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Wohnhygiene und Wärmedämmung

Die Geschichte unserer Wohnkultur. Von Helmut Künzel. 169 S., 41 Abb. und 3 Tab., gebunden, 45 Euro, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart 2017

Bei der »Wohnkultur« aus dem Untertitel handelt es sich weniger um die Kunst des Einrichtens und sozialer Interaktion mit anderen Menschen als vielmehr um die baulichen und bauphysikalischen Rahmenbedingungen, die das Wohnen in den letzten 150 Jahren immer komfortabler gemacht haben. Der Autor, Helmut Künzel, war ab 1952 am Aufbau des Fraunhofer Instituts in Holzkirchen beteiligt und prägte über Jahrzehnte die Entwicklung der bauphysikalischen Standards in der Bundesrepublik mit. Auch im Ruhestand verfasste er weiterhin Fachbücher. Im vorliegenden Werk, das fast genau zu seinem 90. Geburtstag erschien, widmet er sich dagegen der Historie seines Fachgebiets. Nicht von ungefähr nimmt die Vorstellung von vier Protagonisten der Disziplin nahezu die Hälfte des Buchs ein. Max von Pettenkofer ist ihm davon der wichtigste, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Fragen der Hygiene und insbesondere sauberer Wasserverhältnisse auseinandersetzte (s. etwa Deutsche Bauzeitung 14/1891) – zwar vor medizinischem Hintergrund, aber mit Erkenntnissen, die auch heute noch Gültigkeit haben. Dazu gehören u. a. die Messung des CO2-Gehalts in der Raumluft zur Bestimmung der Luftqualität und der Zusammenhang zwischen Raumluftfeuchte und Temperatur. Künzel nimmt in diesem Zusammenhang die Gelegenheit wahr, ein weiteres Mal für eine dauerhafte Raumlüftung zu werben, um die sogenannte Sorptionsfeuchte aus Möbeln und Textilien abzuführen.

Das Buch ist ein unterhaltsamer und aufschlussreicher Spaziergang durch die Entwicklung zunächst von nicht mehr krank machenden, dann zunehmend von behaglichen Wohnverhältnissen – wussten Sie beispielsweise, dass Goethe sich auch mit der Verbesserung der Effizienz von Heizungen beschäftigt hat? – und durch die Geschichte der Bauphysik, die sich hier als wahre forschende Wissenschaft darstellt. ~dr