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Wohngenossenschaften in Zürich

Gartenstädte und neue Nachbarschaften. Von Dominique Boudet (Hrsg.). 256 S., 394 farb. und 281 S/W-Abb. und Pläne, broschiert, 68 Euro, Park-Books, Zürich 2017

~Jürgen Tietz

Besser voneinander zu lernen erscheint zumal im »Europäischen Jahr des kulturellen Erbes 2018« besonders wünschenswert. Warum
also nicht auch beim europäischen Architekturthema Nummer 1, dem Wohnungsbau? Das haptisch wie optisch gut gemachte Buch »Wohngenossenschaften in Zürich« (ganz europäisch im thüringischen Altenburg gedruckt) lädt dazu ein. Es skizziert nicht nur die 100-jährige Geschichte der Züricher Wohnungsgenossenschaften (Beiträge von Sylvia Claus und Caspar Schärer), sondern stellt auch 51 jüngere Beispiele in Wort, Bild und Plan unter Schlagworten wie »Verdichtung«, »Parkstadt« und »Neue Nachbarschaften« vor. Leicht ließen sich Lieblingsprojekte herauspicken, wie die Gebäudespangen der Baugenossenschaft Sonnengarten im Triemli (Ballmoos Krucker) oder der Mattenhof von Bachelard Wagner Architekten. Wichtiger jedoch sind Vielzahl und Mischung der genossenschaftlichen Projekte, die vorgestellt werden – mal mit innovativen Wohnformen wie im Fall der Kalkbreite, mal mit bewusst eher zurückhaltendem Duktus, entsprechend den traditionelleren Bedarfen der Bewohner. Zentral ist die bis heute gesellschaftlich unstrittige Kontinuität des genossenschaftlichen Konzepts – trotz eines gewissen Auf und Ab über die Jahrzehnte. Das klare Bekenntnis der Züricher Wahlbürger fordert gar, den Anteil von Wohnraum, der der Stadt oder gemeinnützigen Trägern gehört, von heute 25 % bis 2050 auf 30 % zu steigern; eine Aussage von baukultureller Tragweite. Zu den Züricher Besonderheiten gehört, dass gemeinnützige Bauträger bereits mit niedrigem Eigenkapital (5,6 %) beginnen können zu bauen. Die Stadt deckt die Finanzierungslücke und bekommt dafür ein Mitspracherecht. So wird bezahlbarer Wohnraum zur Gemeinschaftsaufgabe. Die meist lobenswerte Schweizer Architekturqualität mit anregenden Grundrissvarianten und gut gestalteten Außenräumen gibt es noch dazu. Aber auch Kritik hat Raum im Buch: Daniel Kurz bedauert, dass vielfach die Wohnmonokultur nicht aufgelöst wird und für viele genossenschaftliche Ersatzneubauten Liebgewonnenes weichen muss. Trotz hoher Verdichtung käme es »zu einem recht geringen Zuwachs an Mietern« aufgrund des steigenden Raumbedarfs des Einzelnen. Als kluge Anregung für deutsche Wohnbaudiskurse eignet sich das Buch aber ganz ausgezeichnet.