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Blick über die neue Altstadt, Foto: Uwe Dettmar
bis 10. März 2019

Die immer neue Altstadt (Frankfurt a. M.)

~Alfred Hottmann

Die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt sorgte bereits lange vor ihrer Einweihung in diesem Sommer für hitzige Gemüter (s. db-Kommentar 6/2018 » und »Ein bisschen von Allem« db 10/2018, S. 14), weswegen man es als geradezu wohltuend empfindet, dass sich das DAM in seiner Ausstellung ganz nüchtern mit der Geschichte dieser Entwicklung beschäftigt. Sie zeigt u. a., dass die aktuelle Diskussion keineswegs neu ist und die Gegenwart immer wieder von der Vergangenheit eingeholt wird.

Den Auftakt des Ausstellungsrundgangs bildet eine Zeichnung der Altstadt aus dem 17. Jahrhundert – damals noch von Stadtmauern eingefasst – sowie eine Serie von Modellen, die gewissermaßen im Schnelldurchlauf die baulichen Veränderungen bis heute sehr anschaulich dokumentieren. Der Großteil der Ausstellung befasst sich jedoch mit den prägenden baulichen Entwicklungen zwischen Kaiserdom und Römerbau – den beiden ständigen Konstanten im Stadtbild – ab Beginn des 20. Jahrhunderts. Vergleichbar einer kleinen Altstadt ist der Ausstellungsparcours angelegt: Leicht abgedunkelt, verwinkelt und zuweilen auch etwas eng.

Angefangen mit dem massiven Bevölkerungswachstum und dem technologischen Fortschritt ab 1900 wurden schon die ersten gravierenden Veränderungen an der Altstadt vorgenommen. Der Durchbruch der Braubachstraße z. B. schuf Platz für die Straßenbahn im Zentrum. Ihr folgte Zug um Zug die Moderne der 20er Jahre. Die Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstörten das historische Zentrum dann fast vollständig, und so kam die Frage auf, die auch für die weitere Zukunft prägend sein sollte: Rekonstruktion oder Neugestaltung? Das wiederhergestellte Goethehaus und die neuinterpretierte Ruine der Paulskirche zeigen hier die beiden Philosophien der Nachkriegszeit exemplarisch auf.

In den folgenden Jahren sind es v. a. Wettbewerbe, die über das weitere Vorgehen in der Altstadt entscheiden. Besonders jene zum Technischen Rathaus und zur Schirn Kunsthalle sind in der Ausstellung anhand von Modellen und Plänen gut dokumentiert. Gegen Ende des Rundgangs wird schließlich die »Neue Altstadt« ausführlich beleuchtet. Besonders interessant hierbei sind die politischen Zusammenhänge, die zum letzten Höhepunkt der Rekonstruktionsdebatte im Jahr 2005 geführt hatten. Der Einblick in die Gestaltungssatzung sowie eine Reihe von Fassadenmodellen verdeutlichen zudem, welches Erscheinungsbild bei den Planungen angestrebt wurde.

Abgerundet wird die Ausstellung durch eine Reihe von Zitaten, welche die Essenz der Diskussion um die Altstadt abbilden. Vom Vergleich mit »Disneyland« bis hin zum Ausruf »Die Bürger haben ein Recht auf Fachwerk!« ist alles dabei. Die Kuratoren überlassen es dem Besucher – nach dem Ausstellungsrundgang mit dem notwendigen Hintergrund aufs Beste ausgestattet – selbst, sich eine Meinung zur »Neuen Altstadt« zu bilden.

Bis 10. März. Die immer neue Altstadt. Bauen zwischen Dom und Römer seit 1900. DAM
Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt a. M., Di-So 11-18, Mi bis
20 Uhr, Publikation: Philipp Sturm, Peter Cachola Schmal (Hrsg.), Deutsch/Englisch, 58 Euro.
www.dam-online.de