Städtische Kreativität

Potenzial für den Stadtumbau. Von Heike Liebmann und Tobias Robischon (Hg.). 244 Seiten, Format 16 x 23 cm, mit einzelnen schwarzweißen Abbildungen, Broschur, 13 Euro. Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung e. V., Schader-Stiftung, Erkner / Darmstadt, 2003

Schrumpfung prägt die Stadtentwicklung bislang vor allem in Ostdeutschland. Im Kontext von Initiativen des Bundes zum Stadtumbau Ost und für lebenswerte Städte veranstalteten die Autoren 2002/2003 eine Reihe von Workshops in ostdeutschen Städten, die neue Wege aus der Krise erörterten. Tenor der Beiträge ist das Bemühen, Lethargie und Risikoscheu durch kreative Ansätze zu überwinden. Die lassen sich indes nicht verordnen, sondern entstehen eher beiläufig, nachdem die Akteure intensiv miteinander venetzt wurden. Klassische Wachstumsrezepte können zwar Anstöße geben, aber auch bald versagen und basisnahe Ansätze abwürgen. Fallstudien aus Manchester, Newcastle, Karlskrona und Bilbao belegen die zwiespältigen Effekte solcher zumeist ökonomisch dominierten Ansätze. Zwei Beispiele von Existenzgründern aus Frankfurt (Oder) und Jena zeigen zudem, wie unterschiedlich sich unternehmerischer Erfolg räumlich auswirken kann.
Besondere Orte zu entwickeln (»Placemaking«) ist ein Schlüssel zur nachhaltigen Stabilisierung der Verhältnisse – kollektive, vernetzte Strategien gehören dazu. Informelle, nichtkommerzielle Ansätze könnten gerade im improvisationsfähigen Osten besser greifen als der bloße Nachvollzug westlicher Modelle – sie kommen aber im Buch kaum vor.
Was aber geschieht, wenn jede ostdeutsche Stadt ihre Gartenschaugelder verbaut hat? Vergreisung sei ein schleichender, medial schwer vermittelbarer Prozess, mahnt zu Recht einer der vielen jungen Autoren.
So ist der faktenreiche Reader zumindest eine anregende und wichtige Diskussionsgrundlage, zumeist gut lesbar, zuweilen lebensnah – empfehlenswert auch abseits der aktuellen Krisenregionen. Christoph Gunßer