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Abbildung: Erich Kettelhut (1893-1979) Stadt von oben mit Turm Babel, Sammlung: Deutsche Kinemathek – Erich Kettelhut Archiv © Erich Kettelhut; Deutsche Kinemathek Berlin
Berlin, bis 29. September

Deutsche Filmarchitektur 1918-1933

~Jürgen Tietz

Bis heute gelten Filme wie »Metropolis«, »Golem« oder »M – Eine Stadt sucht einen Mörder« als Meisterwerke. Während der Weimarer Republik entstanden, haben sie sich dank ihrer starken Bilder tief in das Filmgedächtnis eingegraben. Eine zentrale Rolle kam dabei der Architektur zu. Stadtansichten und Innenräume zielten darauf ab, spezifische Atmosphären zu erzeugen. In den frühen Filmstudios entstanden oft auf engstem Raum architektonische Kunstwelten. Mal urban (Metropolis), mal beängstigend (Golem) oder auch spießbürgerlich (Blauer Engel) gestaltet, sprachen sie die Emotionen des begeisterten Kinopublikums an, weckten dessen Fantasien. Mit der Ausstellung über deutsche Filmarchitektur aus der Zwischenkriegszeit, die u. a. mit Leihgaben aus der Deutschen Kinemathek Berlin und dem Deutschen Filminstitut und Filmmuseum Frankfurt a. M. bestückt wurde, widmet sich die Tchoban Foundation den zeichnerischen Vorlagen für diese Filmbauten und -bilder. So wird anhand mehrerer Blätter von Erich Kettelhut (1893-1979) für Metropolis, in die Fritz Lang seine Kommentare eingetragen hat, die schrittweise Entwicklung der berühmten Stadtansicht mit ihren überlappenden Verkehrswegen und Hochhäusern nachvollziehbar. An die Stelle einer zunächst von Kettelhut vorgesehenen gotischen Kathedrale, tritt ein säulenartiges Turmhaus mit kapitellförmiger Hubschrauberlandeplattform, das an Adolf Loos‘ Entwurf für die »Chicago Tribune« erinnert. In den gezeichneten Film-Veduten vermischen sich futuristische Stadtvisionen und aktuelle Großstadtwirklichkeiten. Zu den wenigen wirklichen Architekten unter den Filmarchitekten gehörte Hans Poelzig. Gemeinsam mit seiner Frau, der Bildhauerin Marlene Moeschke-Poelzig, arbeitete er an den Filmen Golem und Zur Chronik von Grieshuus. Ob als Theatermaler wie Erich Kettelhut oder als Dekorationsmaler, wie sein späterer Kollege Otto Hunte (1881-1960) – die Wege zum neuen Berufsfeld des Filmarchitekten waren vielfältig. Neben unterschiedlichen künstlerischen Handschriften sind in der Ausstellung auch unterschiedliche Auffassungen von Architektur zu entdecken. Das reicht bis zu den fast naiv anmutenden, alltäglichen Straßenszenen, die Emil Hasler (1901-1986) für »M – Eine Stadt sucht einen Mörder« gezeichnet hat. Besonders reizvoll sind die Skizzen, die Franz Schroedter (1897-1968) für den verschollenen Film »Pique Dame – das Geheimnis der alten Gräfin« von 1927 im neu-sachlichen Duktus lieferte. Während seine »Industrielandschaft« Züge von Bildern Fernand Légers trägt, erinnert seine poetische Bar-Szene samt gerundeter Treppe lebhaft an Arbeiten von Edward Hopper. Ergänzt wird die sehenswerte Ausstellung durch einen informativen Katalog sowie ausgewählte Filmsequenzen und einige Blätter, die die Umsetzung der Bühnenbildentwürfe in den Filmstudios veranschaulichen.

Bis 29. September. Deutsche Filmarchitektur 1918-1933. Tchoban Foundation, Museum für Architekturzeichnung, Christinenstraße 18 A, 10119 Berlin, Mo-Fr 14-19, Sa+So 13-17 Uhr, Katalog, 25 Euro, www.tchoban-foundation.de