Poelzig_Hans_(1869-1936),_Lichtspielhaus_Babylon_am_Bülowplatzes_(Scheunenviertel),_Berlin_(1928-1929):_Block_14,_perspektivische_Ansicht._Kohle_auf_Transparent,_70,3_x_95,5_cm_(inkl._Scanränder)._TU_UB_Plansammlung_Inv._Nr._3625.
Universität Berlin

Hans Poelzig (Berlin)

In das Bauhausjubeljahr 2019 fällt auch der 150. Geburtstag eines der Großmeister des Neuen Bauens in Deutschland: Hans Poelzig (1869-1946). Aus seinem umfangreichen Nachlass, der an der TU-Berlin verwahrt wird, sind für die Ausstellung in der Tchoban Foundation ausschließlich Berliner Projekte ausgewählt worden. Sie stehen für eine eigene Facette der Moderne: Mit kraftvollem Strich in Kreide skizziert, entwarf Poelzig dynamische Großstadtarchitekturen jenseits gestrenger Bauhausarchitektur. Gestaffelt und geschwungen, ohne Angst vor Werbeschriftzügen zeigt sich sein zauberhafter Entwurf für das Geschäftshaus S. Adam an der Ecke von Friedrich- und Leipziger Straße. Bis heute ein Genuss in Entwurf wie Realität bleibt Poelzigs Meisterwerk, das Haus des Rundfunks. Beide Zeichnungen verdeutlichen, wie tief Poelzigs Kunst bei aller Innovationskraft auch Expressionismus und Handwerkstechnik verpflichtet war. Nicht der Bruch mit der Tradition war sein Anliegen, sondern deren Weiterentwicklung. »Wir müssen uns vor ihr retten, dadurch dass wir sie meistern, dass wir sie geistig und seelisch durchdringen«, wird er von Hans-Dieter Nägelke im begleitenden Katalog zitiert. Da fügt es sich wunderbar, dass in der zeitgleich laufenden Ausstellung zur »Novembergruppe« (»Freiheit«, Berlinische Galerie, bis 11.3.2019) Mies van der Rohes geschwungenes Glashaus und Poelzigs an den Breitseiten konkav eingeschwungenes Turmhaus für die Friedrichstraße zu sehen sind, wie schon auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1922. Sie stehen für die enorme Spannweite des Neuen Bauens jener Jahre. Es oszillierte zwischen entmaterialisierter Glasfantasie, organischer Bewegtheit, kubischem Kanon und terrakottaschwerer Tektonik. Solche Bandbreite der Möglichkeiten hielt Poelzig auch im eigenen Büro für seine Auftraggeber bereit. Das zeigen die Entwürfe für ein (ungebautes) Hotel an der Kantstraße. Während sich das Haus auf einem Blatt fast schwebend in seiner Horizontalität präsentiert, zeigt es sich auf einem anderen mit erdgebundener Schwere. Als Lehrer einer ganzen Generation von Architekten der Moderne, bot Poelzig seinen Schülern damit Fundus wie Modus, aus denen sie – bestens präpariert – ihre eigene Haltung aufzubauen vermochten.

~Jürgen Tietz

Bis 3. Februar. Hans Poelzig. Projekte für Berlin. Tchoban Foundation, Museum für Architekturzeichnung, Christinenstraße 18a, 10119 Berlin, Mo-Fr 14-19, Sa, So 13-17 Uhr, Katalog 15 Euro, www. tchoban-foundation.de