UmBauhaus

Aktualisierung der Moderne. Von Matthias Hollwich und Reiner Weisbach (Hg.). 208 Seiten, Format 16,5 x 24 cm, mit zahlreichen Abbildungen und einer DVD, Text auf Deutsch und Englisch, broschiert, 24,80 Euro

Jovis Verlag Berlin, 2004
Dieses Buch ist der Versuch, in kurzen Beiträgen der Vielschichtigkeit eines Problems Herr zu werden, zu dem nicht einmal unter Architekten Einigkeit besteht. Das nach dem Krieg auf den Fundamenten des Direktorenhauses von Walter Gropius errichtete Gebäude steht dabei im Mittelpunkt: ein banales Einfamilienhaus mit Satteldach. Soll man den derzeitigen Zustand belassen, die Geschichte des Hauses einschließlich seines Umbaus als Denkmal deklarieren? Den Originalzustand wiederherstellen? Etwas Neues wagen? Welche Nutzungen sind angebracht? Auf einer Reise haben die Autoren in Europa und Amerika Meinungen eingefangen und aufgezeichnet, diese dann in dem Buch und auf der beigelegten DVD zu einem »Rap durch das Zeitgeschehen zusammengeschnitten«. Keine ausführlichen fundierten Grundsatzerläuterungen, keine bevorzugte Haltung, die das Buch dem Leser nahe legen will. Kurze Aufsätze, provokative Statements, manche mehr, manche weniger intelligent. Viel Prominenz äußert sich, auch der Bürgermeister und die Denkmalpflege kommen zu Wort. Die Rekonstruktion des Berliner Schlosses, der Nachbau des Dogenpalastes, alles kommt hinein ins bunte Pottpourri der Pluralität. Und doch erschöpft sich die Wirkung des Stakkatos der Meinungen, ermüdet die unredigierte Wiedergabe der Aufzeichnungen. Das Buch sei, so der Pressetext, ein Versuch, aus einer Debatte, einem Projekt und Prozess neue Erkenntnisse zu generieren. Nach denen nun aber auch zu suchen wäre! Letztlich muss man sich auf eine Lösung einigen. Gelohnt hätte sich das Buch dann, wenn diese Einigung die Toleranz derjenigen findet, die sie nicht teilen. Christian Holl