Zürich baut

Herausgegeben im Auftrag der Stadt Zürich von Franz Eberhard und Regula Lüscher. 312 Seiten mit 200 teils farbigen Abbildungen, deutsch/englisch. Gebunden, 39,90 Euro Birkhäuser Verlag, Basel, 2007

~Christoph Gunßer

Wer mehr über Berlins neue Senatsbaudirektorin Regula Lüscher erfahren will, sollte sich in dieses gewichtige Buch vertiefen – gut möglich, dass es zu ihrer Berufung beigetragen hat. Was sie und ihr Team in knapp acht Jahren im Zürcher Amt für Städtebau bewegt haben, lässt die Planerzunft europaweit aufhorchen (siehe auch db 6/01, S. 78). Dort ist es weitgehend gelungen, den starken Entwicklungsdruck der Finanzmetropole für »konzeptionellen Städtebau« zu nutzen, für neue kooperative Verfahren, für – wie die Architektin Lüscher es ausdrückt – die Arbeit am »Stadtkörper«, die sie im Buch in zahlreichen anschaulichen Skizzen zeigt. Die Reurbanisierung alter Industrieviertel wie Zürich-West war nur ein Aspekt dieser innovativen Arbeit, andere »Zimmer« der Stadt erfahren gegenwärtig eine Renovierung, Seeufer und Lichterplan, aber auch Konzepte für Hochschulgebiet und Stadtrandquartiere werden vorgestellt.
Dennoch ist das Buch recht schwere Kost, neben gut aufbereitetem Planmaterial, Luftbildern und leidlich lebendigen, bebilderten Interviews und Diskussionen mit den Akteuren schleppt es noch immer einen Haufen abstrakten Planerjargons mit (Lesarten, Lernfelder, Kommunikationsbausteine …), zudem zweisprachig gesetzt. Es ist halt ein städtischer Kompromiss und kein Journal voll trendiger Architektur für Insider. Die ist in Zürich zwar auch entstanden, steht hier jedoch nicht im Mittelpunkt. Das Buch ist betont sachlich gehalten, Bildstrecken aus dem Stadtalltag lockern die langen Texte hin und wieder auf. Auch etwas Geschichte und Statistik findet sich eingestreut. Richtig kontrovers geht es in den Gesprächen selten zu. In Zürich hat man sich für rasche konstruktive Zusammenarbeit entschieden. Man darf gespannt sein, was davon auf die Berliner Planungskultur abfärbt.