Urbaner Holzbau

Handbuch und Planungshilfe; Chancen und Potenziale für die Stadt. Hsrg. von P. Cheret, K. Schwaner, A. Seidel, 234 S., 78 Euro, Hardcover, DOM Publishers, Berlin 2014

~Mathias Remmele

Wir erleben bereits seit einiger Zeit eine Renaissance des Holzbaus. Ganz zu Recht, wie ein Blick auf die ökologischen, bautechnischen, baubiologischen und atmosphärischen Qualitäten des Baumaterials Holz beweist. Während nun der Holzbau im ländlichen Raum und bei kleinmaßstäblichen Projekten stets eine Rolle gespielt hat, ist er aus dem städtischen Kontext für viele Jahrzehnte nahezu vollständig verschwunden gewesen. Das hing in Mitteleuropa wesentlich mit restriktiven Brandschutzbestimmungen zusammen, die eine Nutzung des Materials bei mehrgeschossigen Bauaufgaben praktisch ausschloss. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Beachtliche konstruktive und bautechnische Innovationen sowie neuartige Lösungen für den Brandschutz haben im Verbund mit dem allgemeinen Bewusstseinswandel dafür gesorgt, den Holzbau auch für den urbanen Kontext wieder interessant zu machen – eine Entwicklung, die sich in der Zukunft erheblich verstärken dürfte. Denn die konstruktiven und v. a. die gestalterischen Möglichkeiten des Holzbaus sind noch längst nicht ausgeschöpft. Ein jüngst erschienener Sammelband mit dem Titel »Urbaner Holzbau. Chancen und Potenziale für die Stadt« kommt da zur rechten Zeit. In zahlreichen, gut informierten Beiträgen beleuchtet das Buch alle relevanten Fassetten des Themas und bettet es zugleich in den größeren Kontext der Stadtentwicklung ein. Ein Dokumentationsteil, der rund ein Viertel des Bands einnimmt und ruhig ausführlicher hätte ausfallen dürfen, bietet einen beispielhaften Überblick über den zeitgenössischen Holzbau im städtischen Kontext. Die hier vorgestellten Projekte – Neubauten, Aufstockungen und Sanierungen – stammen vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum. Sie zeigen die Bandbreite der in jüngster Vergangenheit erarbeiteten Lösungen und sie verdeutlichen, dass der Holzbau im Bereich der Gewerbe- und Büroprojekte leider noch immer ein Stiefkind ist. Umso bedauerlicher, dass Shigeru Bans jüngst fertig gestelltes Bürogebäude für die Tamedia-Gruppe in Zürich hier keine Beachtung gefunden hat.