Vom Wagnis zum Wahrzeichen

50 Jahre Fernsehturm Stuttgart 1956–2006. Fernsehturm-Betriebs-GmbH (Hrsg.). 121 Seiten mit zahlreichen Bildern, Format 14,6 cm x 28,4 cm, ISBN 3–00–018039–7. Gebunden, 16,90 Euro. Stuttgart, 2006

Mit dem Aufkommen der drahtlosen Telegrafie und des Rundfunks trieben die Bauingenieure die Funkmasten und -türme immer höher vor. Bereits in den zwanziger Jahren erreichten solche – abgespannten – Masten, beispielsweise als Vierendeeltürme, 280 m Höhe. Das Fernsehen, dessen Wellen nicht der Erdkrümmung folgen, braucht für seine flächendeckende Verbreitung »Einzelstrahler«, die die im direkten Blickbereich liegenden Täler und Einschnitte ausleuchten. So fand der Süddeutsche Rundfunk Anfang der fünfziger Jahre den günstigen Ort für eine immer dringender geforderte Anlage auf dem Hohen Bopser nahe Stuttgart.
Fritz Leonhardt hörte von der beabsichtigten Errichtung eines Fachwerkmastes und schlug, von den Erfahrungen beim Bau von Stahlbetonschornsteinen ermutigt, statt- dessen einen schlanken Stahlbetonschaft vor, der, mit Aussichtsplattform und Restauration in großer Höhe, als technisches Bauwerk auch der Allgemeinheit zugute kommen sollte. Die Idee, einen solchen Turm zu bauen, war völlig neu. Vorbilder gab es nicht. Die Skepsis war auf allen Seiten groß.
Nun ist der Turm 50 Jahre alt. Um ihn kreisen die elf Beiträge in diesem Buch. Sie reichen von der für Laien verständlich beschriebenen Bau- und Sendetechnik über die verwaltungsspezifischen und ausführungstechnischen Eiertänze und Schwierigkeiten bis zur geglückten Inbetriebnahme. Hinzu kommen Stimmen zu seiner Bedeutung als Wahrzeichen für die Stadt Stuttgart oder für den einzelnen Betrachter als Synonym für Heimat. Ein Kapitel rekapituliert Leonhardts Leben und Werk. Sein Turm fand weltweit Nachfolger, die jedoch seine überzeugend zeitlose Form nicht wieder erreichten. Klaus Stiglat