Ulrich Müther. Schalenbauten in Mecklenburg-vorpommern

Von Rahel Lämmler und Michael Wagner. 120 Seiten mit ca. 70 Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß. Kartoniert, 20 Euro, 32 sFr. Verlag Niggli, Sulgen, 2008

~Annette Menting

Rund ein Jahr nachdem Ulrich Müther in Binz gestorben ist, liegt nun ein neuer Band zu seinen Bauten in Mecklenburg-Vorpommern vor. Verfasst haben ihn die Schweizer Architekten Rahel Lämmler und Michael Wagner als eine Kombination aus handlichem Reiseführer und kommentierendem Essayteil. Es ist mehr als erfreulich, nun wieder ein Müther-Buch greifbar zu haben, denn die erste eigenständige Publikation ist schon lange vergriffen und kursiert, da der Verlag nicht nachdruckt, inzwischen als Geheimtipp-pdf-Datei. Gemeint ist das Buch »Kühne Solitäre« (2000), mit dem der damalige db-Chefredakteur Wilfried Dechau den »Schalenbaumeister« aus Binz gleichsam publizistisch entdeckte und ihm ein erstes kleines Denkmal setzte, was angesichts einer Zerstörungswelle von Schalenbauten, genannt sei das Berliner Ahornblatt, dringend notwendig war. Das kleine Buch hat an mehreren Orten große Wirkung gezeigt, so dass durch die erstmalige breitere Rezeption der ein oder andere Bau neu bewertet und erhalten werden konnte. Nun haben Lämmler und Wagner sich für die ungewöhnlich skulpturalen Objekte begeistert und in Zusammenarbeit mit dem inzwischen aufgebauten Müther-Archiv an der Hochschule Wismar einen systematischen Werkkatalog erstellt. An einem Archiv und einer adäquaten Werkübersicht war Müther in den letzten Jahren sehr gelegen, denn er selbst hatte zunächst in Prora versucht, möglichst alle Dokumente und Modelle zusammenzutragen und zu archivieren. Dem Werkteil vorangestellt ist im ersten Teil des Buches ein Beitrag des Tragwerks- planers Massimo Laffranchi, der Müther in den internationalen Kontext mit den Ingenieuren Heinz Isler und Felix Candela stellt, während Georg Giebeler in seinem Artikel die konkrete Bauausführung der hochkomplexen Schalenkonstruktionen durch das Spezialbau-Kombinat veranschaulicht, das sich als singulär im DDR-Bauwesen erweist. Im Hauptteil des Buches finden sich sämtliche Bauten, die Ulrich Müther in Mecklenburg-Vorpommern realisiert hat: Von den noch existierenden Objekten bis zu den inzwischen fehlenden – eine neugierig machende Bestandsaufnahme. Sehr schön und klar gestaltet ist die Folge der Doppelseiten, auf denen jeweils ein Projekt dargestellt ist mit informativem Erläuterungstext, einem aktuellen Farbbild von Dominic Ott (bei Abbruch ist dies durch eine historische Schwarz-Weiß-Aufnahme ersetzt) und neu gezeichnetem Tragsystem-Schnitt. Das neue Buch aus dem Niggli Verlag erweist sich somit als gleichermaßen konsequente und spannende Weiterarbeit an der Müther-Forschung und damit an der Forschung zur DDR-Architektur – es ist eine absolute Empfehlung und zwar weit über den Kreis der Ostsee-Reisenden hinaus!