Vertikale Gärten

Von Anna Lambertini. 240 Seiten mit 230 farbigen Abb., gebunden. 59,95 Euro. DVA, München 2009

Die Idee, senkrechte Flächen zu begrünen, ist ein angesagtes Thema in der aktuellen (Landschafts-)Architektur. Nicht zu Unrecht, sind doch im dichten urbanen Umfeld Wandflächen kommerziell oft die einzig vertretbaren Flächen, Grün anzusiedeln. Neben der erfreulichen ästhetischen Komponente bieten diese Flecken Natur mikroklimatische und ökologische Vorteile.

Die Architektin Anna Lambertini hat in ihrem Buch 31 renommierte und spektakuläre Projekte aus aller Welt zusammengetragen (Herzog & de Meuron, Jean Nouvel, Terunobu Fujimori, Kengo Kuma u. a.). Kurze Projektbeschreibungen und zahlreiche großformatige Fotos vermitteln ein Bild der jeweiligen Aufgabe. Es verwundert nicht, dass etliche der Projekte aus Frankreich stammen – der Heimat von Patrick Blanc, der als zeitgenössischer Pionier der Wandbegrünung gilt.
Dass vertikale Gärten jedoch keine moderne Erfindung sind, verdeutlicht die geschichtliche Einführung von Jacques Leenhardt, der einen weiten Bogen von den häufig zitierten hängenden Gärten von Babylon über die Pergola-Konstruktionen in römischen Gärten in die Neuzeit schlägt. Ebenfalls berücksichtigt werden künstlerische Ansätze von Vito Acconci oder Heather Ackroyd und Dan Harvey sowie die gesellschaftskritischen Pamphlete des – in Architektenkreisen gerne geschmähten – Friedensreich Hundertwasser.
Leider geben die schönen – manchmal redundanten – Fotos von Mario Ciampi nur Momentaufnahmen wieder. Weder dokumentieren sie jahreszeitliche Veränderungen noch die Entwicklung mancher älterer Projekte. Auch wirken einige Übersetzungen fachlich wenig präzise. Darüber hinaus werden selten genauere Angaben zu den verwendeten Pflanzen gemacht, und konstruktive Aspekte in Form von aufschlussreichen (Detail-)Zeichnungen fehlen völlig. Das vorliegende Buch spricht daher Leser an, die eine inspirierende Bildersammlung suchen – als Werkzeug für den Praktiker eignet es sich weniger.
~Alexander Felix