern und Heute inszeniert. Der Betrachter wird ganz unmittelbar aufgefordert sich in den Dialog einzumischen, zu reflektieren, Fragen zu stellen und individuelle Interpretationen zu entwickeln. Bei wiederholten Rundgängen entlang der Exponate erschließt sich die beeindruckende Vielfalt der Werkstätten am Bauhaus mitsamt der dort tätigen Entwerfer und ihrer Produkte.

Wenn die Materialcollage der indischen Architektin Anupama Kundoo den Textilarbeiten der Werkstattleiterin Gunta Stölzl zugeordnet wird, bleibt dem aufmerksamen Betrachter viel Raum für weitreichende eigene Assoziationen. Das gespiegelte Wortbild der Schriftstellerin Barbara Köhler antwortet da schon eindeutiger auf die Doppelpultleuchte von Christian Dell. Ayzit Bostan, deutsch-türkische Modedesignerin, lässt sich direkt von Marcel Breuers Lattenstuhl Ti 1a zu einem Liegemöbel aus Stahl und Textilbändern inspirieren. Möbel von Marcel Breuer bilden den optischen Schwerpunkt der Ausstellungsinszenierung. Neben seinen berühmten Stühlen sind das zwei Schreibtische, ein Kleiderschrank, ein Vitrinenschrank und Kleinmöbel – alles aus originaler Fertigung am Bauhaus. Hermann Finsterlin hat man in erster Linie wegen seiner expressionistischen Architekturphantasien im Gedächtnis. Seine hier gezeigten »Didyms« (Durchdringungen) von 1922 – ein Baukasten aus verspielten, mit Kaseinfarben bemalten Fichtenholzobjekten – werden von der dänischen Künstlerin Sofie Thorsen in ihre eigene Sprache aus Draht übersetzt. Der fünfte Dialog schließlich wird von dem japanischstämmigen Komponisten Junya Oikawa geführt. Er bestückt das Bauhausschachbrett von Joseph Hartwig mit Sensortechnik und überträgt die Bewegungen darauf in elektronische Musik im Raum (s. Abb. oben). Ein Experiment, das auch am Bauhaus Anklang gefunden hätte.

Der zur Ausstellung erschienene Katalog schließt die vorhandenen Informationslücken auf besonders anschauliche Weise. Eine Abbildung von Gunta Stölzls Wandbehang Nr. 247 ziert den Einband. In freier Abfolge wechseln sich Künstlerporträts, Vorstellungen der internationalen Dialogpartner und Hintergrundinformationen ab. Sorgfältige Quellennachweise erlauben die Möglichkeit der Nachrecherche. Der Aufsatz »Das Bauhaus und München« von Josef Straßer (Oberkonservator Die Neue Sammlung München) bildet dabei einen wichtigen Schwerpunkt im Zusammengetragenen und rundet den außergewöhnlichen und höchst unterhaltsamen Exkurs in die Welt der »Bauhäusler« ab.

Bis 2. Februar 2020. Reflex Bauhaus. 40 Objects – 5 Conversations. Pinakothek der Moderne,
Die Neue Sammlung – The Design Museum,
Barer Straße 40, 80333 München, Di-So 10-18, Do bis 20 Uhr, www.pinakothek-der-moderne.de